Das ehemalige Militärgefängnis "Sednaya" ist ein Zeugnis der Folter und der Menschenrechtsverletzungen unter dem Assad-Regime. Doch wie steht es heute um Syrien? Tausende politische Gefangene wurden hier festgehalten, gefoltert und ermordet: Sednaya, im Norden von Damaskus , diente von 1987 bis 2024 als größtes Militärgefängnis in Syrien . Während des syrischen Bürgerkriegs wurden dort laut Amnesty International allein zwischen 2011 und 2015 bis zu 13.000 Menschen hingerichtet. Besuch bei Merz : Syriens Übergangspräsident al-Scharaa kommt nach Berlin Newsblog zum Krieg in Nahost : Alle Entwicklungen im Überblick Seit dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024, angeführt durch die Islamistengruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS), untersucht die Nichtregierungsorganisation "Prisons Museum" den dreiflügeligen Bau und seine grausame Vergangenheit. Die neue Sonderausstellung "Sednaya: Die Architektur von Repression und Tod in Syrien" in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen gibt Einblicke in die Arbeit von "Prisons Museum". "Sednaya ist ein Symbol der Folter unter Assad" Anhand von Videodokumenten, Berichten von Überlebenden aus Sednaya und persönlichen Gegenständen legt die Ausstellung die Mechanismen eines autoritären Regimes offen, das über Jahrzehnte hinweg systematisch Menschenrechte verletzte. Dieses "menschliche Schlachthaus", wie der ehemalige Gefängniskomplex bezeichnet wird, sei jedoch nur ein Symbol für das komplexe System der Folter unter dem Assad-Regime, sagt der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Helge Heidemeyer. Und dieses System habe tief in die gesellschaftlichen Strukturen hineingewirkt. Auch der syrische Journalist und Menschenrechtsaktivist Amer Matar, der "Prisons Museum" in Berlin als Direktor leitet, betont: "Es gibt kaum eine Familie in Syrien, die nicht mit den Gefängnissen in Syrien verbunden ist." Auch wenn inzwischen Tausende entlassen worden seien, wüssten die Angehörigen von Hunderttausenden Häftlingen noch immer nichts über deren Verbleib. "Prisons Museum" hat bisher mehr als 70 Gefängnisse in Syrien untersucht und dokumentiert. Viele werden jedoch von der derzeitigen islamistischen Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Scharaa wieder als Gefängnisse genutzt, sagt Matar. Menschenrechtsverletzungen in Syrien halten an Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Misshandlungen und erniedrigende Behandlungen sind auch im "neuen Syrien" ein großes Problem, wie die deutsch-syrische Initiative "Adopt a revolution" berichtet. In Dutzenden Fällen habe es willkürliche Festnahmen ohne jede Anklage gegeben. Brutale Gewalt und Demütigungen gegen Inhaftierte seien noch immer weitverbreitet. Betroffen seien nicht nur mutmaßliche Anhänger des Assad-Regimes, sondern auch Rückkehrende, Minderheiten und politische Aktivistinnen und Aktivisten. Der syrischstämmige Journalist und Politologe Omar Alassad, der Teil von "Prisons Museum" ist, sagte t-online: "Viele syrische Aktivisten sind verschwunden und wir wissen nicht, wo sie sind." Die syrische Übergangsregierung habe außerdem unzählige Alawiten – zu denen auch die Assad-Familie gehört – ohne Anklage festgenommen. Sie gelten in den Augen vieler als Unterstützer des gestürzten Regimes. Die "Gesellschaft für bedrohte Völker" schätzt, dass seit dem Sturz des Machthabers bis zu 60.000 Alawiten getötet, verletzt oder vertrieben wurden. Verunsicherung und Solidarität Randa Baas, die Witwe des ehemaligen Häftlings Ahed Sheikh Hassan, der sieben Jahre im Militärgefängnis Sednaya verbracht hatte, sagte t-online: "Die Massaker gegen die Alawiten im März 2025 und gegen die Drusen im Juli 2025 haben ein Gefühl der Unsicherheit in der syrischen Bevölkerung ausgelöst." Dennoch beobachtet die 68-jährige Übersetzerin und Dolmetscherin, die bis 2021 in Damaskus lebte, eine starke Solidarität in der Zivilgesellschaft: "Die Menschen in Syrien tun ihr Bestes, um ihre persönliche Freiheit wiederzugewinnen und als Gesellschaft wieder stark zu werden." Journalist Omar Alasaad blickt jedoch besorgt auf die Armut, die in Syrien herrscht. "90 Prozent der Menschen in Syrien leben in Armut", sagt er. Dem Deutschen Roten Kreuz zufolge sind zwei Drittel der syrischen Bevölkerung von extremer Armut betroffen. "Das erlebe ich sehr deutlich, wenn ich mit Familie oder Freunden spreche, die noch in Syrien leben," sagt Alassad. Drei syrische Medienplattformen verboten Sorge bereitet ihm auch das jüngste Verbot dreier syrischer Medienplattformen. Laut der syrischen Nachrichtenplattform "The Syrian Observer" hatte das Informationsministerium in Damaskus am Mittwoch den Plattformen "Hashtag", "Al-Daleel" und "Jusor News" die weitere Arbeit untersagt. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" stand Syrien auch nach dem Sturz Assads noch fast an letzter Stelle, auf Platz 177 von 180 untersuchten Ländern. Auch blickten viele Syrerinnen und Syrer kritisch auf das islamistische Regime. "In Damaskus ist es neuerdings wieder verboten, Alkohol zu verkaufen", sagt Alasaad. Außerdem habe der Gouverneur der Hafenstadt Latakia weiblichen Angestellten verboten, Make-up oder andere Kosmetikprodukte während der Arbeitszeit zu verwenden. "Viele Syrerinnen und Syrer wollen nicht länger unter einem so radikalen und konservativen Regime leben", sagt er.