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Die Golfregion hat einen neuen Boss: Diese drei Szenarien könnten der Waffenruhe folgen

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Von Sergei Poletajew

Die beinahe apokalyptische Rhetorik von US-Präsident Donald Trump, der drohte, "eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben", wich plötzlich einer Deeskalation. In der Nacht zu Mittwoch wurde bekannt gegeben, dass die USA und Iran eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart haben; kurz darauf bestätigte Israel seinen Beitritt zu der Feuerpause. In diesen zwei Wochen sollen Verhandlungen über ein dauerhaftes Friedensabkommen stattfinden, wobei Pakistan als Vermittler fungieren soll.

Genau dieses Szenario hatte ich von Beginn des Konflikts an für das wahrscheinlichste gehalten.

Der Krieg könnte zwar immer noch wieder aufflammen (darauf komme ich später zurück), aber im Moment sieht es so aus, als ob sich die Dinge in Richtung einer Realität entwickeln, in der der Persische Golf tatsächlich persisch wird. Iran kontrolliert nun faktisch die Schifffahrt im Golf und bedroht die arabischen Ölmonarchien – und die USA scheinen dies zu akzeptieren.

Szenario 1: Ein verlängerter Waffenstillstand

Nehmen wir an, die Kampfpause dauert Monate – oder sogar Jahre. Das ist durchaus plausibel: Selbst wenn kein formelles Friedensabkommen zustande kommt, könnte der Waffenstillstand einfach immer wieder verlängert werden.

In diesem Fall wird die oberste Priorität der arabischen Staaten der Aufbau einer neuen Generation von Luftverteidigungssystemen sein. Der Plan ist recht klar: Man setzt auf kostengünstige, in Serie gefertigte Abfangraketen, ob boden- oder luftgestützt. Sowohl die arabischen Staaten als auch Israel werden sich voraussichtlich darauf konzentrieren und gleichzeitig ihre traditionellen Luftverteidigungsbestände aufstocken.

Die zweite Priorität wird die Diversifizierung der Logistik sein – der Bau neuer Pipelines zum Roten Meer und die Suche nach Alternativen zu den Schifffahrtsrouten im Golf. Das Ziel ist offensichtlich: sich aus der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus zu befreien und deren Einfluss zu verringern. Allerdings würden Pipelines über die Arabische Halbinsel für Länder wie Katar, Bahrain, Kuwait und den Irak eine Abhängigkeit von einer anderen Regionalmacht bedeuten – Saudi-Arabien. Und natürlich würden Transitgebühren anfallen.

Nichts davon löst das Kernproblem. Die Geografie des Golfs macht einen umfassenden Schutz unmöglich. Auf über 500 Seemeilen (etwa 1.000 Kilometer) – wie in einem alten Arcade-Shooter – liegt jede Schifffahrtsroute in iranischer Reichweite. Entlang der Küste liegen Häfen, Fabriken, Entsalzungsanlagen, Öllager, Rechenzentren, Hotels und Wolkenkratzer wie Zielscheiben auf einem Schießstand. All das vom Meer aus zu verteidigen ist extrem schwierig, und vorerst werden die arabischen Staaten wohl die Kosten für eine sichere Passage übernehmen.

Letztendlich ist ihnen egal, wer diesen Schutzschirm bietet. Früher zahlten sie an die USA, jetzt an Iran. Der Preis ist gar nicht so hoch – angeblich etwa zwei Millionen US-Dollar pro Supertanker, also nur zwei bis drei Prozent des Wertes des transportierten Öls. Und letztendlich tragen die Käufer die Kosten ohnehin.

Im Osten gilt es als eines der wichtigsten Merkmale eines weisen Herrschers, von seinen Nachbarn Tribut zu fordern und deren Autorität anzuerkennen. Dieses Prinzip ist sowohl in Iran als auch in der arabischen Welt wohlbekannt. Ironischerweise haben die USA und Israel möglicherweise dazu beigetragen, eine neue regionale Ordnung zu schaffen, die der lokalen politischen Logik entspricht.

Nun stehen Washington und Westjerusalem vor einem langen und schwierigen Kampf, um ihren Einfluss wiederzuerlangen – und jeder Schritt, den sie unternehmen, wird von den arabischen Staaten mit Skepsis betrachtet werden: Was, wenn alles wieder zusammenbricht? Der Alphawolf hat sein Ziel verfehlt.

Szenario 2: Erneute Eskalation

Es ist durchaus möglich, dass der Krieg in zwei Wochen erneut aufflammt – möglicherweise sogar mit noch größerer Intensität. Iranische Unterhändler könnten erneut ins Visier genommen werden, was einen vorzeitigen Zusammenbruch des Waffenstillstands zur Folge hätte. Dennoch halte ich dies für relativ unwahrscheinlich: Trotz der beträchtlichen militärischen Kapazitäten der USA und Israels fehlt ihnen derzeit ein klarer Weg, Iran mit konventionellen Mitteln entscheidend zu besiegen.

