Bahnreisende brauchen Geduld: Nach der Sperrung ist vor der Sperrung: Problemfall Schiene
Gut fünf Monate war die Bahnstrecke Köln-Hagen für eine Sanierung gesperrt. Jetzt geht es südlich von Bonn weiter. Bis das überlastete Schienennetz landesweit modernisiert ist, wird es noch dauern.
Bahnkunden zwischen Köln und Hagen können aufatmen - dafür werden Pendler südlich von Bonn in den kommenden Monaten viel Zeit in langsamen Ersatzbussen verbringen: Die Deutsche Bahn treibt die Sanierung des teils maroden Schienennetzes in Nordrhein-Westfalen voran und wechselt von einer Generalsanierung nahtlos in die nächste.
Zwischen Köln, Wuppertal und Hagen werden die Gleise nach einer gut fünfmonatigen Generalsanierung am Freitagabend wieder freigegeben. Die Bahn verspricht ihren Kunden dort künftig zuverlässigere und pünktlichere Züge. Allerdings zeigten massive Stellwerksprobleme in den vergangenen Wochen, dass längst noch nicht alles rund läuft.
Als Nächstes wird bis kurz vor Weihnachten die Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden gesperrt und saniert. Viele weitere Strecken in ganz Nordrhein-Westfalen sollen in den kommenden Jahren folgen.
Was bringt Reisenden die Sanierung der Strecke Köln-Hagen?
Die Bahn hat die wichtige Strecke, auf der Fern-, Regional- und Güterzüge im engen Takt unterwegs sind, von Grund auf saniert: 81 Kilometer Gleise wurden ausgetauscht, 50 Weichen und 29 Kilometer Oberleitung erneuert. Außerdem wurden Schallschutzwände gebaut und zwölf Bahnhöfe saniert. Insgesamt hat die Bahn dafür nach eigenen Angaben 800 Millionen Euro investiert.
Dadurch werde die Strecke „verlässlicher und leistungsfähiger“, verspricht die Bahn. Störungen und Verspätungen sollen sich „deutlich reduzieren“. Allerdings: Die Stellwerke wurden bei der Generalsanierung komplett ausgeklammert. Dabei sorgen gerade sie immer wieder für Probleme.
Welche Rolle spielen die alten Stellwerke?
In einem Stellwerk sorgen die sogenannten Fahrdienstleiter dafür, dass Züge von A nach B kommen - etwa indem sie Weichen richtig stellen und die Signale auf Grün schalten, wenn ein Gleisabschnitt frei ist. Doch viele Stellwerke rund um Wuppertal gelten als marode. Von acht Stellwerken in der Region sind nach letzten Angaben des Bundesverkehrsministeriums lediglich drei in gerade noch befriedigendem Zustand.
Das hat Folgen für die Bahnreisenden. Landesweit sind Probleme mit Stellwerken regelmäßig der Grund für Verzögerungen im Zugverkehr. In den vergangenen Wochen fielen allein rund um Wuppertal mehrere Stellwerke aus und sorgten dafür, dass auch auf den von der Generalsanierung nicht betroffenen S-Bahn-Gleisen gut zwei Wochen lang kaum ein Zug fahren konnte.
Trotzdem wurden die Stellwerke während der gut fünfmonatigen Sperrung nicht saniert. Eine Erneuerung der in die Jahre gekommenen Technik sei erst „weit in den 2030er Jahren“ geplant, teilte die Bahn mit.
Was passiert nun zwischen Troisdorf und Wiesbaden?
Das nächste Großprojekt der Bahn ist die Sanierung der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf und Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden. Die Strecke wird Freitagabend gesperrt, bis Mitte Dezember fahren dort dann keine Züge. In dieser Zeit sollen unter anderem Gleise, Weichen, Oberleitungen, Signaltechnik, Brücken, Tunnel, Bahnübergänge und Bahnhöfe grundlegend modernisiert werden.
Auch dort ist das Ziel, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des Bahnverkehrs zu verbessern. In die Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke fließen demnach rund 1,6 Milliarden Euro.
Wie können Reisende während der Sperrung ans Ziel kommen?
Laut Bahn gibt es ein umfangreiches Programm mit Ersatzbussen auf 13 Linien. Expresslinien sorgen für möglichst schnelle Verbindungen zwischen Wiesbaden, Rüdesheim und Koblenz sowie zwischen Koblenz, Bad Honnef, Bonn-Ramersdorf und Troisdorf. Im Schülerverkehr sind zusätzliche Fahrten geplant. Auch Rheinfähren sind in das Ersatzverkehrskonzept eingebunden.
Sämtliche Ersatzverbindungen sind über die Internetseite www.bahn.de, den DB Navigator oder die regionalen Apps der Verkehrsverbünde RMV, SPNV-Nord oder Go.Rheinland abrufbar. Unter bahn.de/ersatzverkehr-rechter-rhein wurde eine spezielle Website zum Ersatzverkehr eingerichtet. Die Ersatzbusse sind laut der Deutschen Bahn barrierefrei, verfügen über WLAN sowie zum Teil über Toiletten an Bord.
Wie geht es in NRW mit den Generalsanierungen weiter?
Bahnreisende müssen sich noch viele Jahre lang auf Einschränkungen durch Baustellen einstellen. „Aktuell ist die Infrastruktur zu alt, zu voll und zu störanfällig, das gilt insbesondere auch für Nordrhein-Westfalen“, sagte der NRW-Generalbevollmächtigte der Deutschen Bahn, Jens Gräfer, kürzlich im Verkehrsausschuss.
Die Bahn plant deshalb schon die nächsten großen Sanierungen. 2028 sollen die Strecken von Hagen über Unna nach Hamm sowie linksrheinisch von Köln über Bonn nach Koblenz grundlegend erneuert werden. 2029 steht die Strecke Aachen-Köln auf dem Programm. 2032 soll Münster-Recklinghausen folgen.
2033 ist den Plänen zufolge die zentrale Bahnachse vom Ruhrgebiet über Düsseldorf nach Köln an der Reihe. Im selben Jahr steht die Sanierung der Strecke Osnabrück-Münster an, auf der die Fernzüge von NRW nach Hamburg fahren. 2035 soll schließlich die Strecke von Minden nach Wunstorf in Angriff genommen werden. Der Abschnitt ist wichtig für den Fernverkehr, denn dort fahren die ICE aus NRW nach Hannover und Berlin.
Nach der umfassenden Sanierung der Strecken soll es dort mindestens fünf Jahre lang keine weiteren Einschränkungen durch Baustellen geben.
