Stoffe.de: Onlinehändler schließt – 170 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs
Trotz hoher Umsätze schrieb ein Online-Marktführer für Stoffe jahrelang Verluste. Jetzt ist die Sanierung gescheitert – und der Betrieb wird abgewickelt. Der Onlinehändler "The Creative Club" aus Schenefeld bei Hamburg ist endgültig eingestellt worden. Wie Insolvenzverwalter Nicolas Kaiser bestätigte, wird der Betrieb abgewickelt, rund 170 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Ab dem 11. Februar ist das Sortiment aus Stoffen und Schnittmustern über die Plattform Stoffe.de nicht mehr abrufbar. Das Insolvenzverfahren war am 1. Januar eröffnet worden. Laut Kaiser reichte das vorhandene Vermögen zwar aus, um die Verfahrenskosten zu decken. Mieten und Gehälter konnten nach der Eröffnung jedoch nicht mehr gezahlt werden. Zum Schutz der Gläubiger habe er den Betrieb stillgelegt und die Investorensuche beendet, sagte Kaiser dem "Pinneberger Tageblatt". Größter Hotelbetreiber Europas insolvent : Erste Häuser müssen schließen Brandenburg : Hunderte protestierten gegen Schließung von Wurstfabrik Alle Beschäftigten seien freigestellt, die Kündigungen ausgesprochen. "Die Betriebseinstellung wurde mit dem Betriebsrat besprochen und ein Interessenausgleich nebst Sozialplan verhandelt und abgeschlossen", erklärte Kaiser. Dabei gehe es darum, die verbliebenen Mittel im Sinne der Gläubiger und der Belegschaft zu verteilen. Der Abverkauf der Restbestände aus den Lagern in Schenefeld und Halstenbek läuft derzeit noch. Investorensuche ohne Ergebnis Während des vorläufigen Insolvenzverfahrens hatte es nach Angaben Kaisers mehrere Interessenten gegeben. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Einige Investoren wollten nur Teile der Belegschaft übernehmen, andere lediglich einzelne Vermögenswerte wie die Domain Stoffe.de oder die Marke – ohne Personal. Die Vorstellungen hätten in wesentlichen Punkten zu weit auseinandergelegen. Noch im Oktober hatte sich die Lage anders dargestellt. Nachdem das Amtsgericht Pinneberg Kaiser zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt hatte, lief der Geschäftsbetrieb zunächst weiter. "Ich bin optimistisch, dass es gelingen wird, eine Sanierungslösung zu finden", sagte Kaiser damals dem "Hamburger Abendblatt". Auch von bis zu fünf potenziellen Übernahmeinteressenten war die Rede. Hintergrund des Insolvenzantrags war nach Angaben Kaisers die Entscheidung der Hauptgesellschafterin, kein weiteres Geld bereitzustellen. Der "Wirtschaftswoche" erklärte er: "Anstoß für den Insolvenzantrag war nach derzeitiger Kenntnislage die Weigerung der Hauptgesellschafterin, dringend benötigtes frisches Kapital in die Gesellschaft zu geben." Mehrheitseigentümerin war eine luxemburgische Holdinggesellschaft. Das Unternehmen arbeitete trotz teils stark wachsender Umsätze zu keinem Zeitpunkt profitabel. Die Fehlbeträge wurden über Jahre hinweg durch die Eigentümer ausgeglichen. Unterlagen der Holding zufolge bewertete diese ihre Beteiligung Ende 2024 noch mit rund 37 Millionen Euro. Seit 2015 flossen demnach mehrfach Millionenbeträge nach Schenefeld – allein im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro Eigenkapital sowie mehr als vier Millionen Euro in Form von Darlehen. Diese Kredite wären Anfang 2025 fällig geworden. Als weiteres Kapital ausblieb, stellte die Geschäftsführung im Oktober 2025 den Insolvenzantrag. Vom Pionier zum dauerhaften Verlustgeschäft Gegründet wurde das Unternehmen 2003 von den Brüdern Jörn, Nils und Melf Haack aus Pinneberg unter dem Namen fabfab – kurz für "fabulous fabrics". Sie gehörten zu den frühen Anbietern im Onlinehandel mit Stoffen und hoben sich von Wettbewerbern ab, indem sie Stoffproben per Post verschickten. 2007 wurde erstmals die Marke von einer Million Euro überschritten. In den folgenden Jahren wuchs das Geschäft stark. 2012 zog die Firma in die Hallen der ehemaligen Spar-Zentrale am Osterbrooksweg in Schenefeld. Von dort aus wurden in den besten Zeiten täglich bis zu 4.000 Pakete in 53 Länder verschickt. Spätestens während der Corona-Pandemie erreichte das Geschäft seinen Höhepunkt. 2021 erzielte "The Creative Club" einen Umsatz von rund 26 Millionen Euro. Dennoch schrieb das Unternehmen auch in jenem Jahr einen Verlust von etwa drei Millionen Euro. Der Markt für Handarbeiten kühlte danach wieder ab. Laut dem Branchenverband Initiative Handarbeit sank der Gesamtumsatz 2024 um 4,8 Prozent auf 961 Millionen Euro. Demnach verfügen viele Verbraucherinnen über große Stoffvorräte und verschieben neue Käufe. "The Creative Club" versuchte, sich breiter aufzustellen. 2020 übernahm das Unternehmen die Berliner Plattform Makerist, die 2013 als Start-up gegründet worden war und digitale Schnittmuster sowie Anleitungen vertrieb. Für das Start-up wurde ein zweistelliger Millionenbetrag gezahlt. 2021 benannte sich fabfab in "The Creative Club" um und wollte sich als europäisches DIY-Haus positionieren. Die Geschäftsführung wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach. Zuletzt blieb nur noch Victoria Herzog an der Spitze des Unternehmens. Im Frühjahr 2025 stellte "The Creative Club" zunächst die Plattform Makerist ein. Damals hieß es, der Betrieb sei nicht insolvent, die Plattform lasse sich jedoch "langfristig nicht mehr nachhaltig und wirtschaftlich betreiben". Wenige Monate später folgte der Insolvenzantrag. Mit der nun beschlossenen Abwicklung endet eine mehr als 20-jährige Firmengeschichte im Kreis Pinneberg. Aus einem frühen Pionier des Online-Stoffhandels wurde ein Unternehmen, das über Jahre vom Kapital seiner Eigentümer lebte – bis diese die Finanzierung einstellten. Ob Markenname oder Domain künftig von einem anderen Anbieter genutzt werden, ist offen.
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