Realistisch betrachtet, bleiben der Koalition – abgesehen von einem Nuklearkrieg – zwei Hauptoptionen.

Die erste Möglichkeit ist eine Kampagne intensiver strategischer Bombardierungen mit dem Ziel, Iran "in die Steinzeit zurückzubomben". Dies würde voraussetzen, dass US-amerikanische strategische Bomber direkt über iranischem Territorium operieren – ein riskantes Unterfangen, wie der Vorfall nahe Isfahan gezeigt hat. Unter solchen Bedingungen wären B-52-Bomber sogar verwundbarer als moderne Kampfflugzeuge – sie sind genauso leicht abzuschießen wie zivile Passagierflugzeuge, selbst für relativ veraltete Luftverteidigungssysteme.

Gleichzeitig haben die iranischen Raketenkapazitäten nicht nur überlebt, sondern zeigen Anzeichen einer Erholung und einer erhöhten Einsatzfrequenz. Und die US-Streitkräfte waren nicht in der Lage, die iranische Drohneninfrastruktur (einschließlich der Drohnen vom Typ Schahed) ernsthaft zu stören. Das bedeutet, dass jede groß angelegte Bombardierungskampagne das Risiko birgt, erhebliche Vergeltungsschläge auszulösen – insbesondere gegen die ölproduzierenden arabischen Monarchien –, den globalen Ölpreisschock zu verlängern und zu verschärfen sowie die Welt möglicherweise in eine Finanzkrise zu stürzen.

Auch Israel wäre gefährdet. Laut einem Bericht von JPMorgan, der sich auf das Jewish Institute for National Security of America stützt, ist die Erfolgsquote iranischer Angriffe auf israelisches Territorium sprunghaft angestiegen – von drei Prozent zu Kriegsbeginn auf 27 Prozent Ende März/Anfang April –, vor allem aufgrund der Überlastung und Erschöpfung der israelischen Luftverteidigung.

Die zweite Option – eine groß angelegte Bodenoperation, entweder entlang der iranischen Küste oder gegen iranisch kontrollierte Inseln – birgt alle Risiken eines Luftkriegs und führt unweigerlich zu hohen Verlusten. Der Vorteil? Praktisch keiner. Begrenzte amphibische Angriffe würden wenig bewirken, während eine umfassende Invasion mit dem Ziel eines Regimewechsels schlichtweg nicht durchführbar ist.

All dies bedeutet nicht, dass eine Eskalation ausgeschlossen ist. Es bedeutet lediglich, dass die US-amerikanische und die israelische Führung vor einer Eskalation dieselbe Gleichung lösen müssten wie zu Kriegsbeginn – allerdings mit deutlich weniger Unbekannten. Irans Widerstandsfähigkeit, seine militärischen Fähigkeiten und das Ausmaß der internationalen Isolation der USA und Israels sind heute wesentlich deutlicher erkennbar.

Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wiederaufgenommen und anschließend durch US-amerikanische oder israelische Aktionen erneut unterbrochen werden, würde diese weithin als Auslöser einer globalen Wirtschaftskrise angesehen.

Szenario 3: Kämpfe auf niedrigem Level, während Iran die Straße von Hormus kontrolliert

Dies ist im Wesentlichen eine Variante des ersten Szenarios – und unserer Ansicht nach das wahrscheinlichste. Tatsächlich scheint es sich bereits abzuzeichnen: Iran wirft Israel vor, mit neuen Angriffen gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben, und droht mit Vergeltungsschlägen (und bereitet diese vermutlich vor).

Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weitgehend ungestört weitergehen, könnte ein Muster anhaltender Spannungen und sporadischer Auseinandersetzungen zur neuen Normalität werden. Israel führt Angriffe durch (oder Iran behauptet, angegriffen worden zu sein); Iran reagiert, indem es die Straße für ein oder zwei Tage vorübergehend blockiert – und möglicherweise selbst einen Vergeltungsschlag ausführt.

Nach einigen Wochen oder Monaten verschwinden diese Nachrichten einfach aus dem Blickfeld – ein ständiges unterschwelliges Risiko bleibt bestehen. Die Region wird instabiler, aber der Rest der Welt zuckt weitgehend mit den Schultern – solange Öl und andere Ressourcen weiterhin aus dem Persischen Golf abfließen.

Übersetzt aus dem Englischen.

Sergei Poletajew ist Informationsanalyst und Publizist sowie Mitbegründer und Herausgeber des Vatfor-Projekts.






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