Die Verhandlungen sind vorerst gescheitert, gehen aber vielleicht weiter. Die Waffenpause hält fürs Erste an. Der US-Präsident will jetzt seinerseits die Straße von Hormus sperren. Geht das? Dass der Iran die Straße von Hormus sperrt, ist die stärkste Waffe in diesem Krieg, den Benjamin Netanjahu und Donald Trump machtvoll begonnen haben. Nun also, da die Verhandlungen in Islamabad blitzschnell gescheitert sind, will Donald Trump auch die Meerenge sperren lassen. Was soll das? Warum macht er das? Weil dieses Mullah-Regime weder fällt noch klein beigibt. Weil der Krieg in Amerika unbeliebt ist. Weil er, Donald J. Trump, sich zwar weiterhin für das tollste Geschöpf hält, das je auf amerikanischem Erdboden gewandelt ist, aber in irdischer Ratlosigkeit nach Auswegen sucht, die keine sind. Newsblog zum Krieg in Nahost: Irans Marinechef nennt Trumps Blockade-Drohung "lächerlich" Reaktion auf Predigt: Beispielloser Vorgang – Trump attackiert den Papst Die Verhandlungen in Islamabad sind gescheitert, aber irgendwie auch nicht. Denn der Iran soll über den Katalog der Zumutungen noch einmal nachdenken, sagt Vizepräsident JD Vance. Wir befinden uns also in einem Zwischenzustand, in dem vielleicht bald erneut verhandelt wird, vielleicht aber auch nicht. Stillstand ist kein tragbarer Zustand für manische Menschen Der Krieg pausiert bis zum 22. April, wenn es bei der Vereinbarung bleiben sollte, es sei denn, sie gilt morgen nicht mehr. Prognostische Vorsicht ist bei den Übersprungshandlungen der Hauptperson jederzeit geboten. Dass momentan nichts passiert, ist kein tragbarer Zustand für manische Menschen. In diesem Interim lässt sich Trump also einfallen, dass er genau das machen möchte, was diese Mullahs auch machen. Sie entscheiden darüber, wer die Meerenge passieren darf. Danach soll die Gegenkontrolle eingerichtet werden. US-Kriegsschiffe sollen exakt jene Handelsschiffe, die eigentlich durchfahren dürfen, daran hindern. Und was dann, wenn sie nicht anhalten? Versenken? Momentan fahren durch die Straße von Hormus Schiffe, die entweder dem Iran gehören oder zu ihrer Schattenflotte zählen, die Öl auf internationalen Märkten unterbringen sollen, vorzugsweise in chinesischen Raffinerien. Daneben gibt es befreundete Staaten wie Indien oder Russland , die das Privileg der Durchfahrt genießen. Und dann gibt es einige wenige Schiffe anderer Nationalität, die neuerdings hohe Gebühren entrichten müssen, zwischen 120.000 und 250.000 Dollar pro Passage, bezahlbar entweder in Kryptowährung oder chinesischen Yuan. Netanjahu wollte den Krieg schon seit Langem Wie du mir, so ich dir, das ist die bubenhafte Logik, die hinter diesem neuesten Manöver steht. Unter der iranischen Blockade leidet die Weltwirtschaft. Daran ändert Trumps Blockade rein gar nichts. Die Rastlosigkeit ist kein Zufall. Für ihn ist dieser Krieg in kürzester Zeit zu einem Problem geworden, das er loshaben will, aber nicht so schnell losbekommt. Da haben zwei weiße alte Männer einen Krieg angefangen. Der eine, Benjamin Netanjahu, wird in diesen Tagen 77, Trump im Juni 80. Netanjahu wollte den Krieg schon seit Langem. Der Grund ist verständlich: Der Iran, das Land, das Israel von der Landkarte löschen möchte, soll die Bombe nicht besitzen. Israel verteidigt sein Monopol in dieser Region. In Trump hatte Netanjahu endlich den idealen US-Präsidenten gefunden, den er glauben machen konnte, dass