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Olympia T-Shirt: Wie Hitler die Spiele von 1936 instrumentalisierte

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Das IOC vertreibt in Italien ein T-Shirt zu den Spielen von 1936. Das ruft Kritik hervor. Ein Blick auf die Spiele von Berlin und die Instrumentalisierung durch das NS-Regime. "Merch", ist der neue Schlüsselbegriff im Sport. Die Abkürzung steht für Merchandising, dem gewinnbringenden Vertrieb von Marketingprodukten, etwa rund um ein sportliches Großereignis. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) folgt diesem Trend. Rund um Olympia in Italien bringt es die "Olympic Heritage"-Kollektion in Erinnerung an die olympische Geschichte mit T-Shirts auf den Markt. Kostenpunkt: 40 Euro. Auch die Spiele von 1936 in Deutschland werden gewürdigt. Das T-Shirt zu 1936 ist derzeit im offiziellen Olympics Shop ausverkauft. Es zeigt eine männliche Figur mit Lorbeerkranz. Über dem Kopf sind die Olympischen Ringe abgebildet, darunter das Brandenburger Tor samt Quadriga. Der Merchandise-Artikel ruft Kritik hervor. Von einem "Hohn" spricht Sporthistorikerin Jutta Braun vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Auch aus der Politik kommen kritische Stimmen. Klara Schedlich, sportpolitische Sprecherin der Grünen in Berlin, hielt dem IOC vor, "dass es seine eigene Geschichte offenbar nicht ausreichend reflektiert". Sie forderte, den Verkauf zu stoppen. "Die Olympischen Spiele 1936 waren ein zentrales Element Propagandainstrument des NS-Regimes. Das T-Shirt erweckt optisch den Eindruck, an diese Ästhetik anzuknüpfen", so Schedlich. Überblick: Olympia 2026 im Liveticker Medaillenspiegel: So liegt das deutsche Team Sportveranstaltungen werden oft zur Selbstdarstellung instrumentalisiert. Auch von Staaten. Der US-Politologe Joseph Nye hat dafür den Begriff "Soft Power" geprägt – im Gegensatz zu "Hard Power". Er beschreibt damit, wie Länder statt mit militärischer Macht ihren Einfluss auch durch weiche Faktoren ausweiten, Kultur etwa oder auch die bewusste Inszenierung von Sportgroßereignissen zur Außendarstellung einer Nation. Hitlers Instrumentalisierung der Spiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen (Winter) und Berlin (Sommer) bildet den Ausgangspunkt dieser Entwicklung. Ein Blick auf die Spiele von 1936 – und ihre tragischen Heldinnen und Helden. Theodor Lewald – von Hitler kaltgestellt Der Berliner Ministerialbeamte Theodor Lewald (1860–1947) war es, der Olympia 1936 überhaupt erst nach Deutschland holte. Schon ihm ging es als Chef des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA) darum, das getrübte Bild Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg aufzuhübschen. Die Spiele waren bereits an Deutschland vergeben, als Hitler 1933 an die Macht kam. Der war anfangs wenig von der Idee einer internationalen Völkerverständigung über den Sport begeistert. Erst bei einem Besuch der Baustelle des Berliner Olympiageländes erkannte Hitler im Oktober 1933 die Chance, die die Spiele für seine Propaganda boten. "Wenn man die ganze Welt geladen hätte, müsste etwas Großartiges und Schönes entstehen, da spielten einige Millionen gar keine Rolle", erinnerte sich Lewald später an Hitlers plötzliches Zugeständnis, kräftig in die Spiele und ihre Sportstätten zu investieren. Das Ergebnis: das Sportgelände rund um das Olympiastadion in Berlin. Lewald wurde nach dem Ende der Spiele 1936 in Berlin von Hitler an den Rand gedrängt. Der frühere Staatssekretär im Innenministerium war zwar protestantisch getauft, sein Vater entstammte aber einer jüdischen