Architektur: Zur Faszination von Moritzburg tragen auch Fasane bei
Das kleine Örtchen Moritzburg vor den Toren Dresdens ist mit seinem Schloss, Teichen und anderen Attraktionen ein Gesamtkunstwerk. Auch gefiederte Wesen spielen eine wichtige Rolle.
Wer Moritzburg bei Dresden besucht, wird zu jeder Jahreszeit reich beschenkt - mit Historie und Kultur genauso wie mit Natur und kulinarischen Genüssen. Der „Wow“-Effekt stellt sich bereits auf der Anfahrt aus Richtung Süden ein. Schon von weitem sieht man das barocke Jagdschloss. Auf Sichtachsen hatten es die Erbauer hier ohnehin angelegt. Von der Ostseite des Schlosses kann man durch eine Waldschneise das anderthalb Kilometer entfernte Fasanenschlösschen sehen.
Etwas abseits gelegen, steht das kleinste Schloss Sachsens im Schatten des großen Bruders, der mitten in einem Schlossteich thront - obwohl der Teich wegen Trockenheit momentan immer weiter schrumpft. Mit seinem eigenen Miniaturhafen und Sachsens einzigem Leuchtturm bot das Gelände rund um das Fasanenschlösschen zu Zeiten von August dem Starken und seiner Nachfahren Platz für rauschende Feste. Hier wurden sogar Seeschlachten zur Unterhaltung des höfischen Publikums nachgestellt.
Fasanenzucht für die königliche Tafel
Auf das Jahr 1728 gehen die Anfänge des Moritzburger Fasanengartens zurück. Dort sollten Jagdfasane für die königliche Tafel gezüchtet werden. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Anlage verwüstet. Doch später gab es eine Renaissance. Camillo Graf Marcolini - der Oberkammerherr und Jugendfreund des jungen Kurfürsten Friedrich August III. - pachtete den Garten und ließ dort ein Sommerschlösschen im Rokoko-Stil errichten. Es gilt heute mit 180 Quadratmetern Fläche als „Paradies in der Nussschale“.
Nach 1815 fand die intensive Fasanenhaltung ein Ende, man behielt nur noch Edelfasane und andere exotische Vögel. Noch bis 1945 blieb der Garten im Eigentum des sächsischen Königshauses. Heute gehört der zu großen Teilen dem Freistaat Sachsen. Zwischen 2010 und 2013 wurden die exotischen und einzigartigen Wandbespannungen aus Federn, Stroh, Perlen und Stickereien restauriert - ein Augenschmaus. Heute finden hier regelmäßig Trauungen statt.
Beruf: Tischler, Berufung: Fasanenzucht
Auch die Fasanerie ist wieder mit Leben erfüllt. Der 66 Jahre alte Frank Knecht hat die Anlage 2022 übernommen, nachdem sie ein paar Jahre leer stand. Für Knecht ist das Gelände rund um das Schlösschen kein unbekanntes Terrain. Seine Oma hat in einem der Marcolini-Häuser gelebt. Als sie starb, zog er mit Frau und Kind ein. Als gelernter Tischler hatte er auch im Barockschloss Moritzburg zu tun. Dabei erhielt er das Angebot, die sechs noch vorhandenen Volieren mit Fasanen zu besetzen.
„Ich liebe das alles hier“, sagt Knecht und lässt den Blick über sein kleines Fasanenreich schweifen. Jede Voliere ist mit drei Fasanen besetzt - in der Regel mit einem Hahn und zwei Hennen. Knecht liebt die Vielfalt. An einer Wand hat er Informationen über seine Schützlinge angebracht. Das betrifft unter anderem den Diamantfasan, Jagdfasan, Swinhoe-Fasan, Goldfasan und Königsfasan. „Das sind alles Vögel, die in der Freiheit auch so aussehen“, betont der Sachse. Die Tiere seien nicht auf „bunt“ gezüchtet worden.
Fasane stammen aus Asien
Fasane sind de facto Zuwanderer aus Asien. Ihre ursprüngliche Heimat erstreckte sich über Mittelasien bis nach China. Die Römer führten den Hühnervogel nach Europa ein. „In Deutschland wurden vor allem vier Arten des Fasans eingeführt: Der Böhmische Jagdfasan, der Chinesische Fasan, der Mongolische Ringfasan und der Japanische Buntfasan“, heißt es in einem Steckbrief des Staatsbetriebes Sachsenforst. Ein Fasan kann deutlich besser rennen als fliegen. Deshalb heißt er bei Jägern auch Infanterist.
Anders als sein Vorgänger zieht Knecht die Fasane nicht für Restaurants auf. Er versteht sein Engagement als reines Hobby. Gern gibt er die Vögel auch an Gleichgesinnte ab oder entlässt sie in die Freiheit. Ohnehin sind nicht alle der Knechtschen Fasane in Volieren untergebracht. Außerhalb tummeln sich mehrere Jagdfasane als Freigänger, die auch gern die Futterstelle in der Anlage nutzen. Abends sitzen alle auf Stange oder erhöht - am Boden lauert der Feind.
Fasane von Fressfeinden aus der Luft und zu ebener Erde bedroht
Fuchs, Marderhund oder Greifvögel - das Leben der Fasane ist zu ebener Erde und aus der Luft bedroht. Nachts müssen sie nach oben auf den Baum, sagt Knecht. Man nenne das Aufbäumen. Deshalb würden bei den Jungtieren zuerst die Flügelfedern wachsen. „Die müssen ruckzuck hochkommen.“ Das könne man auch bei anderen Hühnervögeln sehen, etwa seinen Buschhühnern. „Wenn Küken da sind, dauert es nicht lange, und die Glucke führt sie bis zum Baum. Sie zeigt ihnen, wie das gemacht wird.“
Margitta Hensel, Kuratorin von Schloss Moritzburg, schwärmt von der gesamten Anlage. Schließlich sei das der letzte in seinen Grundstrukturen erhaltene Fasanengarten Deutschlands. Gern würde man alles in Gänze restaurieren und so wieder als Gesamtkunstwerk erlebbar machen. Doch in Zeiten knapper Kassen kann man auch in der sächsischen Schlösserverwaltung nur kleine Brötchen backen.
Restaurierung der gesamten Anlage vorerst ein Wunschtraum
Christian Striefler, Chef der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen, verweist auf eine andere Schwierigkeit. „Es wäre natürlich eine erhebliche Steigerung des Besuchserlebnisses unter denkmalpflegerischen Aspekten. Die Wiederherstellung des historisch überlieferten Zustandes ist allerdings wegen der zersplitterten Eigentumssituation infolge der Bodenreform nach 1945 schwierig. Viele Flurstücke sind nicht im Eigentum des Freistaates.“
Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien und Baumanagement verweist darauf, dass in einem ersten Schritt von 2017 bis 2020 die historischen Mauern des Fasanengartens instand gesetzt und die Kanalkette zwischen Oberem Großteich und Venusbrunnen saniert wurde. Laut Striefler gibt es keine Schätzung, was die gesamte Restaurierung der Fasanerie kosten würde. Er vermutet aber eine Summe von deutlich mehr als sechs Millionen Euro.
Dennoch bleibt die Renaissance der barocken Fasanerie eine Vision. Striefler betrachtet die Objekte in Moritzburg als Einheit und möchte die gesamte Kulturlandschaft in den Blick nehmen. „Drinnen und draußen werden in eine viel stärkere Wechselwirkung eintreten, und vielleicht werden irgendwann einmal auf dem Großteich 'Seeschlachten' en miniature nachgespielt werden“, schildert er einen Traum.
