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Argentinien im WM-Finale gegen Spanien: Das fehlte Deutschland

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Argentinien und Spanien stehen im Endspiel dieser WM. Anschauungsunterricht für die DFB-Elf. Der Verband ist jetzt in der Pflicht. Wir haben ein WM-Finale – und was für eins. Durch den hauchdünnen, aber hochverdienten 2:1-Sieg von Argentinien über England am Mittwoch steht fest: Die Mannschaft um Superstar Lionel Messi hat die Möglichkeit, ihren Titel von 2022 zu verteidigen. Am Sonntag trifft sie nun auf Spanien. Es ist ein Traumfinale. Der Weltmeister gegen den Europameister – größer geht es nicht. Beide Teams stehen verdient und berechtigterweise in diesem Finale. Natürlich ist diese Halbfinal-Niederlage aber auch eine ganz bittere für die Engländer, deren Traum vom nächsten WM-Finale auch im 60. Jahr nach ihrem einzigen Titelgewinn weitergeht. Die traurige Wahrheit aus englischer Sicht ist: Dieses 1:2 haben sie zu beträchtlichen Teilen auch sich selbst zuzuschreiben. Thomas Müller fassungslos nach England-Spiel: "Unbegreiflich" Aus bei der WM: Tuchels England packt die Angst Mit ihrer Passivität nach dem Führungstor haben sie Argentinien förmlich eingeladen, offensiver zu werden, auf den Ausgleich zu drücken, und so kam es dann auch. Das Siegtor durch Lautaro Martínez war dann nur noch die logische Konsequenz aus dem anhaltenden Druck, dem sich England ausgesetzt sah. Auch die Zahlen drücken diesen Spielverlauf aus: In der ersten Spielhälfte hatte England 45 Prozent Ballbesitz, nach der Pause sank dieser Wert kontinuierlich auf letztlich nur noch 36 Prozent. Das habe ich bei Tuchel nicht verstanden Nun prasselt natürlich viel Kritik auf Englands deutschen Trainer Thomas Tuchel ein – und ich muss sagen: auch zurecht. Denn gerade Tuchels Einwechslungen habe ich einfach nicht verstanden. Nach dem Spiel erklärte er, man habe "natürlich" auf das 2:0 gehen wollen, aber er habe nicht das Gefühl gehabt, dass offensive Einwechslungen helfen würden. Das passt einfach nicht zusammen. Es war während des Spiels ja offensichtlich: England musste permanent hinterherlaufen, stand in der Schlussphase zeitweise mit zehn Mann im eigenen Strafraum, während Argentinien drückte und eine Flanke nach der anderen in den gegnerischen Strafraum schlagen konnte. Tuchel wird sich früher oder später eingestehen müssen, dass er sich da vercoacht hat. Das war einfach nicht clever von ihm und seinem Trainerteam. Aber ich bin mir sicher: Er wird daraus lernen. Auch deshalb halte ich es für richtig, dass der englische Fußballverband wohl mit ihm weitermachen will. Klar ist auch: Bei einem so frühen, sang- und klanglosen Ausscheiden, wie es Bundestrainer Julian Nagelsmann mit der deutschen Mannschaft erlebt hat, wäre er jetzt schon ohne Job. Aber nein: Tuchel hat dort in seiner bisherigen Amtszeit etwas geschaffen, das Potenzial dieser Mannschaft ist deutlich erkennbar. Und nun steht auch noch die Heim-EM 2028 in England an. Diese Möglichkeit sollte und wird er bekommen. Es ist seine große Chance. Das könnte am Ende den Unterschied im Finale ausmachen Im Endspiel indes sehe ich nun leichte Vorteile beim amtierenden Europameister. Spaniens Leistung beim 2:0 im Halbfinale gegen Frankreich war nämlich ein Meisterwerk. Es ist den Spaniern gelungen, diese so hochkarätig besetzte Mannschaft zu dominieren und die hochgelobte Offensive um Kylian Mbappé , Ousmane Dembélé und Bradley Barcola aus dem Spiel zu nehmen. Das war beeindruckend und gleichzeitig ihre bisher beste Leistung in einem ohnehin schon starken Turnier aus ihrer Sicht. Hinzu kommt, dass sie auch noch einen Tag mehr zur Erholung und Regeneration haben – das kann auch ein Faktor sein. Denn Argentinien musste in jedem Spiel in der K.-o.-Runde sehr viel investieren. Erinnern Sie sich? Da war das 3:2 nach Verlängerung gegen Kap Verde im Sechzehntelfinale, eine Runde darauf wurde Ägypten durch ein Tor in der Nachspielzeit ebenfalls mit 3:2 bezwungen. Im Viertelfinale gegen die Schweiz mussten sie dann wieder in die Verlängerung, um letztlich 3:1 zu gewinnen. Und jetzt noch dieser hart erkämpfte 2:1-Erfolg über England. Natürlich ist das eine unglaubliche Qualität. Aber: So beeindruckend diese Comeback-Siege sein mögen, sie kosten auch viel Kraft. Und das könnte am Ende den Unterschied machen. Was haben Argentinien und Spanien, das der DFB-Elf fehlt? Eine Bemerkung am Rande: Bei aller Kritik an den mitunter schlechten Schiedsrichterleistungen bei dieser WM gibt es doch auch positive Erkenntnisse. Die Countdowns und Zeitlimits, mit denen Zeitverzögerungen bei Einwürfen, Auswechslungen und Verletzungsunterbrechungen verhindert werden sollen, sind einfach sinnvoll und förderlich für den Spielfluss. Spieler können nun nicht mehr eine gefühlte Ewigkeit beim Einwurf stehen, provozierend