Bayern fegt weiter durch die Liga und steht vor großen Duellen mit Real Madrid. Die Länderspielpause unterbricht ihren Rhythmus nun aber und weckt schlimme Erinnerungen. Aus München berichtet Julian Buhl Nachdem der FC Bayern auch Union Berlin souverän mit 4:0 abgefertigt hatte, drehte die Mannschaft noch eine letzte Ehrenrunde durch die Münchner Allianz Arena. Anschließend verschwanden die Stars des deutschen Rekordmeisters in den Katakomben. Als Bayerns Sportdirektor Christoph Freund dort in der Interviewzone angekommen war, sagte er: "Es war eine sehr konzentrierte Leistung. Man hat gesehen, dass die Jungs gerade Spaß am Fußball haben." Und weiter: "Es ist ganz, ganz wichtig, dass wir mit diesem Gefühl jetzt in die Länderspielpause gehen." In diese verabschieden sich die Spieler des FC Bayern nun jedenfalls mit einem weiteren Erfolgserlebnis. "Wir wollten diese Phase unbedingt positiv abschließen. Und dann geht's ja eh richtig los im April", sagte Freund. Im nächsten Monat warten schließlich unter anderem die Viertelfinalduelle in der Champions League mit Real Madrid sowie das Halbfinale des DFB-Pokals bei Bayer Leverkusen auf die Bayern. Freund ist einer der wenigen Verantwortlichen des Rekordmeisters, die nicht gleichzeitig auch mit einem mulmigen Gefühl auf das anstehende Nationalmannschaftsfenster blicken. "Wir wären schlecht beraten, da jetzt Angst zu haben. Wir gehen davon aus und sind positiv, dass alle gut und fit zurückkommen. Und dann geht's weiter", sagte Freund. "Das war genau der Casus Knacksus bei uns letzte Saison" An gleicher Stelle hatte Bayerns Sportvorstand Max Eberl erst am Mittwochabend nach dem 4:1-Erfolg gegen Atalanta Bergamo noch seine Bedenken mit Blick auf die Pause formuliert. Auf die Frage, wie gut die Mannschaft auf die entscheidenden Wochen und das Kräftemessen mit den "Königlichen" aus Madrid jetzt in Form ist, antwortete Eberl: "Da müsste ich ja die März-Länderspielpause noch abwarten, weil das war genau der Casus Knacksus bei uns letzte Saison, wo wir dann eben leider die Verletzten hatten, wo sich Upa (Dayot Upamecano, Anm. d. Red.) verletzt hat, wo sich Davies verletzt hat." Alphonso Davies kam damals mit einem Kreuzbandriss von der kanadischen Nationalmannschaft zurück nach München. Dayot Upamecano erlitt bei einem Einsatz für die französische Nationalelf einen Knorpelschaden im Knie und musste operiert werden. Diese Ausfälle waren damals entscheidend dafür verantwortlich, dass Bayern im Viertelfinale gegen Inter Mailand ausschied. Beim 1:2 im Hinspiel patzte Upamecanos Vertreter Min-jae Kim bei beiden Gegentoren. Und im Rückspiel kamen die Münchner in Italien dann nicht mehr über ein 2:2 hinaus. Auch der frühere Münchner Kingsley Coman war damals angeschlagen von der französischen Nationalelf zurückgekehrt. Er konnte lediglich im Rückspiel als Einwechselspieler wieder eingesetzt werden. Kapitän Manuel Neuer (Muskelfaserriss), Jamal Musiala (Muskelbündelriss) und Hiroki Itō (Mittelfußbruch) fielen damals ebenfalls verletzt aus. Wie ein Damoklesschwert "Das hat uns damals sehr, sehr, sehr weh getan", erinnerte sich Eberl. "Jetzt hoffen wir, dass die Jungs gesund zurückkommen, wenn sie zur Nationalelf gehen. Und wenn wir dann die Jungs da haben, dann habe ich ein richtig gutes Gefühl, um in diese wirklich fantastischen Wochen zu gehen." Gleichzeitig schwebt die Länderspielpause aber