Hinter der allerbesten Rettungsaktion der Geschichte verbirgt sich eine krachende Niederlage
Von Dagmar Henn
Die Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump am Ostermontag wirkte wie eine einzige Werbeshow. Als befände er sich in Verhandlungen, um ein Skript an Hollywood zu verkaufen:
"Wir sind heute hier, um den Erfolg einer der größten, komplexesten, erschütterndsten bewaffneten Suchen, Sie würden es vermutlich einen Such- und Rettungseinsatz nennen, zu feiern, die je vom Militär versucht wurden."
Die Stunde der Superlative.
"Eine sehr historische Rettung, die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Niemand hat die Ausrüstung, die wir haben, und niemand hat das Militär, das wir haben, nicht einmal annähernd."
Und dann die Zahlen. Natürlich muss man einbeziehen, dass Trump gerne prahlt. Aber ein Teil davon ist belegt. "Die zweite Rettungsmission bezog 155 Fluggeräte ein, darunter vier Bomber, 64 Kampfflugzeuge, 48 Tankflugzeuge, 13 Rettungsflugzeuge und mehr." Zwei dieser Flugzeuge, und das ist, wo die Zweifel begannen, waren C-130. Deren Beteiligung nicht abgestritten werden kann, weil ihre Überreste auf iranischem Boden verstreut sind.
Trump spricht auch zweimal von "Hunderten von Leuten". Einmal in seiner Rede auf der Pressekonferenz, und dann noch einmal im Fragenteil. Er fragt General Caine, der ebenfalls vorgetragen hatte: "Wie viele Männer haben Sie insgesamt ungefähr in den Einsatz geschickt?", Caine antwortete: "Das würde ich lieber geheim halten", und Trump sagt daraufhin: "Aber ich werde es Ihnen sagen, die Zahl, ich halte sie geheim, aber es waren Hunderte."
Hunderte Soldaten, 155 Fluggeräte, um einen Waffenoffizier einer abgeschossenen F-15 herauszuholen? Das weckte bereits am Tag selbst die ersten Zweifel. Eine ganze Reihe von Punkten warf Fragen auf. Warum zwei C-130? Klar ist inzwischen, sie transportierten jeweils zwei kleine Hubschrauber, MH-6, genannt "Little Birds", also kleine Vögel, die von US-Spezialeinheiten genutzt werden. Nicht die einzigen Hubschrauber, die beteiligt waren: Es war auch die Rede von MH-60, "Jolly Green", einem großen Hubschrauber von Sikorsky, und zwei Black-Hawk-Hubschraubern, die andernorts abgeschossen wurden; aber die kleinen Vögel finden sich ebenfalls in Einzelteilen wieder, unter die Teile der C-130 gemischt.
Eine der Quellen, die die ganze Geschichte anzweifelten, war Anthony Aguilar, ehemaliger Oberstleutnant bei den Green Berets, der im Jahr 2025 bekannt machte, was die Gaza Humanitarian Foundation ist. Ein Offizier bei den Spezialeinheiten also, der die C-130 aus dem praktischen Einsatz kennt. Er schrieb:
"Die Rettungsaktion weitete sich zu der angestrebten Hochrisiko-Operation der Delta Force, des JSOC, der SOF und der ST-6 aus, bei der AUCH das Uran im Iran beschlagnahmt werden sollte; daher der Bedarf an so vielen Einsatzkräften, Unterstützung, Flugzeugen usw. Dies SOLLTE genau diese Mission sein. Sie schlug fehl."
Die Geschichte, die C-130 seien irgendwie "stecken geblieben" und aus diesem Grund dann gesprengt worden, um eine Übernahme durch die Iraner zu verhindern, glaubt er nicht:
"Ich habe gesehen, wie die MC-130Js durch Dreck, Schlamm, Schnee, Kies etc. pflügen. Ich bezweifle, dass sie stecken geblieben sind. Es ist wahrscheinlicher, dass die Flugzeuge bei der Landung Treffer erhielten, und vermutlich auch Treffer und Schäden, als sie auf dem Boden waren, auf dem hastig errichteten FARP [vorgeschobener provisorischer Stützpunkt zum Beispiel zur Wiederauftankung von Hubschraubern] auf dem alten Flugplatz in Isfahan, "praktischerweise" nahe dem Ort, an dem das Uran vermutlich gelagert wird."
Aguilar ist bei weitem nicht der Einzige mit entsprechender Erfahrung, der diese Verbindung zieht. Simplicius the Thinker, ein weiterer Militärblogger, befasste sich ebenfalls ausführlich mit dem Vorfall. Er überlegt, welche Aufgabe die abgeschossene F-15 im Zusammenhang mit einem derartigen Einsatz gehabt haben könnte, sofern sie tatsächlich dort geflogen ist, wo sie angeblich abgestürzt sein soll, nämlich in relativer Nähe zu den iranischen Atomanlagen in der Provinz Isfahan. Dabei könnte es um Ablenkung gegangen sein, meinte er. Allerdings geht er eher davon aus, dass der Absturzort in der Nähe der iranischen Küste lag, etwa 200 Kilometer vom Landeplatz der C-130 entfernt. Dann wäre die ganze Geschichte des Rettungseinsatzes aufgeblasen worden, um das Scheitern dieses ganz anderen, weit größeren Einsatzes zu verbergen.
