Chronik einer Horrorsaison: Krise der Königlichen – wie es bei Real Madrid bergab ging
Real Madrid spielt eine Saison zum Vergessen. Der Spitzenklub bleibt ohne Titel und intern rumort es gewaltig. Vor allem diese Ereignisse sorgten für die Krise.
Schlimmer hätte es für Real Madrid nicht kommen können: Die Königlichen verloren am Sonntag den Clásico mit 0:2 gegen den Erzrivalen FC Barcelona, der sich dadurch vorzeitig zum spanischen Meister kürte. Aus Sicht der Madrilenen war es der Tiefpunkt einer desaströsen Saison ohne Titel – eine Katastrophe für den 15-maligen Champions-League-Sieger. Doch nicht nur sportlich kriselt es bei Real Madrid. Auch interne Spannungen sorgen seit Monaten für Unruhe.
Trainerrauswurf, bittere Niederlagen, Ausscheiden in sämtlichen Wettbewerben und (körperliche) Auseinandersetzungen zwischen Spielern – bei Real herrscht in dieser Saison Chaos. Die entscheidenden Ereignisse im Überblick:
Chronik der Krise bei Real Madrid
- 9. Juli 2025: Trainer Xabi Alonso hatte die Madrilenen gerade erst vom vorherigen Real-Coach Carlo Ancelotti übernommen, als es den ersten Dämpfer in der Saison 2025/2026 gab. Im Halbfinale der Klub-Weltmeisterschaft in den USA gingen die Königlichen mit 0:4 gegen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain unter. Eine Machtdemonstration des französischen Klubs und eine Blamage für den spanischen Rekordmeister. Laut Medienberichten kam es bereits während des Turniers zu internen Spannungen zwischen Alonso und seiner Mannschaft, etwa mit dem Brasilianer Vinícius Júnior.
- 26. Oktober: Im Clásico-Hinspiel gegen den FC Barcelona verschärfte sich die Situation bei Real Madrid: Wutentbrannt und wild gestikulierend verließ Vinícius Júnior den Platz, als er in der 72. Minute für seinen Landsmann Rodrygo ausgewechselt wurde. „Vini“ stapfte ohne Handschlag an Trainer Xabi Alonso vorbei. Der Angreifer setzte sich auch gar nicht erst auf die Bank, sondern verschwand direkt in den Katakomben. Real gewann das Duell gegen den Erzrivalen vor heimischer Kulisse im Santiago-Bernabéu mit 2:1 – und Vinicius entschuldigte sich im Anschluss für die Aktion. Der Klub verzichtete auf eine Strafe. Doch man merkte bereits zu diesem Zeitpunkt, dass bei Real in dieser Saison etwas nicht stimmt.
- 11. Januar: Im Finale des spanischen Supercups, ausgetragen in Saudi-Arabien, setzte es eine bittere 2:3‑Niederlage gegen den FC Barcelona. Der Erzrivale hatte zu diesem Zeitpunkt auch in der Liga schon die Nase vorn. Sportlich blieb Real Madrid damit hinter den hohen Erwartungen zurück. Derweil rissen Gerüchte über interne Probleme nicht ab. Bezeichnend dafür war eine Situation vor der Supercup-Siegerehrung des FC Barcelona: Alonso forderte seine Spieler auf, ein Spalier für das Gewinnerteam zu bilden. Doch die Real-Stars wendeten sich ab und hörten nicht auf ihren Coach. Der stand nur machtlos daneben.
- 12. Januar: Was sich zuvor angebahnt hatte, wurde dann kurz nach dem Supercup-Aus verkündet: Real Madrid und Trainer Xabi Alonso beendeten die Zusammenarbeit nach rund einem halben Jahr – laut offiziellen Angaben erfolgte die Trennung einvernehmlich. Der langjährige Präsident der Königlichen, Florentino Pérez, soll Medienberichten zufolge von Anfang an nicht an Alonso geglaubt haben. Dieser wiederum fühlte sich beim Umgang mit den Spielern vom Klub im Stich gelassen, hieß es. Álvaro Arbeloa, Ex-Real-Star und bis dato Trainer der zweiten Mannschaft, übernahm das Amt von Alonso.
- 14. Januar: Das erste Spiel unter dem neuen Coach Arbeloa endete für Real Madrid in einer peinlichen Niederlage: Das starbesetzte Team unterlag im Achtelfinale des spanischen Pokals Copa del Rey mit 2:3 beim Zweitligisten Albacete und schied frühzeitig aus. Die Pressestimmen fielen daraufhin vernichtend aus: „Ein Madrid, das wahrlich beschämend ist. Ein Madrid im freien Fall“, schrieb etwa die spanische Zeitung „Marca“.
- 7. April: Die bis dato enttäuschende Saison wollten die Königlichen in der Champions League wiedergutmachen. Im Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern gab es für Real Madrid jedoch die nächste bittere Pleite in einer wichtigen Partie: Mit 1:2 unterlag man den Münchnern im heimischen Bernabéu.
- 15. April: Das Rückspiel in der Woche darauf endete in einem Torfestival – und in der nächsten großen Enttäuschung für Real. Die Bayern gewannen in München mit 4:3 und zogen ins Halbfinale ein. Real Madrid schied zum zweiten Mal in Folge vor der Runde der besten vier Mannschaften aus.
- Ende April: Weiterhin kehrte keine Ruhe ein bei den Königlichen: Eine Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger und dem Spanier Álvaro Carreras sorgte für Schlagzeilen. In spanischen Medien war zunächst sogar die Rede von einer Ohrfeige Rüdigers. Dessen Umfeld widersprach den Berichten über Handgreiflichkeiten. Demnach hatte sich der Vorfall bereits im Februar ereignet. Anfang Mai meldete Carreras sich via Instagram zu Wort: „Es handelte sich um eine einmalige, unbedeutende Angelegenheit, die bereits geklärt ist.“
7. Mai: Schon kurz danach kam es zum nächsten Konflikt im Team: Federico „Fede“ Valverde und Aurélien Tchouaméni gerieten heftig aneinander. Infolge des Streits landete Valverde sogar mit einer Platzwunde im Krankenhaus. Real verkündete, dass bei dem Uruguayer ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostiziert wurde und er sich zu Hause zehn bis 14 Tage schonen müsse. In einer Mittwochseinheit sollen die beiden gestritten haben, beim Training am Donnerstag eskalierte die Fehde dann. Valverde dementierte eine Schlägerei und vermutete einen Maulwurf im Real-Umfeld: Es gebe „offensichtlich jemanden im Hintergrund, der solche Geschichten schnell weitererzählt“, so der Uruguayer.
Real brummte beiden Spielern eine Geldstrafe von jeweils 500.000 Euro auf. Sportliche Sanktionen blieben hingegen aus. „Was ich nicht tun werde, ist, sie auf einem Scheiterhaufen auf dem Stadtplatz zu verbrennen, denn das haben sie nicht verdient. Es ist Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, kommentierte Trainer Álvaro Arbeloa die heftige Rangelei seiner Spieler. Tchouaméni stand drei Tage nach dem Vorfall in der Clásico-Startelf gegen Barca.
- 10. Mai: Gegen den Erzrivalen FC Barcelona folgte die ultimative Demütigung: Real Madrid verlor bei den Katalanen mit 0:2. Die Mannschaft von Hansi Flick machte dadurch die spanische Meisterschaft klar – und besiegelte Reals titellose Saison.
