Die AfD könnte ihr Ergebnis bei der Landtagswahl Rheinland-Pfalz deutlich steigern. Doch Spitzenkandidat Jan Bollinger steht gleichzeitig wegen parteiinterner Vorwürfe und Vetternwirtschaft-Debatten unter Druck. Am Tag vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz (RLP) wird Jan Bollinger 49 Jahre alt. Am Wochenende des 22. März will er aber nicht nur Geburtstag, sondern sich auch für das Ergebnis seiner Partei bei der RLP-Wahl 2026 feiern lassen. Momentan sieht es für ihn nicht schlecht aus – laut der aktuellen Umfragen zur Rheinland-Pfalz könnten sich die Stimmenanteile der AfD mehr als verdoppeln. Der 48-Jährige ist liiert, gibt sonst wenig über sein Privatleben in der Öffentlichkeit preis. Dem SWR sagte er, in seiner Freizeit wandere oder verreise er gerne oder mache Kraftsport im heimischen Fitnessstudio. Spitzenkandidat der AfD: Werdegang und politische Karriere Jan Bollinger wurde 1977 in Koblenz geboren und besuchte das Rhein-Wied-Gymnasium in Neuwied im nördlichen Rheinland-Pfalz. Nach seinem Abitur absolvierte er den Wehrdienst und studierte dann an den Universitäten in Greifswald , Bonn und Koblenz BWL und VWL, was er 2005 mit dem Diplom abschloss. SPD-Kandidat für die Rheinland-Pfalz-Wahl: Alexander Schweitzer will wieder ins Amt Auch Gordon Schnieder tritt an: CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz Anschließend arbeitete er bis 2006 als Unternehmensberater, kehrte aber schon 2007 an die Universität zurück, diesmal als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Europäischen Akademie in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Gleichzeitig promovierte Bollinger und erreichte 2011 seinen Doktorgrad. Von 2012 bis 2016 arbeitete der Pfälzer als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe. Bollinger trat der AfD in ihrem Gründungsjahr 2013 bei und wurde im selben Jahr Vorsitzender des Kreisverbands seiner Heimat Neuwied. Sein Vorgänger habe nicht genug Zeit für das Amt gehabt und Bollinger empfohlen, sagte dieser dem SWR. "Ich habe das dann gerne übernommen, und dann ging alles sehr schnell", so Bollinger. 2014 wurde er Stadt- und Gemeinderat in Neuwied, Ersteres bis 2016, Letzteres bis 2019. Zudem war er von 2015 bis 2019 Beisitzer im Landesvorstand der AfD Rheinland-Pfalz. Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Das ist die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Eder Wichtiges zur RLP-Wahl: Alle Spitzenkandidaten der RLP-Wahl im Überblick RLP-Wahl 2016: Bollinger erstmals mit AfD im Landtag Im Mai 2016 wurde er bei der RLP-Wahl erstmals in den Landtag gewählt, in dem er bis heute sitzt. 2016 bis 2021 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, 2019 bis heute stellvertretender Landesvorsitzender. 2021 wurde Bollinger erster stellvertretender Fraktionsvorsitzender, 2023 dann Fraktionsvorsitzender der AfD-Landtagsfraktion, was er bis heute ist. Auch über Landesgrenzen hinaus gilt Bollinger in der AfD als gut vernetzt. Vor der Rheinland-Pfalz-Wahl: Konflikte in der Partei Bollingers Vorgänger ist der moderatere Michael Frisch, der schwere Vorwürfe gegen Teile seines Landesverbands und auch Bollinger erhoben hatte, bevor er die Partei verließ. "Nichts würde diese schräge Bollinger-Truppe regeln, wenn sie an die Regierung käme", sagte Frisch bei seiner letzten Rede im Mainzer Landtag im vergangenen Januar. Er bezeichnete die AfD um Bollinger als "drittklassige Stammtischpolitiker" und warf ihnen unter anderem mangelnde Sach- und Personalkompetenz sowie Vetternwirtschaft vor. Auf Frischs Rede angesprochen, erklärte Bollinger dem SWR: "Das sagt mehr über ihn aus als über uns." Der Skandal um die Vetternwirtschaft, der Teile der AfD im ganzen Land betrifft , ist auch in Rheinland-Pfalz stark präsent: Laut Recherchen des SWR hat ein pfälzischer EU-Abgeordneter die Ehefrau eines AfD-Bundestagsabgeordneten aus dem Bundesland beschäftigt. Darauf angesprochen, sagte Bollinger dem SWR, er sehe das nicht kritisch. Man schaue zuerst, wer sich bewerbe und ob die Person geeignet sei. "Und dann ist familiäre Verbindung kein Bonus. Aber es kann auch nicht sein, dass wir es angesichts der Tatsache, dass unsere Mitglieder ohnehin sehr stark unter Druck stehen, dann noch unseren eigenen Leuten schwerer machen." AfD-Ziele für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz Alleinstellungsmerkmal der AfD im Wahlkampf um die RLP-Wahl 2026 ist die Forderung nach einem Wiedereinstieg in die Kernkraft. Außerdem wirbt Bollinger aktiv für die Abschiebung von Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, die straffällig geworden sind. Ob die AfD, wie es sich Bollinger zum Ziel erklärt hat, bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2026 über 20 Prozent kommen wird, können die Wählerinnen und Wähler am Wahlsonntag, dem 22. März, entscheiden.