Tatsächlich waren wohl eine ganze Reihe von Spezialeinheiten beteiligt, aus der Air Force, aber auch Seal Team 6 der US-Navy. Der Grund, warum der ehemalige CIA-Mitarbeiter Larry Johnson schon am Sonntagabend sagte:
"Das war nicht nur der Auftritt des Clowns im Zirkus. Das war der ganze verdammte Zirkus. Es gab die Elefanten und die Löwen und die Tiger und die Akrobaten und die Clowns. Die Geschichte, mit der wir gefüttert werden, ist also nicht die Wahrheit."
Simplicius erklärt auch den eigenartigen Ausbruch von Trump, in dem er ankündigt, die Iraner würden "in der Hölle leben", mit dem Scheitern genau dieses Einsatzes.
Ein weiterer Punkt, der neben den C-130, oder eben, genauer, den MC-130J, viele von Anfang an stutzig machte, war Trumps Erwähnung, es handele sich beim zu rettenden Waffenoffizier um einen Oberst. "Dieser Waffenoffizier", schreibt Johnson auf seinem Blog, "ist ein Oberst, der der stellvertretende Geschwaderkommandeur des US-Luftwaffenstützpunkts Muwaffaq Salti in Jordanien ist". Ein Offizier, der eigentlich überwiegend im Stab tätig ist und kaum als Waffenoffizier mal eben bei einem wesentlich rangniedrigeren Piloten mitfliegt – außer er ist eben als Kommandeur einer größeren Einheit dabei, und nicht, um vom Flugzeug ein paar Raketen abzufeuern. Was natürlich ebenfalls erklärt, warum nach dem Mann so sehr gesucht wurde.
Der iranische Sender Press TV, der immer wieder neue Videos von den Wracks der C-130 und dem dort gefundenen Material zeigt, veröffentlichte nun, dass die Entscheidung für den Einsatz, bei dem das nukleare Material geholt werden sollte, bei einem geheimen Treffen im Weißen Haus unter direkter Leitung des US-Präsidenten gefallen sei. Auch die iranischen Stellen sind überzeugt, dass es sich eigentlich um einen Einsatz handelte, der sich gegen die Atomanlagen in Isfahan richtete.
Ein interessantes Fundstück ist in diesem Zusammenhang der Ausweis einer wohl an diesem Einsatz beteiligten Frau.
???????????????????????? ID card retrieved at the C-130 "Hercules" wreckage site belongs to Major Amanda M. Ryder of the USAF https://t.co/pgYRtkth9j pic.twitter.com/SwRjMnvyy1
— Lord Bebo (@MyLordBebo) April 6, 2026
Auffällig ist dabei, dass es diesen Ausweis überhaupt gibt. Völlig unklar bleibt, ob er echt oder falsch ist – aber dass überhaupt irgendjemand mit irgendeiner Art von Ausweis auf diesem Einsatz war, wirft die Frage auf, inwieweit eine Infiltration in feindliches Gebiet vorgesehen war. Auch wenn inzwischen bei Terroranschlägen im Westen eigenartigerweise gerne Ausweise hinterlassen werden, ist das bei Spezialeinheiten eher unüblich.
Natürlich kann dieser Ausweis auch eine iranische Fälschung sein. Die Spekulationen über Amanda M. Ryder jedenfalls sind reichlich.
Ja, und dann gibt es noch einen Beitrag von Brian Berletic, noch einem der unabhängigen US-Militäranalytiker, der an eine Übung von US-Spezialeinheiten erinnert, die bereits im Jahr 2023 in Wyoming stattgefunden hatte, und deren Kern eine Landung mit C-130 war, aus denen dann MH-6-Hubschrauber entladen wurden, um tief in feindlichem Hinterland zu operieren. Berletics Fazit:
"Es ist vermutlich kein Zufall, dass das US-Militär in einer Gegend, die der in Iran ähnelt, für Einsätze übte, von denen es schon 2023 wusste, dass es sie in Iran durchführen würde. [...] Bei diesem Krieg geht es nicht darum, dass 'Israel die USA in einen Krieg gelockt' hat, sondern darum, dass die USA einen Krieg führen, für den sie sich jahrzehntelang vorbereitet haben, gleich, wer der Präsident ist und welche Rhetorik er vor den Wahlen eingesetzt hat."
"Die Amerikaner", so Press TV, hätten sich verrechnet "und geglaubt, dass die Luftabwehr Irans außerstande sei, gegen die Flugzeuge bei dem Einsatz vorzugehen. (...) Tatsächlich tappten die US-amerikanischen Spezialeinheiten direkt in eine Falle, die von den iranischen Truppen für sie vorbereitet worden war."
Die zweite C-130 sei bereits bei der Landung angegriffen worden. Nachdem die gelandeten Truppen sofort zum Ziel wurden, habe man im Weißen Haus beschlossen, den Versuch eines Angriffs auf die Atomanlagen abzubrechen und sich auf die Rettungsoperation zu beschränken. Nach der Evakuierung der eigentlich als Vorauskommando geplanten Soldaten aus den C-130 hätten amerikanische Kampfflieger einen Perimeter von fünf Kilometern um die Flugzeuge gesichert und die Flugzeuge selbst bombardiert. Die Pressekonferenz am Montag habe Trump daraufhin angesetzt, um das Scheitern dieses Kommandos zu verdecken.
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