Der neue Machthaber des Iran soll sich in einer Moskauer Kinik befinden. Einen Bombenanschlag auf sein Leben überstand er wohl nur knapp. Offenbar half ihm der Zufall. Zuerst meldete sich Ali Laridschani zu Wort. Man werde den Krieg gegen die USA und Israel keineswegs beenden, sondern den "Weg des Widerstands gegen den großen und den kleinen Satan" gehen, sagte der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats am Montag. Auch der Außenminister des Iran , Abbas Araghtschi, ließ wenig später vor Reportern wissen, man sei "bereit, den Krieg, wohin er auch führen mag, fortzusetzen". Es ist auffällig, dass es Männer aus der zweiten Reihe des Mullah-Regimes sind, die derzeit in Teheran das Wort ergreifen. Dagegen gab es keinen öffentlichen Auftritt von Modschtaba Chamenei, dem eigentlichen Machthaber. Schon seit Wochen nicht mehr. Selbst die für gewöhnlich gut informierten amerikanischen Geheimdienste scheinen nicht genau zu wissen, was mit dem Sohn des einstigen Ajatollahs Ali Chamenei los ist. "Wer hat das Sagen?", fragte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Samstag bei einer Pressekonferenz. "Der Iran weiß es vielleicht selbst nicht", so Hegseth. Was die USA hingegen wüssten: Dass Irans neuer oberster Führer, Modschtaba Chamenei, "verwundet und wahrscheinlich entstellt" sei. Abgehörtes Telefonat vom Protokollchef des Ajatollah Wie die kuwaitische Zeitung "Al Jarida" am Sonntag berichtete, soll Chamenei mit einer russischen Militärmaschine am 12. März nach Moskau ausgeflogen worden sein, um dort seine Verletzungen in einer Klinik des Putin-Regimes behandeln zu lassen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Schurke aus dem Nahen Osten ins autoritär regierte Russland geflüchtet wäre. Dass Chamenei Jr. noch am Leben ist, gilt als wahrscheinlich. Wie eine Recherche des britischen "The Telegraph" nun zeigt, soll der 56-jährige Schiitenführer den Anschlag auf die iranische Führungsriege nur ganz knapp überlebt haben. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein abgehörtes Telefonat Mazaher Hosseinis, dem früheren Protokollchef von Irans obersten Führer, mit Kadern der iranischen Revolutionsgarden. Chamenei entschuldigt sich: "Muss etwas erledigen" In dem Gespräch ging es demnach auch um die tödlichen Attacken vom 28. Februar. Es war der zweite Tag der israelisch-amerikanischen Attacken auf den Iran: Die Raketen, die die Residenz des iranischen Machthabers trafen, töteten zahlreiche hochrangige Funktionäre, darunter auch Ober-Mullah Ajatollah Ali Chamenei, den Vater von Ali Chamenei Jr. Dessen Frau, sein Sohn und sein Schwager kamen bei dem Raketenangriff ebenfalls ums Leben. Auch Mohammad Shirazi, Chef der Leibgarde des Ajatollahs, wurde von den Sprengsätzen in Stücke gerissen, wie die Zeitung unter Berufung auf das Telefonat berichtet. Die Explosionen müssen so verheerend gewesen sein, dass die Ermittler später Mühe hatten, überhaupt noch menschliche Überreste zur Identifizierung der Leichen zu bergen. Nur Ali Chamenei Jr. überlebte. Warum, das soll das abgehörte Telefonat ebenfalls belegen. Demnach sei der Spross des Ajatollahs nur wenige Momente vor dem Einschlag der Raketen in Teheran aus dem Gebäude gegangen. Zum Zeitpunkt der Attacke hielt er sich im Garten auf. Was genau er dort wollte, ist nicht bekannt. Hosseini erwähnt in dem Telefonat mit den Revolutionsgarden lediglich, dass Chamenei sich nur kurz bei seiner Familie entschuldigt hätte, weil er "etwas erledigen" müsse. Dann sei er nach draußen gegangen. Das rettete ihm offenbar das Leben.