Neuseeland: Wie eine einzige Katze seltene Vögel in Neuseeland bedrohte
Die Katze Nine Lives war neuseeländischen Naturschützern ein Dorn im Auge, entkam aber immer wieder deren Fallen – bis jetzt.
Drei Jahre lang war sie ihren Verfolgern stets einen Schritt voraus: Immer wieder entkam die verwilderte Katze Nine Lives (zu Deutsch: Neun Leben) den aufgestellten Fallen von Naturschützern und entwickelte sich so auf der neuseeländischen Halbinsel Purerua zu einer Art Legende. Was unterhaltsam klingt, hat aber einen ernsten Hintergrund: Das Tier machte wiederholt Jagd auf bedrohte heimische Arten und richtete dabei erhebliche Schäden an.
Erstmals wurde Nine Lives 2023 auf Purerua gesichtet. Zu dieser Zeit lief dort ein Artenschutzprojekt, bei dem 20 Neuseeland-Kastanienenten, auch als Pāteke bekannt, wieder in ihrem natürlichen Lebensraum angesiedelt werden sollten. Schon kurze Zeit später fanden die Helfer jedoch die ersten getöteten Tiere. Mithilfe von Kameras konnten sie eine grau getigerte Katze als den Schuldigen identifizieren – Nine Lives.
Trotz zahlreicher Fallen mit Lockmitteln wie Lachs und Hühnchen und der Überwachung durch Wildkameras gelang es lange Zeit nicht, die verwilderte Katze einzufangen.
Katze macht Jagd auf seltene Vögel
Wenige Monate später endete dann auch ein weiterer Auswilderungsversuch im Jahr 2024 tragisch: Diesmal wurden 15 der 20 ausgesetzten Enten getötet. Der beteiligte Naturschützer Andy Mentor verfolgte die Sichtungen der Katze daraufhin genau, konnte das Verhalten von Nine Lives aber nicht entschlüsseln: „Völlig unvorhersehbar“ sei der getigerte Kater gewesen.
Mal tauchte er in der Dämmerung auf, dann wieder mitten in der Nacht oder tagsüber. Teilweise verschwand er für mehrere Monate, bevor er dann plötzlich erneut zuschlug. Gerade diese Unberechenbarkeit machte die Jagd auf Nine Lives so schwierig. Erst Ende Juli 2026 ergab sich eine entscheidende Gelegenheit.
Naturschützer waren Nine Lives auf der Spur
Nachdem die Katze an drei aufeinanderfolgenden Nächten an einem Steinbruch beobachtet worden war, legten die Naturschützer Köder aus und stellten weitere Käfigfallen auf. Am 30. Juli meldete schließlich eine Überwachungskamera den Erfolg: Das Tier war gefangen.
Das Ende der Geschichte ist so deprimierend wie ihr gesamter Verlauf: Da der Kater völlig verwildert war und nicht an ein Leben im Haus hätte gewöhnt werden können, wurde er noch in der Falle „tierschutzgerecht erschossen“. Ein Schritt, der auch den beteiligten Tierschützern wehtut. Andy Mentor sagte in einem Interview mit dem „Guardian“, dass dieser außergewöhnliche Gegner Anerkennung verdiene: „Nine Lives sollte eine gewisse Wertschätzung und Respekt bekommen.“
Bittere Geschichte mit bitterem Ende
Nun soll der Körper des Katers präpariert und in einem Museum gezeigt werden, um dort über die Folgen verwilderter Katzen für die heimische Tierwelt aufzuklären. Zuvor wollen Experten noch seinen Mageninhalt untersuchen, um festzustellen, welche Beutetiere Nine Lives außer den seltenen Neuseeland-Kastanienenten noch gefressen hatte. Die Vermutung der Naturschützer: zahlreiche Kiwi-Küken.
Nach Angaben der Naturschützer streifen mehr als 2,5 Millionen verwilderte Katzen durch Neuseeland. Ein massives Problem, da sie nicht Teil der heimischen Fauna sind und den Bestand vieler gefährdeter Tierarten, die es nur hier gibt, bedrohen.
