Während Donald Trump auf ein Abkommen mit dem Iran drängt, fliegen wieder Bomben. Die neue Eskalation zeigt vor allem eines: Die Interessen der USA und Israels driften immer weiter auseinander. Donald Trump wollte einen Deal. Dann heulten wieder die Sirenen am Golf. In Bahrain wurden Menschen in Schutzräume geschickt. Jordanische Streitkräfte meldeten abgefangene Raketen. Über Kuwait kreisten Kampfflugzeuge. Wenige Stunden zuvor hatten amerikanische Kampfflugzeuge iranische Stellungen nahe der Straße von Hormus bombardiert. Der Krieg, den Trump beenden will, ist zurück. Und ausgerechnet der US-Präsident gab erneut den Angriffsbefehl. Nach dem Abschuss eines US-Kampfhubschraubers durch den Iran am Dienstag ordnete Trump Vergeltungsschläge an. Damit tat er genau das, wovon er Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zuletzt immer wieder abhalten wollte . Genau deshalb erzählt diese Eskalation eine andere Geschichte als die meisten Raketenangriffe zuvor. Denn während Trump einen Ausweg aus dem Krieg sucht, scheint Netanjahu auf etwas anderes zu setzen: mehr Druck, mehr Abschreckung, mehr militärische Fakten. Die Interessen der USA und Israels driften auseinander. Und genau darin liegt derzeit die größte Chance des Iran. Xi Jinping in Nordkorea : Die Inszenierung verrät, dass etwas nicht stimmt Neue Eskalation im Nahen Osten: Trump verliert die Kontrolle USA wollen Ruhe im Nahen Osten Die USA griffen in der Nacht iranische Luftabwehrstellungen, Radaranlagen und militärische Infrastruktur nahe der Straße von Hormus an. Die USA sprachen von Selbstverteidigung. Trump erklärte, die Antwort soll "sehr stark" und "sehr kraftvoll" ausfallen. Militärisch betrachtet waren die Angriffe in ihrer Wirkung begrenzt. Politisch waren sie es nicht. Denn nur Stunden zuvor hatte Trump erneut erklärt, ein Abkommen mit Teheran stehe kurz bevor. Seit Wochen kündigt der Präsident eine Einigung an. Seit Wochen bleibt sie aus. Der US-Präsident sitzt in einer Falle, er hat die Kontrolle über seinen Krieg verloren. Jeder Gegenschlag stärkt zwar seine Glaubwürdigkeit als Oberbefehlshaber. Gleichzeitig erschwert jede neue Eskalation die Verhandlungen, in die er seit Wochen seine Hoffnungen auf ein Kriegsende setzt. Für die US-Regierung wird der Konflikt damit auch innenpolitisch gefährlich. Der Präsident hatte versprochen, Amerika aus neuen Kriegen herauszuhalten. Gleichzeitig drohen steigende Energiepreise, seine politische Bilanz zu belasten. Trump braucht deshalb vor allem eines: ein Ende des Schreckens, Ruhe am Golf. Doch genau diese Ruhe liegt nicht mehr allein in seiner Hand. Denn weder Teheran noch Jerusalem spielen mit. Enge Verbündete, unterschiedliche Ziele Trotz aller Differenzen bleibt Washington aber Israels wichtigste Schutzmacht. Jahrzehntelang galt im Nahen Osten ein einfacher Grundsatz: Wenn die USA und Israel militärisch handeln, ziehen sie strategisch am selben Strang. Genau dieses Prinzip beginnt nun zu bröckeln. Besonders deutlich wird die Entwicklung im Libanon . Während Washington befürchtet, dass israelische Angriffe auf die Hisbollah neue Verhandlungen mit dem Iran gefährden könnten, betrachtet die israelische Führung genau diese Angriffe als Teil ihrer Sicherheitsstrategie. Deshalb wächst in Washington die Sorge, dass Netanjahu im Libanon Fakten schaffen könnte, bevor ein mögliches Abkommen zustande kommt. Noch vor wenigen Tagen hatte Trump versucht, den israelischen Regierungschef von neuen Angriffen auf