Russlands deutsche Geschichte im Porträt
Die Serie „Deutsche in der Geschichte Russlands“, an der Alexander Eraschow seit 2023 arbeitet, ist mehr als nur eine Porträtgalerie. „Ich illustriere die Geschichte Russlands, aber durch das Prisma der Präsenz ethnischer Deutscher“, sagt der Künstler. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, von den Gefährten Peters I. bis zu den Generälen des Ersten Weltkriegs – Eraschow zeigt, wie sehr die Schicksale zweier Völker verflochten sind.
Das Thema der Russlanddeutschen liege seiner Meinung nach auf der Hand, doch systematisch habe sich niemand damit beschäftigt. Katharina II. und Bellingshausen wurden vielfach dargestellt, aber eine einzige Galerie zu schaffen, die den Beitrag deutscher Wissenschaftler, Ärzte und Militärs zur Entwicklung Russlands zeigt – diese Aufgabe hatte zuvor niemand gelöst.
Am 25. Februar wurde Eraschow mit der Medaille „Dem Würdigen“ von der Russischen Akademie der Künste ausgezeichnet. Allerdings wurde im Diplom der Titel der Serie „Deutsche in der Geschichte Russlands“ durch eine neutralere Formulierung ersetzt: „Historische Persönlichkeiten der vielhundertjährigen Geschichte Russlands“.
„Das Wort ‚Deutsche‘ hat man irgendwie gescheut“, meint Eraschow. „Für mich als Nachkomme von Deutschen, die Russland zwei Jahrhunderte lang gedient haben, war das kränkend.“ Der Künstler verbindet dies mit dem Wachstum der Germanophobie in der Gesellschaft vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse. „Als ich der Akademie die Arbeiten vorlegte, schaute man mich befremdet an: ,Deutsche? Das sind doch unsere Feinde‘.“ Man musste erklären, dass es um „unsere“ Deutschen ging.
Bisher sind mehr als 40 Porträts und kleine Geschichten über jede Figur fertiggestellt. Wen hebt der Künstler besonders hervor? Eraschow nennt Jegor Schäffer (Dr. Georg Anton Aloysius von Schäffer), einen Arzt, Naturforscher und Abenteurer, bekannt für seinen gescheiterten Versuch, Hawaii dem Russischen Reich anzuschließen.
Trotz der Anerkennung lebt Eraschow bescheiden. Für die Fortsetzung des Projekts ist finanzielle Unterstützung nötig. Er hofft, dass sich Organisationen oder Geschäftsleute finden, die seine Aufklärungsarbeit unterstützen, bei der Veröffentlichung eines Buches und der Organisation einer Ausstellung helfen. Dann wäre durch gemeinsame Anstrengungen ein wichtiges Werk vollbracht: Damit die meisten Menschen in unserem Land aufhören, Russlanddeutsche als „Unsichtbare“ oder „Feinde“ zu betrachten, und sie stattdessen als das wahrnehmen, was sie wirklich waren – ein Teil der Geschichte eines großen Landes.
Olga Silantjewa
Запись Russlands deutsche Geschichte im Porträt впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
