Die Zahl der Personen, die vor der abschlagsfreien Frührente noch Arbeitslosengeld bezogen haben, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das sind die Gründe. 2015 sind insgesamt 37.968 Menschen, die offiziell als arbeitslos gemeldet waren, in den Ruhestand gegangen und damit für immer aus dem Arbeitsleben ausgestiegen. Sie waren alle zwischen 60 und unter 65 Jahre alt, sind also vor der Regelaltersgrenze von damals 65 Jahren und vier Monaten in Rente gegangen. Zehn Jahre später ist diese Zahl um fast 50 Prozent gestiegen. 2025 haben fast 56.000 Menschen diesen Weg in den Ruhestand gewählt. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor, die durch eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten im Bundestag an die Bundesregierung öffentlich wurden. Zuerst berichtete "Table.Briefings". Sozialversicherung finanziert den Stellenabbau Aus den Daten geht nicht hervor, ob diese Frührentner mit oder ohne Abschläge in Rente gegangen sind , und natürlich auch nicht, ob sie in der Arbeitslosigkeit tatsächlich versucht haben, einen neuen Job zu finden, oder nur die Zeit bis zur Rente abgewartet haben. Deutlich wird lediglich, dass diese Möglichkeit in den vergangenen zehn Jahren immer häufiger gewählt wird. Klar ist allerdings auch, dass es durchaus Menschen gibt, die das Arbeitslosengeld als Brücke zur Rente nutzen. Statistisch erfasst ist, dass nur jeder Zweite direkt vom Job in den Ruhestand wechselt. Das hat das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) berechnet. Die andere Hälfte wählt unterschiedliche Möglichkeiten des Übergangs: Erwerbsminderungsrente bei gesundheitlichen Einschränkungen, Altersteilzeitmodelle oder auch die Arbeitslosigkeit. Wie genau das funktionieren kann, haben wir in diesem Ratgeber ausführlich erklärt . Es gibt auch Indizien dafür, dass Unternehmen diese Möglichkeiten der Frühverrentung nutzen, um Stellen abzubauen. Außerdem existieren Berichte von Unternehmen, die ihren älteren Beschäftigten Abfindungen bezahlen, die die Abschläge für eine Frührente ausgleichen sollen. Unklar ist, wie viel Geld der Sozialversicherung dadurch entgeht. Der "Zeit" berichtete ein Mann, der vor der Frührente arbeitslos gemeldet war, dass er 18 Monate lang Arbeitslosengeld bezog und mit dem Geld unter anderem eine Fahrradtour nach Nizza finanzierte. Er habe, wie vom Arbeitsamt gefordert, in dieser Zeit auch Bewerbungen abgeschickt und alle Belege eingereicht. Weiterarbeiten wollte er aber nicht. Merz-Regierung will Rentner länger im Job halten Das steht im Gegensatz zu dem, was die Bundesregierung nun erreichen will. Sie will mehr Menschen davon überzeugen, länger in Arbeit zu bleiben, und auch Unternehmen die Möglichkeit entziehen, die Sozialversicherungssysteme mit Stellenabbauprogrammen zu belasten. So soll etwa das Blockmodell in der Altersteilzeit abgeschafft werden , genauso wie die Rente mit 63 , die abschlagsfreie Frührente für besonders langjährig Versicherte. Zudem wurde 2026 die Aktivrente eingeführt, die es Rentnern ermöglicht, bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuzuverdienen. Offen ist, wie sich diese neuen Regeln auswirken werden und ob die Menschen dadurch wirklich länger arbeiten oder sich neue Wege ausdenken, um vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.