den Iran abzuhalten. Nach iranischen Raketenangriffen auf Israel drängte der US-Präsident auf Zurückhaltung. Nach Berichten amerikanischer und israelischer Medien warnte Trump seinen Verbündeten sogar davor, einen größeren Konflikt zu riskieren. Netanjahu entschied sich trotzdem für militärische Schläge. Als die israelische Armee weiter im Libanon vorrückte, soll Trump ihn am Telefon "verrückt" genannt haben. "Du hast wohl den Verstand verloren", sagte der US-Präsident. Genau hier wird sichtbar, dass Washington und Jerusalem inzwischen unterschiedliche Prioritäten verfolgen. Und dass die israelische Führung zu Alleingängen bereit ist. Trump nutzt seine Hebel nicht Doch die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob Trump mit Netanjahu unzufrieden ist. Die entscheidende Frage lautet, warum der US-Präsident seinen Einfluss bislang nicht konsequenter nutzt. Washington verfügt über erhebliche Hebel. Die USA liefern Waffen, stellen Aufklärung bereit und sind für Israels Raketenabwehr unverzichtbar. Trump könnte den Druck auf seinen Verbündeten deutlich erhöhen. Bislang hat er darauf verzichtet. Das deutet darauf hin, dass die Distanz zwischen beiden Politikern größer geworden ist – aber noch nicht groß genug, um in einem offenen Machtkampf zu gipfeln. Ausgerechnet der US-Präsident, der immer wieder betont, die Lage unter Kontrolle zu haben, erlebt derzeit, wie sowohl Netanjahu als auch Teheran den Spielraum der Amerikaner begrenzen. Teheran nutzt Lage politisch Fest steht: Für Netanjahu stellt sich die Lage anders dar als für Trump. Der israelische Regierungschef betrachtet den Iran nicht nur als kurzfristige Bedrohung, sondern als langfristiges Sicherheitsproblem. Aus israelischer Sicht geht es nicht allein um das Atomprogramm. Es geht um Raketenarsenale, Drohnen, unterirdische Produktionsanlagen und das Netzwerk iranischer Verbündeter in der Region – von der Hisbollah im Libanon bis zur Huthi-Miliz im Jemen . Netanjahu möchte sicherstellen, dass der Iran nach einem Waffenstillstand nicht einfach weitermachen kann wie zuvor. Der Iran ist militärisch deutlich schwächer als die USA und Israel. Seine Luftwaffe ist veraltet. Seine Infrastruktur wurde schwer beschädigt. Zahlreiche hochrangige Kommandeure wurden getötet. Trotzdem gelingt es der Führung in Teheran wiederholt, Druck auf ihre Gegner auszuüben. Israel sucht also Sicherheit. Washington sucht Stabilität. Hinzu kommen unterschiedliche innenpolitische Perspektiven. Für Trump wäre ein Ende des Krieges ein Erfolg. Er könnte seinen Anhängern zeigen, dass er einen Konflikt beendet hat, der die Weltwirtschaft belastet und die Ölpreise in die Höhe getrieben hat. Für Netanjahu könnte ein schneller Frieden dagegen zum Problem werden. Der israelische Ministerpräsident muss sich in den kommenden Monaten dem Urteil der Wähler stellen. Gleichzeitig dürfte er vermeiden wollen, dass ein von Trump ausgehandeltes Abkommen als historischer Erfolg des amerikanischen Präsidenten gefeiert wird, während Israel die Bedrohung durch iranische Raketen, Drohnen und verbündete Milizen weiterhin als ungelöst betrachtet. Das erhöht das Risiko weiterer Eskalationen. Chaos in der Golfregion Teheran zieht daraus seinen Nutzen. Das iranische Regime muss diesen Krieg nicht mit einem militärischen Sieg gewinnen. Es muss ihn nur so teuer und politisch riskant machen, dass seine Gegner unterschiedliche Prioritäten entwickeln. Doch möglicherweise hat Teheran noch etwas anderes erkannt: Die entscheidende Schwachstelle seiner Gegner liegt derzeit nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in Donald Trumps Ungeduld. Je länger der Krieg dauert, desto schwieriger wird das. Und genau deshalb genügt es dem Iran oft schon, den Konflikt am Köcheln zu halten. Teheran greift nicht wahllos an. Nach den amerikanischen Angriffen richteten sich iranische Gegenmaßnahmen gegen US-Einrichtungen in Bahrain und Jordanien . Auch Kuwait meldete Bedrohungen aus der Luft. Das ist kein Zufall. Der Iran greift damit genau jene Staaten an, die amerikanische Militärstützpunkte beherbergen, selbst aber kein Interesse an einem großen Krieg haben. Die Botschaft lautet: Wer den USA militärische Infrastruktur zur Verfügung stellt, wird Teil des Konflikts. Das iranische Regime spielt dabei mit dem Feuer. Aber es macht erstaunlich viel aus seinen begrenzten Möglichkeiten. Teheran hat weder die wirtschaftliche Kraft der USA noch die militärische Stärke Israels. Doch die Führung besitzt etwas anderes: Geduld, Risikobereitschaft und ein feines Gespür für die Schwachstellen ihrer Gegner. Teheran kann die USA militärisch kaum aus der Region verdrängen. Also versucht das Regime, ihre Präsenz politisch immer kostspieliger zu machen. Seit Kriegsbeginn im Februar geht es nicht mehr nur um Israel und die Vereinigten Staaten. Bahrain, Kuwait, Jordanien und andere Staaten der Region gerieten in den Sog des Konflikts. Je mehr Regierungen sich bedroht fühlen, desto größer wird der Wunsch nach einem schnellen Ende der Kämpfe – und damit auch der Druck auf Washington. Teheran steht vor strategischem Erfolg Darin liegt die eigentliche Stärke Teherans. Denn der wichtigste Gegensatz verläuft inzwischen nicht zwischen Washington und Teheran, sondern zwischen Washington und Jerusalem. Jeder israelische Angriff auf iranische Verbündete erhöht den Druck auf Teheran, zu reagieren. Jede iranische Reaktion erhöht den Druck auf Israel, zurückzuschlagen. Und jeder Angriff auf amerikanische Soldaten durch den Iran zwingt Trump, Stärke zu demonstrieren. So entsteht ein Kreislauf, in dem alle Beteiligten behaupten, nur zu reagieren – und gleichzeitig alle dazu beitragen, dass der Konflikt weitergeht. Besonders aufmerksam beobachten die Golfstaaten diese Entwicklung. Viele beherbergen US-Militärstützpunkte, gleichzeitig haben sie ihre Beziehungen zum Iran in den vergangenen Jahren ausgebaut. Jeder neue Angriff erhöht den Druck auf ihre Regierungen. Die Staaten der Region erleben gerade, wie wenig Kontrolle sie über den Krieg haben, den sie nie führen wollten. Zudem haben sie sich mehr von der US-Schutzmacht versprochen. Die USA haben inzwischen erklärt, ihre jüngsten Angriffe seien abgeschlossen. Das soll beruhigen. Es soll signalisieren, dass Washington keinen größeren Krieg sucht. Doch genau darin liegt das Problem. Washington will weiter Druck auf Teheran ausüben, ohne einen großen und langen Krieg führen zu müssen. Diese Balance wird mit jedem neuen Angriff schwieriger. Militärisch befindet sich zwar der Iran in der Defensive. Politisch könnte Teheran dennoch etwas erreicht haben, das für das Regime wertvoller ist als mancher militärischer Erfolg. Die Führung in Teheran hat die unterschiedlichen Interessen ihrer mächtigsten Gegner sichtbar gemacht. Sollte die Distanz zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu weiter wachsen, wäre genau das der bislang größte Erfolg der iranischen Strategie. Ein Erfolg, der nachhaltig sein könnte.