Powell-Nachfolger: Fed-Falke oder Trump-Vertrauter: Wofür steht Kevin Warsh?
Kevin Warsh ist am Ziel: Donald Trump vereidigt ihn am Freitag als Nachfolger von Jerome Powell an der Fed-Spitze. Der US-Präsident hat ihn ausgewählt – wird er ihm gehorchen?
Der Wunschkandidat von Donald Trump für die Führung der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, wird am Freitag vom US-Präsidenten selbst vereidigt. Er übernimmt das Amt von Jerome Powell, der bei Trump in Ungnade gefallen war, weil er sich dessen Forderungen nach massiven Zinssenkungen widersetzte.
Warsh kündigte im Senat einen Kurswechsel bei der Fed an. Zugleich versicherte er, die Zentralbank gegen Einflussnahme aus dem Weißen Haus verteidigen zu wollen. Er werde „auf keinen Fall“ eine Marionette Trumps sein, sagte er zu Vorwürfen der oppositionellen Demokraten. „Ich setze mich dafür ein, dass die Gestaltung der Geldpolitik weiterhin streng unabhängig bleibt“, betonte Warsh bei seiner Nominierungsanhörung im Senat.
„Entscheidend wird sein, ob Warsh diese Autonomie am Ende auch gegen den permanenten Zinssenkungsdruck von Donald Trump behaupten kann“, sagte Stephan Bales, US-Experte bei der Förderbank KfW.
Aber welchen Kurs will Warsh bei der Fed einschlagen? In der Vergangenheit hatte er sich als geldpolitischer Falke geäußert, also als Anhänger einer straffen Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung. Wegen des Ölpreisanstiegs und der davon ausgehenden Inflationsgefahren ließen die Märkte jüngst ihre Erwartungen an Zinssenkungen in den USA fallen. Nun preisen sie ein Szenario ein, demzufolge der US-Leitzins in diesem Jahr unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bliebe. Durch seinen Irankrieg hat Trump sich die Chance auf die von ihm gewünschte Zinssenkung selbst zerschossen.
Und selbst wenn Warsh gegen seine bisherigen Aussagen und möglicherweise aus Loyalität gegenüber Trump versuchen wird, die Zinsen zu lockern, so dürfte er auf den Widerstand seiner Kolleginnen und Kollegen im Offenmarktausschuss stoßen, der mit Mehrheit über Zinsänderungen entscheidet. Anders als manche Äußerungen Trumps nahelegen, ist die Fed keine Ein-Mann-Diktatur.
Schrumpft die Fed-Bilanz?
Warshs geldpolitischer Kurs dürfte sich jedoch nicht nur an seinen Zinsentscheidungen zeigen. Ein großes Anliegen ist es ihm, die Bilanz der Fed zu schrumpfen. Hinter dem sperrigen Begriff Bilanz verstecken sich insbesondere die Käufe von Staats- und Immobilienanleihen durch die Fed. Unter Powell ist die Bilanz von fast neun Billionen auf dem Höhepunkt der Coronapandemie auf rund 6,7 Billionen Dollar geschrumpft. Doch das ist immer noch deutlich mehr als vor der Pandemie, als die Fed etwa 4 Billionen Dollar auf der Bilanz hatte. Vor der globalen Finanzkrise Ende der Nullerjahre war es sogar nur rund 1 Billion Dollar.
Warsh gehört zu jenen konservativen Ökonomen und Notenbankern, die den großvolumigen Aufkauf von Staatsanleihen kritisieren, weil dies zur Aufblähung der Geldmenge wie auch der Preise anderer Anlageklassen wie etwa Aktien führt. Diese Gruppe argumentiert daher in der Tradition von Milton Friedman, der die monetaristische Theorie geprägt hat und als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts gilt.
Der künftige Fed-Chef betont gern, dass er selbst noch bei Friedman studiert hat. Auch während seiner Zeit in der Fed unter dem damaligen Präsidenten Ben Bernanke zeigte sich Warsh eher als geldpolitischer Falke.
Droht ein Konflikt mit Trump?
Der Konflikt zwischen einem Fed-Präsidenten Warsh und Trump scheint programmiert zu sein, denn insbesondere das Schrumpfen der Bilanz wäre eine deutliche Straffung der Geldpolitik und würde die ausufernde US-Staatsverschuldung noch teurer machen. Der Entzug von Liquidität könnte die Kapitalmärkte – einschließlich der Finanzstabilität – zudem ins Schwanken bringen. Die Fed wäre dann statt Retter in der Finanzkrise Auslöser einer Finanzkrise.
„Er ist intelligent und umsichtig. Aber sein Erfolg in seiner neuen Position wird davon abhängen, ob er in der Lage ist, konstruktiv mit den Mitarbeitern des Vorstands und seinen Kollegen im Ausschuss darüber zu diskutieren, wie er die Fed voranbringen will“, sagte Jeff Lacker, ehemaliger Präsident der regionalen Fed von Richmond der „Financial Times“ über Warsh. Um seine Agenda voranzubringen, müsse Warsh seine Kritik an der Fed zu einer schlüssigen Argumentation ausarbeiten. „Er hat scharfe Kritik an den Mitarbeitern des Vorstands und der Denkweise der Fed geübt. Aber um ein Modell zu schlagen, braucht man ein Modell.“
Letztlich machen sich Notenbanken auch immer wieder ihre Präsidenten, sodass die Veränderungen unter Warsh möglicherweise geringer ausfallen werden, als seine bisherigen Ankündigungen vermuten lassen. Dann würde sich die Geldpolitik unter seiner Ägide gar nicht so sehr von der des Amtsinhabers Powell unterscheiden, möglicherweise mit mehr Bereitschaft, die Zinsen zu senken, bei gleichzeitig leichtem Bilanzabbau.
Wenn die langfristigen Zinsen dadurch steigen, würde die Zinsstrukturkurve etwas steiler werden, was als gesundes Zeichen gesehen werden könne. Die Schrumpfung könne wie der bisherige Bilanzabbau „weitgehend geräuschlos“ verlaufen, sagt Pimco-Ökonomin Tiffany Wilding. Sollte die Fed dies fortsetzen, dürften die Märkte davon kaum Notiz nehmen. Für die konkrete Geldpolitik macht es aber möglicherweise gar keinen Unterschied, ob Powell oder Warsh die Fed führt. Und Immobilienunternehmer Trump könnte – egal wer Notenbankchef ist – seinen Beschimpfungen von Schwachkopf bis Verlierer treu bleiben.
Mit Agenturen
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