Das Green Book: Überlebenshilfe für Schwarze auf US-Straßen
- warum afroamerikanische Familien auf Reisen ein spezielles Handbuch brauchen,
- wie Postboten in den USA ein landesweites Netzwerk sicherer Adressen aufbauen
- und weshalb selbst berühmte Musiker ohne dieses Buch oft keine Unterkunft finden.
1936 erscheint in den USA ein unscheinbares Heft: das "Negro Motorist Green Book", wie es offiziell heißt. Für Schwarze Reisende wird es schnell unverzichtbar. Denn Hotels, Restaurants oder Tankstellen weisen sie vielerorts ab. In manchen Städten, den sogenannten "Sundown Towns", ist es für Nichtweiße lebensgefährlich, nach Sonnenuntergang zu bleiben. So wird das "Green Book" zur Hilfe gegen den Rassenterror.
Herausgeber Victor Green, ein Postbote aus Harlem, sammelt deshalb Adressen von Pensionen, Werkstätten und Geschäften, die afroamerikanische Kunden willkommen heißen. Kollegen aus dem Postnetz liefern ihm Hinweise aus allen Bundesstaaten. Das jährlich erscheinende "Green Book" wird so zu einem Symbol für Sicherheit, Selbsthilfe und Reisefreiheit. Längst ist mehr ist als ein kleiner Ratgeber für Autofahrer, es ist jetzt ein richtiger Reiseführer für Schwarze. Auf über 100 Seiten listet das "Green Book" nun Ziele in allen 50 Bundesstaaten, Kanada und der Karibik auf.
1966 wird die letzte Ausgabe gedruckt. Nach dem Ende der gesetzlichen Rassentrennung verschwindet das "Green Book" aus den Autos und aus dem kollektiven Gedächtnis.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Candacy Taylor, Historikerin, Autorin, Dokumentarin (USA)
- Smithsonian Institution Traveling Exhibition Service: The Negro Motorist Green Book
- Library of congress: The Negro motorist Green-book
- National Underground Railroad Center: The Negro Motorist Green Book
Weiterführende Links:
- Planet Wissen: Die Bürgerrechtsbewegung in den USA
- Februar 1964: Uraufführung von Nina Simones "Mississippi Goddam"
- Wie eine Bombe Martin Luther King zur Gewaltfreiheit motiviert
- Vor Rosa Parks gegen Rassentrennung im Bus: Claudette Colvin
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Autoren: Ulrich Biermann und Veronika Bock
Redaktion: Matti Hesse ]]>