dieser Krieg spielend leicht zu gewinnen sei: Wir schalten den Ajatollah und einige andere Machthaber der Theokratie aus und schon fällt das Regime und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen. Trump und Netanjahu haben nicht mehr das gleiche Ziel Die Einträchtigkeit der beiden Kriegsherren ist jetzt vorbei. Trump möchte den Krieg abschütteln, irgendwie. Er versucht zu behaupten, der Sieg ist mein und damit gut. Aber die unerträgliche Leichtigkeit dieses Präsidenten scheitert an der Wirklichkeit. Seine größte Stärke wird diesmal zu seiner größten Schwäche. Netanjahu mag schon befürchtet haben, dass Trump wieder, wie beim Zwölftagekrieg im Juni 2025, plötzlich keinen Krieg mehr haben will. Der israelische Premier hingegen ist der Virtuose der permanenten Fortsetzung und der Mehr-Fronten-Kriegsführung, wie er gerade im Libanon unter Beweis stellt. Was aber ist dort das Ziel? Die Vernichtung der vernichteten Hisbollah? Vor allem wird dieses geschundene Land noch mehr geschunden. Dass Netanjahu von Krieg zu Krieg eilt und noch lange nicht an Frieden denkt, ist offensichtlich. Trumps Fahrigkeit kam ihm entgegen. 20 Punkte umfasste der Plan für Befriedung und Wiederaufbau in Gaza. Schon vergessen? Iran-Krieg: Trump steckt im Treibsand fest Wir sollten kurz mal innehalten und Revue passieren lassen, welche historische Chancen für eine Neuordnung im Nahen und Mittleren Osten verpufft sind. Es ist nur knapp ein Jahr her seit Trumps Triumphzug durch die Region. Die arabischen Potentaten am Golf, die eine größere politische Rolle anstreben, feierten ihn und beschenkten ihn überreichlich. In der Knesset feierte er und ließ sich feiern. Er war der Mann, der die israelischen Geiseln heimholte, welche sekundär für die rechte Regierung geworden waren. Er unterbreitete Vorschläge, wie und von wem Gaza rasch wieder aufgebaut und regiert werden sollte. Er schien darauf aus zu sein, Netanjahu einzudämmen – keine Annexion des Westjordanlands. In jenen Oktobertagen glomm zum ersten Mal nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden brutalen Krieg wieder ein Fünkchen Hoffnung. Vergangen, verweht. Im Krieg gegen den Iran steckt Trump im Treibsand fest. Warum sollte das Mullah-Regime große Kompromisse eingehen? Warum sollten sie auf Uran-Anreicherung, Langstreckenwaffen und die Kontrolle der Straße von Hormus verzichten? Geschwächt und im eigenen Land verhasst, haben sie unverhofft Zeit, die Trump nicht hat. Die Perspektive für den Nahen Osten ist ungewiss Er hat kaum gewonnenes Renommee verspielt. Die Herrscher am Golf kennen nun die absolute Unberechenbarkeit der USA und werden ihre Folgerungen daraus ziehen. Israel kann Krieg, aber Frieden? In dieser Region, die vor einer Neuordnung stand, die eine gewisse Stabilität verhieß, hat wieder die Gewalt die Hegemonie. Und was macht Donald Trump in der Zwischenzeit? Meint er es ernst, müsste er Kreuzer und Zerstörer an Ein- und Ausgänge der Meerenge schicken, die eine Art Sperrkette bilden. Dann würden sie verdächtige Schiffe über Funk auffordern, ihre Identität, die Ladung und den Zielort anzugeben. Aufklärungsflugzeuge und Drohnen könnten aus der Luft Bewegungen zu Wasser beobachten. Das Gute an dieser abwegigen Idee wäre natürlich, dass der Krieg kaum weitergehen dürfte, falls sie verwirklicht wird. Denn die kleine Armada aus den USA wäre ja ein frei stehendes Ziel für iranische Raketen.