Aeroflot übernimmt deutschen Anteil an Aeromar
Aeromar: Details zur Transaktion
Bereits auf dem Ost-Wirtschaftsforum 2025 hatte Aeroflot die Konsolidierung angekündigt – nun wurde das letzte Hindernis aus dem Weg geräumt.
Demnach darf die russische Fluggesellschaft 4900 Stammaktien von Aeromar erwerben, die der deutschen Firma Truffle 2 GmbH gehören. Diese Gesellschaft ist mit Lufthansa verbunden. Nach dem Kauf der 49 Prozent von Aeromar hält Aeroflot dann alle Anteile am Bordverpfleger.
Aeromar beliefert russische und ausländische Airlines, die von den Flughäfen Scheremetjewo, Pulkowo und Sotschi starten. Das Unternehmen hält rund 25 Prozent des russischen Marktes für Bordverpflegung. 2024 steigerte Aeromar seinen Umsatz um 36,6 Prozent auf 19,36 Milliarden Rubel (rund 205 Millionen Euro), verzeichnete jedoch einen Nettoverlust von 511,29 Millionen Rubel (etwa 5,5 Millionen Euro). Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 63 Millionen Rubel (rund 670 000 Euro) erwirtschaftet.
Aeromar bezeichnet sich als Russlands größten Anbieter von Flugzeugverpflegung. Die Firmengeschichte begann 1989: Als AG Aeromar entstand das zweite sowjetisch-amerikanische Joint Venture auf dem Gebiet der UdSSR – nach McDonald’s. Gründer waren auf sowjetischer Seite Aeroflot, auf US-amerikanischer Seite Marriott Inflight Services, eine Tochter der Marriott-Hotelkette. Den Namen bildete das Unternehmen aus den Anfangssilben der beiden Muttergesellschaften. Lufthansa trat 1996 über LSG (Lufthansa Service Holding) Sky Chefs in den Kreis der Gesellschafter der AO Aeromar ein und löste damit Marriott Inflight Services ab.
Beginn des Rückzugs
Jahrzehntelang lief die Partnerschaft reibungslos, doch die geopolitischen Veränderungen nach 2022 stellten sie auf die Probe. Bereits im September 2022 hatte die deutsche Sendung ZDF im Rahmen ihrer Investigativreihe ‚frontal‘ aufgedeckt, dass Lufthansa trotz der gegen Russland verhängten Sanktionen indirekt auf dem russischen Markt präsent blieb: Über LSG hielt der Konzern 49 Prozent der Anteile an Aeromar.
Besonders brisant war die Tatsache, dass Aeromar bereits 2014 eine Produktionsstätte auf der Krim eröffnet hatte. Nach Ansicht deutscher Experten könnte dies gegen die EU-Verordnung Nr. 825/2014 verstoßen haben, die europäischen Unternehmen die Beteiligung am Ausbau der Verkehrsinfrastruktur auf der Halbinsel untersagt.
Der Konzern wies die Vorwürfe der Sanktionsverletzung damals zurück und betonte, er sei lediglich Minderheitsaktionär und habe nicht an der Entscheidung zur Eröffnung der Küche in Simferopol mitgewirkt. Dennoch kündigte die Unternehmensführung nach Veröffentlichung der Ermittlungen an, sich vollständig aus dem Joint Venture zurückziehen zu wollen.
Dies ist nicht die erste Transaktion zwischen Aeroflot und Lufthansa. Zuvor hatte der russische Konzern dem deutschen Unternehmen bereits 56,4 Millionen Rubel für dessen Anteil am Bordverpfleger Aeromil in Krasnojarsk gezahlt. Damit endet eine fast 37-jährige Geschichte der deutsch-russischen Zusammenarbeit im Bereich der Bordverpflegung.
Goscha Haimow
Запись Aeroflot übernimmt deutschen Anteil an Aeromar впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
