Beeindruckender Plan: Künstler JR verwandelt Pont Neuf in eine gigantische Höhle – vielleicht
JR irritiert durch neue Blickwinkel und lockt die Betrachter seiner Kunstwerke in andere Welten. Sein neues Projekt „Pont Neuf“ aber hat mit schweren Wetterschäden zu kämpfen.
„Ich lasse stets die Architektur meine Arbeit diktieren“, erklärte JR sein Vorgehen 2018 im kalifornischen Kulturmagazin „Juxtapoz“. „Deshalb passen meine Werke in die Umgebung, als würde sie dorthingehören.“
Der knappe Name des französischen Künstlers ist schlicht die Abkürzung seines Vornamens Jean-René, soll aber auch eine augenzwinkernde Anspielung auf den „Dallas“-Schurken JR Ewing sein. Als Teenie hat JR seine Kunst in Paris mit Graffitidosen verbreitet. Inzwischen ist der 43-jährige Street-Artist, Fotograf, Musiker und Filmschaffende dafür bekannt, mit riesengroßen Schwarz-Weiß-Fotografien im öffentlichen Raum einen neuen Blickwinkel zu öffnen. Er verwandelt Objekte auf der ganzen Welt, sein jüngstes Werk lässt sich in diesem Jahr (hoffentlich) in seiner Heimatstadt Paris besichtigen.
Vor gut 40 Jahren hatten Christo und Jeanne-Claude die älteste Brücke über der Seine mit seidig glänzenden Stoffbahnen verhüllt und der Pont Neuf erstrahlte im Sonnenschein golden. JR ließ sich davon inspirieren, bleibt aber seinen Schwarz-Weiß-Fotografien treu. Seine Höhle, „Caverne du Pont Neuf“, ist eine Hommage an das Künstlerpaar.
Ein neuer Bildband des Taschen-Verlags dokumentiert JRs Arbeit an der Pariser Brücke Pont Neuf. Sie wurde im 16. Jahrhundert aus lutetischem Kalkstein erbaut, der aus den unterirdischen Steinbrüchen der Stadt stammt. Aus diesem Stein sind, neben anderen prächtigen Bauten, auch der Louvre und Notre-Dame entstanden. Durch die Gestaltung von Pont Neuf als Höhle will JR Paris zurück zu seinem Fundament führen, dem unterirdischen Rohmaterial für eine spektakuläre Stadt.
JR erschafft auf zweidimensionalen Flächen seine Motive so detailgetreu und perspektivisch korrekt, dass der Betrachter durch die optische Täuschung einen echten Raum zu sehen glaubt. Die Kunstform nennt sich Trompe-l’œil (französisch für „täusche das Auge“) und JR ist ein Meister seines Fachs. Im Interview mit Hans Ulrich Obrist gewährt er im Buch „JR. La Caverne du Pont Neuf" spannende Einblicke in seine Arbeit, viel Vergnügen beim Lesen!
