Leonard Prescott könnte der jüngste Torwart werden, der jemals für die Bayern in der Startelf steht. Ein möglicher Einsatz, der schon vor Anpfiff Fragen aufwirft. Mit Manuel Neuer , Jonas Urbig, Sven Ulreich und Leon Klanac sind momentan gleich vier Torhüter des FC Bayern verletzt. Der nächste Torwart der Rangordnung ist der erst 16 Jahre alte Leonard Prescott. Während bei Neuer, Ulreich und Klanac der Ausfall für das Champions-League-Spiel gegen Atalanta Bergamo am Mittwoch (21 Uhr im t-online-Liveticker) feststeht, könnte Urbig nach seiner Gehirnerschütterung noch zurückkehren. Falls die Zeit aber nicht reicht, würde wohl Prescott im Tor stehen. Er könnte der jüngste Torwart der Champions League-Historie werden. Doch verhindert ein deutsches Gesetz seinen Einsatz? FC Bayern: DFB weist Einspruch ab Top-Talent Prescott: Eigentlich Realschule – jetzt im Bayern-Tor? Da das Champions-League-Rückspiel zwischen dem FC Bayern und Atalanta Bergamo in München stattfindet, fällt diese Partie unter deutsches Recht und dort gibt es klare Regeln für die Arbeit von Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren. So dürfen sie laut Paragraf 14 des Jugendschutzgesetzes nur in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr abends beschäftigt werden. Mit einer Änderung 2021 wurde diese Regelung etwas aufgeweicht. In bestimmten Bereichen ist seitdem eine Beschäftigung bis 23 Uhr erlaubt. Dies gilt auch für den Sport. Somit könnte dem FC Bayern eine hohe Strafe von bis zu 30 000 Euro drohen, sollte Prescott auch nach 23 Uhr noch zwischen den Pfosten der Bayern stehen. Nach Beendigung der Tätigkeit muss eine verpflichtende Pause von mindestens 14 Stunden ohne Arbeit eingelegt werden, eine zu kurze Pause würde auch gegen geltendes Recht verstoßen. Julian Draxler und Lamine Yamal als Präzedenzfälle? 2011 erregte Julian Draxler im DFB-Pokalspiel von Schalke 04 gegen 1. FC Nürnberg großes Aufsehen. Der 17-Jährige traf in der Verlängerung zum 3:2 für Schalke und sorgte für eine Diskussion um den Paragraf 14, der den Profisport zu diesem Zeitpunkt noch nicht offiziell inkludierte. Doch auch nach der Anpassung des Paragrafen 2021 gab es weiterhin Diskussionen. Bei der Fußball-EM 2024 kam dieses Thema ein weiteres Mal auf. Hier war der damals erst 16-jährige Lamine Yamal , Ausnahmetalent der spanischen Nationalmannschaft, im Fokus der Diskussion. Dieser stand mit seinen Auftritten bei der EM einige Male an der Grenze der Legalität. Ein Nachspiel für den spanischen Fußballverband hatte das aber bis heute noch nicht. Ob ein Einsatz von Prescott für den FC Bayern Konsequenzen haben wird, liegt wohl im Ermessen der zuständigen Behörde. Alexander Z. Bergweiler, Rechtsanwalt und Experte für Arbeitsrecht , geht im Gespräch mit t-online nicht davon aus, dass die Bayern mit Prescott das Risiko eingehen, ihn im Fall der Fälle länger als 23 Uhr auf dem Platz stehenzulassen: "Der Kollateralschaden ist einfach zu groß", so Bergweiler. "Die Gefahr ist zu groß" Die Bayern müssten wohl nicht nur eine Geldstrafe fürchten, sondern hätten bei einem möglichen vorsätzlichen Verstoß sogar noch härtere Konsequenzen zu erwarten. "Die Gefahr, dass die Ordnungsbehörde sagt: Ihr (der FC Bayern) wusstet genau, was ihr tut, ihr habt ihn länger spielen lassen, ist zu groß", ist Bergweiler überzeugt. "Es möchte ja keiner wegen einer vorsätzlichen Straftat verurteilt werden." Ein möglicher Sonderantrag, durch den Prescott länger spielen könnte, sei im deutschen Gesetz nicht vorgesehen. Im Normalfall ist die Partie bis 23 Uhr beendet. Sollte es jedoch zu Verzögerungen im Spielablauf oder zu besonders langer Nachspielzeit kommen, könnte das Königsklassen-Duell auch die 23-Uhr-Marke überschreiten und die Münchner könnten in die Bredouille kommen. Auf eine Anfrage von t-online bei der Regierung Oberbayern über einen möglichen Austausch mit dem FC Bayern gab es bisher keine Reaktion. Auch der FC Bayern selbst wird sich wohl erst auf der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag zum Thema äußern.