Der Bundeskanzler hat sein Reformpaket am Donnerstagabend in der Talksendung "Maybrit Illner" verteidigt. Bei der Frage nach den Minijobs stellt er klar, wen er genau im Visier hat. Nachdem die Koalition am Donnerstag ihre Reformen bei der Einkommensteuer , der Rente und dem Arbeitsmarkt vorgestellt hat, hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Abend im ZDF den Fragen von Maybrit Illner gestellt. Doch beim kontrovers diskutierten Thema der Minijobs, die nach den Vorstellungen der Rentenkommission abgeschafft werden sollen, gibt es in der Koalition wohl noch keine Einigung. Merz erklärte, dass es bei den Minijobs zwei konkurrierende Gedanken gebe, für die die Regierung eine Lösung finden müsse: Einerseits sei es für viele Wirtschaftszweige wichtig, möglichst unkompliziert einfach regulierte Jobs anbieten zu können. Andererseits gebe es aber auch eine Gruppe von Menschen, die ihr Leben lang nur auf Minijob-Basis tätig seien und dann in der Rente "vor einem ziemlichen Scherbenhaufen stehen". "Wir müssen eine Differenzierung vornehmen. Schüler, Studenten, Rentner müssen wir anders behandeln als die, die ein Vollzeitbeschäftigungsverhältnis in drei Minijobs aufteilen", so Merz. Man dürfe "nicht weiter zulassen", dass diese Gruppe – und das seien ganz überwiegend Frauen – hinsichtlich ihrer Altersvorsorge so schlecht aufgestellt sei. Viele stocken ihren Hauptjob durch einen Minijob auf Zu den Aussagen des Kanzlers gibt es auch einige Zahlen. Die Behauptung, dass es sehr viele Beschäftigte gebe, die mehrere Minijobs gleichzeitig ausüben, lässt sich allerdings nicht belegen. Es stimmt aber, dass die Mehrfachbeschäftigung seit Jahren zunimmt, das heißt, immer mehr Menschen gehen mehr als nur einem Job nach. Ende 2025 waren es nach Angaben des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) 4,72 Millionen. Diese Menschen üben aber nicht alle mehrere Minijobs aus: Früheren Zahlen zufolge hatten drei Viertel von ihnen als Haupttätigkeit einen sozialversicherungspflichtigen Job, den sie mit einem Minijob aufstockten. Zehn Prozent hatten zwei sozialversicherungspflichtige Jobs, der Rest verteilte sich auf Menschen, die mehrere Minijobs ausüben oder etwa als Beamter noch einem Minijob nachgehen. 2019 hatten nur rund 270.000 Menschen mehrere Minijobs – das ging damals aus einer parlamentarischen Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Verglichen mit den 4,72 Millionen Mehrfachbeschäftigten sind das also sehr wenige. Die große Mehrheit der mehrfach beschäftigten Minijobber ist also schon sozialversicherungspflichtig beschäftigt und stockt ihr Gehalt mit einem steuer- und abgabenfreien Minijob auf. Offen ist, was mit dieser Gruppe passieren würde, wenn ihnen diese Möglichkeit genommen würde und Minijobs abgeschafft würden . Für einige könnte es sich trotzdem noch lohnen, den Nebenjob auszuüben und dann auch dafür Sozialbeiträge zu zahlen. Für andere dürfte sich das hingegen finanziell weniger lohnen, wenn künftig das Minijobgehalt um gut 20 Prozent geringer ausfällt. Die meisten Minijobber sind Frauen Richtig ist allerdings die zweite Aussage des Kanzlers: Laut dem Quartalsbericht der Minijobzentrale waren Anfang 2026 knapp über die Hälfte der Minijobber im Gewerbe (55,9 Prozent) Frauen, 44,1 Prozent Männer. Die große Mehrheit ist zwischen 25 und 64 Jahre alt. Bei Minijobs im Privathaushalt sind es allerdings zu 86,9 Prozent Frauen, nur 13,1 Prozent der im Privaten angestellten Minijobber sind männlich. Auch hier sind 74,4 Prozent im Alter zwischen 25 und 64 Jahren. Zudem lassen sich die allermeisten (79 Prozent im Gewerbe, 88 Prozent im Haushalt) von der Rentenversicherungspflicht befreien, zahlen also keine Beiträge in die Rentenkasse ein. Der Arbeitgeber muss dann trotzdem einen Pauschalbetrag in die Rentenversicherung einzahlen, dieser beträgt 15 Prozent des Bruttolohns. Dadurch erwerben Minijobber also schon Rentenansprüche – allerdings fallen diese gering aus, weil auch das Gehalt klein ist (bis maximal 603 Euro im Monat). Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung erhöht sich die spätere Rente um rund fünf Euro pro Monat, wenn man ein Jahr lang einem Minijob in Höhe von 603 Euro im Monat nachgeht. Frauen beziehen niedrigere Renten als Männer Würde also ein Berufstätiger sein ganzes Berufsleben lang nur auf Minijob-Basis arbeiten, hätte er am Ende Anspruch auf eine monatliche Rente in Höhe von nur einigen Hundert Euro, je nachdem, wie viele Jahre er insgesamt gearbeitet hat und ob noch andere Ansprüche (etwa Mütterrente oder Hinterbliebenenrente ) bestehen. Frauen beziehen im Schnitt auch deutlich niedrigere Renten als Männer : 2024 betrug die Rentenhöhe nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bei Frauen im Schnitt 961 Euro, Männer bekamen hingegen 1.372 Euro. Rund 30 Prozent der Frauen bekamen eine Rente von weniger als 600 Euro im Monat ausgezahlt, weitere 29 Prozent bekamen eine Rente zwischen 600 und 900 Euro. Bei Männern lagen nur 16 Prozent unter der 600-Euro-Grenze, weitere neun Prozent hatten weniger als 900 Euro im Monat. Letztendlich gibt es also durchaus einige Indizien dafür, dass Merz mit seiner Analyse recht haben könnte: Viele Frauen können nicht genug vorsorgen, möglicherweise weil sie die Minijob-Regelung nutzen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Frauen pflegen ihre Angehörigen (Kinder, Eltern, Geschwister) häufiger als Männer und stecken dafür beruflich zurück. Allein die Abschaffung der Minijobs jedoch würde diese Schieflage vermutlich nicht in den Griff bekommen.