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Grünen-Chef Banaszak in den USA: Er sucht ein Rezept für linke Politik

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Felix Banaszak ist erstmals in seinem Leben in die USA gereist. Der Grünen-Chef sucht dort nach Antworten, wie man heute erfolgreich linke Politik machen kann – es dürfte kompliziert werden. David Schafbuch berichtet aus New York Etwa zwei Minuten dauert es noch. Dann darf Felix Banaszak eintreten. Gerade findet noch eine reguläre Sitzung in der Zentrale der "Democratic Socialists of America" (DSA) in New York statt, einem linken Bündnis innerhalb der Demokratischen Partei. Es ist eine von mehreren Stationen des deutschen Grünen in New York auf der Suche nach einem neuen Links in der Politik. Die "Zentrale" der DSA liegt im Erdgeschoss eines gewöhnlichen Wohnhauses im Süden Manhattans und lässt sich mit einem Rollladen verschließen. Bei einem flüchtigen Blick könnte man dahinter auch einen Kiosk oder einen Schnellimbiss vermuten. Banaszak wird von einem der DSA-Mitglieder vor dem Haus empfangen. Als er mit seinem Tross an Mitarbeitern eintrifft, muss er sich als "Vorsitzender der Grünen Partei in Deutschland" zu erkennen geben. Der 36-Jährige trägt blaues Hemd, Stoffhose und weiße Sneaker, der DSA-Mann ein ausgewaschenes gelbes T-Shirt und eine kurze Hose, dazu zahlreiche Tattoos auf beiden Unterarmen, schulterlange Haare und einen Vollbart. Kritik an Demokraten: Jetzt warnt Trump vor Kommunisten Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Für den Grünen-Chef ist es die erste Reise in die USA überhaupt. Er erhofft sich dort von seinen Gesprächspartnern Antworten. Er fragt sich: Wie kann man im Zeitalter von Donald Trump und der AfD als Partei links der Mitte erfolgreich sein? Einerseits glaubt er, dagegen ein Rezept gefunden zu haben: "Raus aus dem Kulturkampf und rein in die Auseinandersetzung um Machtfragen", heißt seine Idee für die Zukunft der Grünen. Doch andererseits wird in seiner Partei gerade wieder intensiv über Geschlechterrollen diskutiert – nur diesmal ausnahmsweise über die von Männern. Es wird Banaszak auch auf seinem Aufenthalt in New York beschäftigen. 14.000 Mitglieder, zwei Festangestellte Die Geschichte der Grünen beginnt ähnlich wie die der DSA Anfang der Achtzigerjahre. Allerdings hat die DSA erst in den vergangenen Jahren großen Auftrieb erhalten. 2025 gelang es ihr, einen politischen Außenseiter in eines der prestigeträchtigsten politischen Ämter der USA zu hieven. Sein Name: Zohran Mamdani, heute Bürgermeister von New York. Seit der Wahl hat sich die Zahl der Mitglieder in der Stadt auf etwa 14.000 verdoppelt. Die politische Arbeit erfolge zum überwiegenden Teil durch Freiwillige, in ganz New York gibt es nur zwei Menschen, die Vollzeit für die DSA arbeiten, erfährt der Grünen-Chef vor der Tür. Als die reguläre Sitzung beendet ist, darf Banaszak eintreten. Man nimmt Platz an einer langen Tafel. Es sind mehrere abgewetzte, weiße Tische aufgereiht, gesessen wird auf verschiedenen Sorten von Klappstühlen. Man könne sich eine der Dosen Red Bull nehmen, die sich an einer Wand palettenweise stapeln, sagt der DSA-Mann im gelben Shirt. Es seien Reste von einem vergangenen Wahlkampf. Banaszak redet nur kurz. Stattdessen stellen er und seine Mitarbeiter Fragen und hören die meiste Zeit zu: Die DSA werde etwa am meisten von jungen Menschen unterstützt, hören sie dort. Man beschäftigt sich weniger mit Kultur-, sondern lieber mit Klassenkampf, sagt einer von ihnen. Auch der Klimaschutz bewege die DSA. Schließlich würde niemand, der jünger als 40 sei, daran glauben, dass der Klimawandel nicht existiert, heißt es an der improvisierten Tafel. "Bringt uns in die Hölle" Einige Stunden zuvor hatte sich Banaszak Zeit genommen, um Journalistenfragen zu beantworten. Zu diesem Zeitpunkt hat er die DSA-Leute noch nicht getroffen, doch er klingt an manchen Stellen ähnlich. "Wer ökologische Ziele hochhalten will, muss Gerechtigkeitsfragen konsequent beantworten", sagt er etwa. Gleichzeitig brauche es "Mut zur Polarisierung bei Fragen von Macht und Verteilung". Dort sehe er sich "recht nahe" bei den Vorstellungen linker US-Demokraten. "Die Polarisierung bei Lebensstilfragen dagegen bringt uns in die Hölle." Daher: weniger Kulturkampf und mehr Verteilungsfragen. Während Banaszak diese Dinge sagt, befindet er sich an einem Ort, der gewissermaßen identitätspolitische Geschichte geschrieben hat: Er sitzt im hinteren Teil einer LGBTIQ-Bar, über seinem Kopf hängt eine US-Flagge in