Familie aus Königsberg. Das reichte nach der Nazi-Ideologie des Führers, um den Funktionär abzuservieren. Lewald überlebte die Nazi-Jahre mit Mühe und unter Schikanen. Er starb 1947 in Berlin. Jesse Owens – der von Hitler verschmähte Held der Spiele US-Sportler Jesse Owens (1913–1980) gewann in Berlin vier Goldmedaillen : 100 Meter, 200 Meter, 4x100-Meter-Staffel sowie Weitsprung. Der Erfolg des afroamerikanischen Athleten passte nicht in die NS-Rassenideologie. Hitler weigerte sich, Owens in seiner Führerloge im Olympiastadion zu empfangen. "Ich werde diesem N... nicht die Hand drücken", soll er gesagt haben. Schon im Vorfeld der Spiele von Berlin 1936 gab es übrigens Boykott-Überlegungen. Etwa in den USA. Daher wartete das NS-Regime, bis die US-Delegation im Sommer 1936 endgültig auf dem Schiff nach Europa eingecheckt hatte, bis es jüdische Sportler aus dem deutschen Olympiateam ausschloss. Für die Zeit nach den Spielen hatte die SA schon vorab die Parole ausgegeben: "Wenn die Olympiade vorbei ist, schlagen wir die Juden zu Brei!". Der US-Autor Thomas Wolfe berichtete als Journalist in seinen täglichen Artikeln für US-Medien zunächst freundlich über die Spiele in Berlin. Im Rückblick notierte er 1937 aber in seinem Buch "I Have a Thing to Tell You" – deutscher Buchtitel: "Nun will ich euch erzählen" – über den Tag seiner Abreise nach den Spielen aus Berlin: "Wir spürten instinktiv, dass wir uns nicht nur von Menschen, sondern auch von Menschlichkeit verabschieden." Die Schikanen bei der Auswahl des deutschen Teams Hitler nutzte die Spiele zur Inszenierung nach außen, davon zeugt Leni Riefenstahls filmische Olympia-Dokumentation. Nach innen griff das NS-Regime bei der Zusammenstellung der deutschen Olympia-Auswahl durch: Helene Mayer (1910–1953) hatte bereits 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam Gold gewonnen. Die Tochter eines jüdischen Arztes aus Offenbach am Main wurde für Olympia 1936 für die NS-Propaganda eigens von einem Stipendienaufenthalt in den USA nach Berlin zurückgeholt. Sie war die einzige jüdische Sportlerin im deutschen Team und gewann Silber. Victor Klemperer notierte in seinem Tagebuch: "Ich weiß nicht, wo die größere Schamlosigkeit liegt, in ihrem Auftreten als Deutsche des Dritten Reiches oder darin, dass ihre Leistung für das Dritte Reich in Anspruch genommen wird." 1937 siedelte Mayer in die USA über, nach dem Krieg kehrte sie nach Deutschland zurück und erlag 1953 einem Krebsleiden. Lutz "Luz" Long (1913–1943) ging 1936 als Weitspringer an den Start und freundete sich beim Wettkampf mit Jesse Owens an. Beide umarmten sich im weiten Rund des Berliner Olympiastadions vor den Augen des Publikums. Hitler soll getobt haben. Long starb 1943 im Krieg. Die Familie war davon überzeugt, dass der Anwalt und Nachfahre des legendären Chemikers Justus von Liebig absichtlich wegen seiner Freundschaft mit Owens an die Front geschickt wurde. Seinem Freund Owens schrieb Long aus dem Krieg: "Lieber Freund Jesse! ... Ich fürchte, für die falsche Sache zu sterben." Bilanz Bei der Renovierung des Berliner Olympiastadions zur Männer-Fifa-Fußball-WM 2006 in Deutschland blieb die Treppe zu Hitlers Führerloge übrigens unversehrt. Denkmalschutz. Wer sich nach Zweitligaspielen von Hertha BSC im Medienbereich der Stadionkatakomben verirrt, kann sie dort heute noch sehen. Die historische Stiege endet übrigens in einer neu eingezogenen Zwischendecke des Berliner Olympiastadions: Halbe Treppe ins Nirgendwo. So einfach lässt sich die deutsche Geschichte nicht entsorgen.





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