in Zeitlupe bei einer Auswechslung vom Platz schleichen oder minutenlang auf dem Spielfeld behandelt werden, ohne dass es Folgen hat. Und das ist genau richtig so. Ich begrüße es sehr, dass der DFB bereits die Übernahme dieser Änderungen für die kommende Bundesligasaison angekündigt hat. Aus deutscher Sicht ist jetzt die Frage: Was können wir uns von Spanien und Argentinien abschauen? Was haben diese Mannschaften – abgesehen von überragenden Fußballern –, das der DFB-Elf aktuell fehlt? Ich habe mir nicht nur die Spiele beider Mannschaften bei dieser WM genau angeschaut, sondern auch danach genau hingehört, was die Spieler sagen, wie sich die Trainer äußern. Und ich wünsche mir und hoffe, dass man da auch beim DFB ganz genau aufgepasst hat. Dann verzeihen dir auch die Fans Diese Aufopferung, diese Bereitschaft, alles auf dem Platz zu lassen, dieser unbändige Glaube, ein Spiel auch in der allerletzten Sekunde noch drehen zu können, die Fähigkeit, bis über die Schmerzgrenze hinauszugehen: Besonders bei Argentinien ist das herausragend. Spanien steht für einen gepflegten, anspruchsvollen, auch kreativen Fußball mit einer äußerst stabilen Verteidigung, echten Könnern im Angriff und dann auch noch einem Rodri im Zentrum als Bindeglied dazwischen. Und wenn du auch nur eine dieser Qualitäten an den Tag legst und die erforderliche Leidenschaft mitbringst, dann verzeihen dir die Fans auch eine Niederlage, ob im Endspiel, im Halbfinale oder sogar früher. Und genau das hat bei den teils etwas blutleeren Auftritten der DFB-Elf gefehlt. Der Weg der deutschen Nationalmannschaft führt bekanntermaßen nur über einen Umbau. Der kommende Bundestrainer – ob nun Jürgen Klopp oder doch ein anderer – muss unbedingt und kompromisslos auf junge, gierige, hungrige Spieler setzen, die sowohl etwas erreichen wollen, als auch das Publikum begeistern und auf ihre Seite ziehen können. Ganz ohne etablierte Kräfte geht das natürlich nicht, gerade einen Joshua Kimmich sehe ich da in der Pflicht, auch als Kapitän künftig noch mehr voranzugehen. Wenn du dich nach dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste hinstellst und die Leistung der eigenen Mannschaft kritisierst, dann sage ich: Du als Führungsspieler bist doch mit dafür verantwortlich, das zu ändern. Und das erwarte ich von ihm künftig. Ich warte immer noch auf eine Erklärung Genauso erwarte ich auch, dass der Umbruch in der Mannschaft vonseiten des neuen Bundestrainers forciert wird. Da darf nicht darauf gewartet werden, dass ein Spieler selbst seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Nein, die betroffenen Spieler – und meiner Ansicht nach muss die DFB-Zeit beispielsweise für Leon Goretzka , Pascal Groß und Leroy Sané vorüber sein – müssen aktiv darüber informiert werden, dass man künftig nicht mehr mit ihnen plant. Einige werden sich nicht eingestehen können, dass sie im deutschen Trikot gescheitert sind, und das muss dann eben der Verband für sie übernehmen. Auch, um den Willen zur Veränderung zu unterstreichen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Kritik hat sich in den Wochen seit dem deutschen WM-Aus hauptsächlich auf Nagelsmann und die Mannschaft konzentriert, zu Unrecht. Denn die DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler – so froh ich auch bin, dass Rudi als unbestrittener Fachmann weitermacht – muss ebenso verantwortlich gemacht werden. Eine ausführliche Erklärung, was während dieser Wochen beim Turnier alles schiefgelaufen ist, fehlt mir noch immer. Stattdessen kann man den Eindruck bekommen: Die DFB-Spitze versucht, sich wegzuducken. Damit dürfen sie nicht durchkommen. Ich habe schon in meiner letzten Kolumne betont: Mit der Einstellung eines neuen Bundestrainers ist die Arbeit noch lange nicht getan, es müssen weitreichende Änderungen auch auf anderen Ebenen her. Was dabei aber nicht hilft, sind allerlei wilde Forderungen und einzig auf billigen Applaus ausgerichtete Kritik, die zuletzt aufkam. Mein früherer Teamkollege Lothar Matthäus forderte Nagelsmann als Charakterbeweis zum Verzicht auf seine millionenschwere Abfindung auf – aber er weiß doch am besten, dass er das selbst in ähnlicher Situation auch nicht machen würde. Und Handball-Funktionär Bob Hanning sah einen Mitgrund für das deutsche Ausscheiden daran, dass die Familien der Spieler mit vor Ort in den USA waren. Hanning, selbst unverheiratet und kinderlos. Bei allem, was an Nagelsmanns Amtsführung und der ausbleibenden spielerischen Weiterentwicklung ausgesetzt werden kann: Das ist zu viel – und einfach auch unseriös. Uns allen sollte es stattdessen doch jetzt darum gehen, dass die deutsche Nationalmannschaft in den kommenden Jahren wieder konkurrenzfähig wird. Damit es künftig auch mal wieder eine DFB-Elf vielleicht sogar ins Finale eines großen Turniers schafft.





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