drohend wie ein Damoklesschwert über den Münchnern. Auf Eberls warnende Worte angesprochen, sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen zu t-online: "Max hat total recht. Weil wenn man so wie wir jetzt im Flow ist, wenn man auch in dieser Taktung ist, auch mit drei Spielen in der Woche, dann kann es ruhig so weitergehen. Das ist jetzt leider nicht der Fall." Und weiter: "Wir hoffen natürlich erst einmal, dass alle gesund aus dieser Länderspielpause auch wieder zurückkehren. Und wir müssen dann den Rhythmus wiederfinden." Es war nicht zu überhören: Wenn die Bayern es sich hätten aussuchen können, hätten sie die Länderspielpause wohl am liebsten übersprungen und direkt mit den Champions-League-Duellen mit Madrid weitergemacht. Droht den Bayern ein bitteres Déjà-vu? Auch Trainer Vincent Kompany äußerte sich zur Problematik, die die März-Länderspielpause vor einem Jahr mit sich brachte. "Ich verstehe natürlich das Gefühl von Max und Jan. Letztes Jahr haben Christoph, Max und ich uns ein High-Five gegeben, weil alle vor Beginn der Länderspielpause fit waren", sagte der Belgier schon vor der Partie gegen Union. "Wir dachten: 'Jetzt dürfen wir eine Woche Pause machen und dann geht es richtig los.' Und danach waren auf einmal vier Spieler verletzt." Droht den Bayern jetzt also ein bitteres Déjà-vu? Kompany betonte zumindest einen aus seiner Sicht entscheidenden Unterschied: "Damals waren es Pflichtspiele, jetzt sind es meistens Freundschaftsspiele." Da sei damals "noch mehr Druck auf dem Kessel" gewesen, betonte auch Freund, der sich der Argumentation seines Trainers anschloss und erklärte: "Also wir hoffen natürlich, dass alle gesund zurückkommen, dass die Spieler auch von der Belastung nicht zu viel bekommen." Genau darauf setzt auch Kompany. Viele Nationaltrainer hätten schon entschieden, "dass die Spieler wahrscheinlich keine zwei Spiele machen", verriet der 39-Jährige. Das dürfte auch eines der Ergebnisse seines Austauschs mit Bundestrainer Julian Nagelsmann gewesen sein. Sorge um Pavlović Aleksandar Pavlović, der aufgrund von Hüftproblemen gegen Union kurzfristig nicht eingesetzt werden konnte, wird möglicherweise gar nicht erst zur deutschen Nationalelf reisen. "Wir werden das besprechen", kündigte Freund an. Der 22-Jährige habe "sehr viel gespielt in letzter Zeit und heute über Beschwerden geklagt", berichtete der Sportdirektor weiter: "Es wäre für alle Beteiligten schlecht, wenn er etwas Schlimmeres davonträgt. Wir müssen vorsichtig sein." Auch auf Jamal Musiala hatte der Bundestrainer bereits für den anstehenden DFB-Lehrgang verzichtet. Der Offensivspieler hatte eine Schmerzreaktion an seinem nach einem Wadenbeinbruch operierten linken Sprunggelenk verspürt uns soll nun in München bleiben und dort behutsam aufgebaut werden. Musiala werde aber genauso wie Davies und Neuer, die beide zuletzt wegen Muskelfaserrissen nicht im Kader standen, wieder unmittelbar nach der Länderspielphase bei Bayern zurückerwartet, betonte Freund. Alle drei sind vor allem mit Blick auf die Duelle mit Real Madrid am 7. und 14. April fest eingeplant. Bei dem angeschlagenen Quartett könnte die Länderspielpause den Bayern nun sogar in die Karten spielen, um dafür wichtige Zeit zu gewinnen. Nach der extrem unglücklich verlaufenen März-Pause im vergangenen Jahr könnte die aktuelle also sogar zu einer Art Trumpf für die Bayern werden.