Schwimm-EM: Märtens ist „so stolz“: Deutsche Staffel schwimmt zu Bronze
Am ersten Tag der Beckenwettbewerbe darf sich die deutsche Männer-Staffel über Bronze freuen. Über 4x200 Meter Freistil knacken sie zudem einen alten Rekord. Bei den Frauen gibt es Tränen.
Angeführt von Lukas Märtens reckten die deutschen Bronze-Gewinner die Arme nach oben und genossen den Moment auf dem Podest. Gemeinsam mit Timo Sorgius, Jarno Bäschnitt und Cornelius Jahn sorgte Märtens am ersten Tag der Beckenwettbewerbe der Schwimm-EM für die erste Medaille der deutschen Mannschaft. „Ich bin so stolz auf das ganze Team, auf das was wir geschafft haben“, sagte Märtens in der Interviewzone des Centre Aquatique Olympique in Paris und lächelte.
Märtens und seine Kollegen im Rennen über 4x200 Meter Freistil freuten sich nicht nur über Edelmetall, sondern auch über ihren deutschen Rekord. In 7:02,28 Minuten verbesserten sie die 17 Jahre alte Bestmarke, die noch Schwimm-Ikone Paul Biedermann mit aufgestellt hatte, um fast eine Sekunde. Und Märtens blickte schon voraus: „In zwei Jahren haben wir nochmal Olympische Spiele - hoffentlich wieder in der Konstellation - und dann legen wir da weiter nach!“
Bäschnitt: „Das werde ich, glaube ich, nie vergessen“
Während der Olympiasieger, Weltrekordhalter und Weltmeister schon Erfahrung mit Siegerehrungen auf der großen Bühne hat, feierten seine Mitstreiter den größten Erfolg ihrer bisherigen Karrieren. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie stolz ich darauf bin, mit den Jungs das erreicht zu haben“, sagte der 20 Jahre alte Bäschnitt. „Das werde ich, glaube ich, nie vergessen.“ Nur die favorisierten Briten (7:01,52) und Franzosen (7:02,23) waren schneller als das deutsche Quartett.
Während Märtens und Co. lächelten, flossen wenige Minuten zuvor bei ihren Kolleginnen auch Tränen. Über 4x200 Meter Freistil verpassten Maya Tobehn, Linda Roth, Nina Holt und Nicole Maier Bronze um eine einzige Hundertstelsekunde.
In 7:49,14 Minuten verbesserten sie zwar einen 20 Jahre alten deutschen Rekord, den unter anderem Britta Steffen aufgestellt hatte. Die Enttäuschung war ihnen dennoch ins Gesicht geschrieben. „Es ist hart, aber so ist der Sport“, sagte Holt. „Wir werden eine Nacht drüber schlafen und morgen geht's weiter. Das können wir nicht lange auf uns sitzen lassen.“
Gose an diesem Dienstag mit guten Medaillenchancen
Weiter geht's bei den Titelkämpfen in der französischen Hauptstadt auch für Märtens. Für den deutschen Vorzeigeschwimmer soll die Staffel der Auftakt in eine erinnerungswürdige Europameisterschaft werden. Gewinnt er über 400 Meter Freistil, wäre er dort gleichzeitig Olympiasieger, Weltrekordhalter, aktueller Weltmeister und Europameister. Über 200 Meter Freistil hat der 24-Jährige ebenfalls gute Medaillenchancen. Bis auf der Strecke am Donnerstag die Vorläufe anstehen, genießt Märtens jetzt aber erst einmal eine Pause.
Unter anderem für Luca Nik Armbruster gilt das nicht - zum Glück. Er darf sich nämlich an diesem Dienstag auf das Finale über 50 Meter Schmetterling freuen. Im Halbfinale verbesserte der 24-Jährige mit seiner Zeit von 22,71 Sekunden seinen eigenen deutschen Rekord um 13 Hundertstelsekunden. Den Endlauf erreichten auch Lise Seidel über 200 Meter Rücken und Melvin Imoudu über 100 Meter Brust. Zu den Topfavoriten auf Edelmetall zählen sie am zweiten Beckentag nicht - anders als Isabel Gose.
Die 24-Jährige will ihr Medaillenkonto bei dieser EM aufstocken. Gose, die in der Seine in der vergangenen Woche schon zweimal Freiwasser-Gold holte, qualifizierte sich als Zweite der Vorläufe für das Finale über 800 Meter Freistil. Schneller war nur ihre Dauerrivalin Simona Quadarella aus Italien. Goses Magdeburger Teamkollegin Maya Werner macht sich ebenfalls Hoffnungen auf einen Podestplatz. Die Vorläufe beginnen um 09.30 Uhr, die Finalsession startet um 18.30 Uhr (ZDF-Livestream).
