Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann. Seitdem hat sich auch der Blick auf dessen Karriere und die fragwürdigen Kunstfiguren verändert, mit denen er Erfolg hatte. Eigentlich war er der Lustige. Der etwas trottelige, aber total witzige Schauspieler Christian Ulmen . Ein unangepasster Liebling der deutschen Comedybranche: schräg, mutig, unberechenbar. Mit Grenzüberschreitungen hat Ulmen sich über Jahre hinweg eine Nische geschaffen. Heute wirft genau das viele Fragen auf. Denn seine Ex-Frau Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihn. 2025 zeigte sie ihn in Spanien wegen Anmaßung des Personenstands, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Körperverletzung im familiären Näheverhältnis und schwerer Bedrohung an. Ulmen soll unter anderem Fake-Profile von ihr erstellt und in ihrem Namen gefälschtes pornografisches Material verschickt haben , an Männer aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld. Es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung. Untergetaucht: Was über Christian Ulmens Verbleib bekannt ist Mit diesem Wissen verändert sich der Blick auf Ulmens Karriere. Der berufliche Erfolg des heute 50-Jährigen begann mit Formaten, die bewusst provozierten. Ob bei MTV oder später in eigenen Produktionen – stets ging es darum, Erwartungen bewusst zu konterkarieren. Dabei entwickelte Ulmen früh Kunstfiguren, die sich aus Fremdscham, Ironie und kalkulierter Grenzverletzung speisten. Das galt als innovativ. Schon vor 20 Jahren grenzüberschreitendes Verhalten In der Realityshow "Mein neuer Freund" von 2005 schlüpfte Ulmen in unterschiedliche Rollen sehr unangenehmer Personen. Die Kandidatinnen mussten die von Ulmen entwickelten Kunstfiguren Freunden und Familie vorstellen und sie überzeugen, dass dieser Mensch wirklich ihr neuer Partner ist. Nur dann bekamen sie ein Preisgeld von 10.000 Euro. "Ich kann nicht mehr": Collien Fernandes erhebt weitere Vorwürfe gegen Christian Ulmen In diesem Rahmen erschuf Ulmen etwa den Surfer Ecke, der der neue Freund von Kandidatin Sabine sein sollte. In einer Folge der Show verfasste er eine SMS, in der es um sexuelle Fantasien und Wünsche ging. Diese Nachricht wollte Ecke zunächst in Sabines Namen an eine Gruppe von Kollegen aus dem Büro schicken, sendete sie dann nach ihrem Protest aber "nur" an eine Gruppe von Freunden. In einer weiteren Folge schlüpfte Ulmen in die Rolle der Kunstfigur Alexander. Beim Treffen mit den Freunden von Kandidatin Franziska sorgte Alexander für einen sehr unangenehmen Moment: Er sagte einer Freundin von Franziska, dass er gern einmal mit ihr schlafen würde. Es sind Szenen, die gewisse Ähnlichkeiten zu den Vorwürfen von Collien Fernandes aufweisen. Ließ Ulmen schon damals seinen Fantasien freien Lauf, im Scheinwerferlicht unter dem Schutz einer Kunstfigur? Schon viel früher, im Teenageralter, machte Ulmen die Erfahrung, dass es ihm offenbar gut gelingt, sich als eine andere Person auszugeben. 2018 erzählte er in dem Podcast "Frisch an die Arbeit": "Ich habe mein erstes Geld mit Telefonsex verdient." Als es noch keine Online-Dating-Plattformen gegeben hatte, habe sich viel über das Telefon abgespielt. Als Frau ausgegeben: Christian Ulmen verdiente einst Geld mit Telefonsex Es sei "wahnsinnig einfach" gewesen, in die Rolle der Frau zu schlüpfen und mit Männern Telefonsex zu haben. Er habe das lustig gefunden. Er habe auch seine Freunde dazu animiert und gesagt: "Lass uns da doch anrufen, einfach mit verstellten Stimmen, einfach Frauen spielen und mit Männern flirten, einfach aus Spaß." Das habe dann wirklich funktioniert. "Irgendwann haben wir den Männern dann Telefonsex angeboten, aber gegen Geld. Dann haben wir für 30 Mark pro Gespräch Telefonsex mit Männern gemacht." Ulmens Äußerungen zu einem scheinbar harmlosen Nebenjob als Jugendlicher weisen Parallelen zu den Vorwürfen von Collien Fernandes auf. Sie schreibt in einem Instagram-Posting zu dem Thema Identitätsdiebstahl: "Die Person telefonierte mit den Männern (mit KI generierter Stimme von mir). Irgendwann ging es über in Telefonsex." Partnertausch als zentrales Thema in mehreren Formaten In der beruflichen Vita von Christian Ulmen finden sich viele Beispiele, die seit Fernandes Vorwürfen mindestens Fragen aufwerfen. 2013 lief zudem zum ersten Mal eine Folge von "Who wants to f**k my Girlfriend?". Ulmen moderierte das Format in der Rolle der Kunstfigur Uwe Wöllner, die er zuvor im Rahmen von "Mein neuer Freund" entwickelt hatte. Bei der Show boten Kandidaten ihre Partnerinnen anderen, fremden Männern an. Ziel war es, das sexuelle Interesse dieser Männer an der eigenen Freundin zu wecken. Auch die Serie "Jerks" enthält etliche Szenen, die angesichts der Vorwürfe schlecht gealtert sind. So sprechen Fahri Yardim und Christian Ulmen, die sich in dem Format selbst spielen, oft in despektierlicher Art und Weise über Partnertausch und Frauen im Allgemeinen. In einer Szene erörtern sie, wie es wäre, wenn sie jeweils die Partnerin des anderen nackt sehen könnten. Schwere Vorwürfe gegen Schauspieler: ProSieben löscht "Jerks" mit Christian Ulmen Collien Fernandes schreibt in ihrem Instagram-Beitrag, es ginge um Besitzansprüche eines Ehemannes an seiner Frau und dem Verlangen, über die Partnerin verfügen zu können. Außerdem schreibt sie von einer Lust durch Degradierung. In seinen Serien und Reality-Formaten fällt Ulmen mit Improvisationen auf, die sich häufig mit diesen Themen beschäftigen. Nicht selten degradiert er dabei in seinen Rollen Frauen, macht sie zum Sexobjekt. All dies geschieht im Schutz einer Kunstfigur, unter dem Deckmantel Comedy. Grenzüberschreitungen dienen dabei als Stilmittel. Ulmen bekam dafür viel Zuspruch, galt als Ausnahmetalent und Kultstar.