Regenbogenfarben. Die Beleuchtung kommt aus bunten Lichterketten, es riecht nach Frittierfett. Die Bar befindet sich unweit des Stonewall-Monuments. In den Sechzigerjahren hatten dort Homosexuelle begonnen, für mehr Rechte zu demonstrieren. Weltweit wird an diese Proteste bis heute am Christopher Street Day gedacht. Es ist der Name der Straße, an der sich das Denkmal befindet. Banaszak lässt sich dort von Ortskundigen zu der Geschichte des Denkmals und den vielen queeren Kneipen briefen. "Ich plane gerade meinen Abend", sagt er scherzhaft. Der 36-Jährige ist mit einer Frau verheiratet und bisexuell. Grünen-Politikerin über Männlichkeitsdebatte: "Brauchen wir nicht" Felix Banaszak: "Feminismus ist nicht Männerhass" Der Grüne hat ein Defizit in der Wählerschaft und in der Programmatik seiner Partei ausgemacht. Deshalb lässt es ihn aufhorchen, dass die DSA vor allem bei jungen Menschen Anklang findet. Bei der Bundestagswahl 2021 waren die Grünen gemeinsam mit der FDP unter den Erstwählern noch die beliebteste Partei. Unter den 18- bis 24-Jährigen erhielten sie insgesamt die meisten Stimmen. 2025 stimmten dagegen die 18- bis 35-jährigen Männer mehrheitlich für die AfD. Banaszak hatte darauf reagiert, indem er eine Debatte über Männlichkeit anstoßen wollte. Er verweist in der Bar auf ein Interview mit dem Playboy, Artikel in der "taz" und der "Süddeutschen Zeitung". Deutlich mehr öffentliches Aufsehen erregte allerdings zuletzt ein fünfseitiges Papier, über das zunächst der "Spiegel" berichtet hatte: Darin hatten mehrere Grünen-Politiker versucht, ein neues Bild einer "modernen Männlichkeit" zu entwickeln. "Gesellschaftliche Suchbewegung" Der Grünen-Politiker hat das Papier nicht unterzeichnet. Er sagt, dass er die Ansicht teile, dass es Aufgabe einer linken Partei sei, einen "Bezug zu Männlichkeit aufzubauen, der über die Problembeschreibung hinausgeht". Er spricht aber von einer "gesellschaftlichen Suchbewegung", die es aktuell bei dem Thema gebe – nicht nur in seiner Partei, sondern in der gesamten Gesellschaft. Seine eigene Suchbewegung führt Banaszak einen Tag später vor ein großes Backsteingebäude in East Harlem, einem der einkommensschwächsten Viertel der gesamten Stadt. Er wird durch eine Einrichtung des "New York Boys Club" geführt: Seit 150 Jahren können dort Jungs zwischen 7 und 21 Jahren kostenfrei ihre Freizeit verbringen. Die Prinzipien, nach denen sich die werdenden Männer richten sollen, passen im Gegensatz zu den Gedanken von Banaszaks Parteifreunden auf ein Blatt Papier: Sie hängen überall in dem Haus an den Wänden. Kompetent, selbstbewusst, charakterstark und mit der Gemeinde verbunden sollen die Jungs sein, heißt es dort. Was das konkret bedeutet, sieht Banaszak auf fünf Stockwerken und im Keller des Hauses: Er wird von Terrence Taylor, dem Leiter der Einrichtung, unter anderem durch eine Sporthalle, ein Schwimmbad oder mehrere voll eingerichtete Tonstudios geführt. Man könne zwar nicht kompensieren, was in der Schule versäumt werde, räumt der Hausleiter während der Führung ein. Es gehe aber darum, den Kindern in allen Phasen ihrer Entwicklung so gut es geht zu helfen – egal, wie banal die Probleme auch sind. Taylor wisse aus eigener Erfahrung, was das heiße. Als Kind sei er selbst Mitglied in dem Club gewesen. Ohne die dortige Hilfe habe er nicht mal gewusst, wie man einen Deoroller benutzt. Die Betreuer hätten ihm erklärt, dass er ihn sich nicht quer über die Brust reiben müsse. "Mit einem anderen Mindset" Fragt man Mitarbeiter oder ehemalige Mitglieder nach Dingen wie toxischer Männlichkeit oder Tendenzen der Radikalisierung, können sie nur mit wenigen Beispielen im Boys Club dienen. Wie etwa die Kochkurse oder das Gärtnern unter den Jungen angenommen werde, möchte Banaszak von Taylor wissen, sei das manchen Kindern vielleicht nicht männlich genug? "Die meisten Landwirte sind männlich", antwortet ihm Taylor nüchtern. Als die Führung fast vorbei ist, steht Felix Banaszak in einem Raum, in dem mehrere Kinder unter Aufsicht mit Legosteinen spielen. Im Hintergrund läuft entspannte Musik. Ob es so eine Einrichtung in Duisburg gab, als Banaszak dort aufgewachsen ist? Der Grünen-Chef verneint. "Die werden hier mit einem anderen Mindset nach ein paar Jahren hinausgehen", meint er nach der Führung über die Mitglieder des Boys Club. Es sei der beeindruckendste Ort, den er in New York gesehen hat. Dann denkt er laut darüber nach, wie es wäre, wenn es solche Häuser auch in Deutschland geben würde.





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