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Angriff der nigerianischen Luftwaffe kostet offenbar hunderte Menschenleben

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Am vergangenen Samstag sollen bei einem Luftangriff der nigerianischen Luftwaffe mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen sein. Andere Quellen sprechen sogar von 400 toten Zivilisten. Die genaue Anzahl der Toten und Verletzten ist noch unbekannt. Das eigentliche Ziel der drei Kampfflugzeuge waren islamistische Militante. Doch stattdessen trafen die Bomben einen ländlichen Markt im Dorf Jilli, das im Grenzgebiet zwischen den Bundesstaaten Borno und Yobe liegt.

Das nigerianische Militär hatte den Luftschlag zunächst verteidigt und von einem Präzisionsschlag gegen eine logistische Stellung der Terroristen gesprochen. Der Angriff, der am 11. April entlang der Achse Bindul-Jilli im lokalen Verwaltungsbezirk Gubio durchgeführt worden war, habe Kämpfen der "Islamischen Provinz Westafrika" (ISWAP ‒ Islamic State West Africa Province) und ihren Verbündeten gegolten.

Sani Uba, der Sprecher der Operation "Hadin Kai", einer Kampagne, die der Aufstandsbekämpfung dient, erklärte am Sonntag, dem Angriff wären Aufklärungs- und Erkundungsmissionen über dem Zielgebiet vorausgegangen. Sowohl die Luftaufklärung als auch Informanten am Boden hätten Fahrzeugbewegungen im Umfeld von Jilli ergeben.

Die Zielauswahl sei vor jedem Angriff mit Sorgfalt erfolgt. Die Auswertung nach der Bombardierung habe bestätigt, dass dabei Dutzende Kämpfer getötet und ihre Fahrzeuge zerstört worden seien. Der Gouverneur des Bundesstaats Borno, Babagana Zulum, unterstützte die Version des Militärs. Der Markt sei schon vor fünf Jahren offiziell geschlossen worden.

Die Bombardierung stand im Zusammenhang mit einer zunehmenden Aktivität islamistischer Gewalttäter in der Region. Bei einem Sprengstoffanschlag entlang der Bindul-Route im Januar waren acht Soldaten getötet worden. Und am 9. April, also zwei Tage vor dem Bombardement, hatte die Region koordinierte Angriffe zu verzeichnen. Die Unruhen in der Region haben im Laufe der Jahre Tausende von Menschenleben gekostet. Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Die Stellungnahmen von Militär und regionalen Behörden stehen im Widerspruch zur Behauptung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI), bei dem Angriff habe es zahlreiche zivile Opfer gegeben. Die nigerianische Sektion von AI hatte am Sonntag auf X unter Berufung auf örtliche Zeugen von über 100 Menschen gesprochen, die beim betreffenden Luftangriff ums Leben gekommen seien, und diesen auf Schärfste verurteilt. Die Notaufnahme des Krankenhauses im regionalen Zentrum Geidam habe bisher 35 Schwerverletzte aufgenommen. Unter den Opfern seien auch Kinder.

Amnesty International Nigeria erklärte: "Das Durchführen von Luftangriffen ist nach Maßstäben jedweder Art keine legitime Methode der Strafverfolgung. Ein solcher rücksichtsloser Einsatz tödlicher Gewalt ist rechtswidrig, empörend und deckt die erschütternde Missachtung des nigerianischen Militärs für das Leben derer auf, die es angeblich schützen soll. Die nigerianischen Behörden müssen das Geschehen unverzüglich und unparteiisch untersuchen und sicherstellen, dass die mutmaßlichen Täter zur Rechenschaft gezogen werden."

Auch der ehemalige nigerianische Senatspräsident Ahmad Lawan aus dem Bundesstaat Yobe äußerte seine Besorgnis über den Vorfall und forderte eine gründliche Untersuchung. Lawans Appell: "Wir dürfen nicht zulassen, dass wir im Kampf gegen den Terror die Unantastbarkeit unschuldigen Lebens aus dem Blick verlieren."

Mittlerweile erklärte die nigerianische Luftwaffe Medienberichten zufolge, sie werde den Vorfall untersuchen und den Vorwürfen nachgehen. Alle Meldungen über mögliche Schäden an Zivilisten würden mit größter Ernsthaftigkeit und Empathie behandelt. Eine Untersuchungskommission sei auf dem Weg nach Jilli. Das nigerianische Militär steht immer wieder in der Kritik, bei der Terrorismusbekämpfung auch sogenannte "Kollateralschäden" unter der Zivilbevölkerung zu verursachen.

Mehr zum Thema ‒ Entführungswelle in Nigeria: Präsident ruft Notstand und massenhafte Rekrutierung aus






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