Die Technik ist bereit – aber sind es auch die Verbraucher? Eine Umfrage zeigt, wie schnell aus Komfort Skepsis wird, wenn KI plötzlich den Kaufknopf drückt. Viele Menschen in Deutschland setzen sich beim Einkaufen klare Grenzen. Sie planen ein Budget, rechnen mit festen Ausgaben – und versuchen, am Monatsende noch etwas Geld übrig zu behalten. Doch nun könnte sich das Einkaufen verändern und auch die Budgetplanung einfacher gestalten – dank Künstlicher Intelligenz (KI). KI hält nicht nur im Kundenservice oder bei Produktempfehlungen Einzug, sondern übernimmt zunehmend Aufgaben, die bislang Menschen selbst erledigt haben. KI-Agenten suchen Produkte, vergleichen Preise, treffen eine Auswahl und bezahlen am Ende sogar eigenständig. Mit KI in den Urlaub: Kann das gut gehen? Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Kontrolle sind Verbraucher bereit abzugeben, wenn eine KI nicht nur berät, sondern autonom einkauft? Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Finanzdienstleisters Riverty und der Finanztechnologie-Plattform Adyen unter 1.000 Befragten in Deutschland zeigt, wie viel Geld Verbraucher einer KI für autonome Einkäufe anvertrauen würden – und wovor sie sich dabei am meisten fürchten. Bequemlichkeit ja – aber bitte mit Notbremse Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Viele Verbraucher sind grundsätzlich offen für KI-Agenten beim Shopping, aber nur in einem klar begrenzten Rahmen. Die Hälfte der Befragten würde einem KI-Agenten ein monatliches Ausgabenlimit von bis zu 50 Euro erlauben. Weitere 24 Prozent würden bis zu 100 Euro freigeben, 15 Prozent sogar bis zu 250 Euro. Besonders vorsichtig zeigt sich die älteste befragte Gruppe der 55- bis 65-Jährigen: Sie dominiert beim niedrigsten Limit. Größere Budgets sind eher bei Jüngeren denkbar – bis zu 100 Euro vor allem bei der Gen Z (18 bis 24 Jahre), bis zu 250 Euro besonders bei den 25- bis 34-Jährigen. Trotz dieser Offenheit bleibt ein zentrales Bedürfnis klar: Verbraucher wollen jederzeit eingreifen können. Volle 93 Prozent der Befragten möchten KI-Einkaufsentscheidungen jederzeit einsehen oder stoppen können. Fast die Hälfte wünscht sich sogar, dass ein Mensch grundsätzlich jeden Kauf final bestätigt. Frauen befürworten diese Sicherheitsstufe mit 53 Prozent häufiger als Männer mit 44 Prozent. Überraschende Studie: Deutsche sparen überall – außer bei diesen Produkten Cash-Index-Studie zeigt: In dieser Stadt ist die Bargeldversorgung am besten Dabei zeigt sich: Die Mehrheit hält eine menschliche Bestätigung besonders dann für notwendig, wenn es um teure oder sensible Käufe geht. Markenprodukte und Unterhaltung führen bei KI-Akzeptanz Auch bei den Produktkategorien unterscheiden Verbraucher deutlich. Am wohlsten fühlen sie sich bislang bei Unterhaltungsartikeln (63 Prozent), gefolgt von Elektronik und Gadgets sowie Lebensmitteln (jeweils 60 Prozent). Deutlich skeptischer reagieren viele dagegen bei Kinderspielzeug sowie bei Schönheits- und Gesundheitsprodukten. Zudem zeigt sich ein weiterer Trend: Wenn KI einkauft, greifen Verbraucher lieber zu bekannten Marken. 34 Prozent der Befragten geben an, dass sie meistens eher vertraute Anbieter wählen würden als anonyme Plattformen. Was Verbraucher beim KI-Einkauf wirklich fühlen Die Umfrage macht deutlich: Der technologische Fortschritt stößt beim Einkauf nicht automatisch auf Begeisterung. Im Gegenteil: Die dominierenden Gefühle der Deutschen gegenüber KI-gestütztem Shopping sind derzeit Skepsis (46 Prozent) und Kontrollverlust (44 Prozent). Neugier empfinden zwar ebenfalls viele (33 Prozent), doch auch Angst spielt eine Rolle (26 Prozent). 79 Prozent der Befragten sagen, dass klare Informationen darüber, wie eine KI Daten nutzt und Kaufentscheidungen trifft, ihr Vertrauen stärken würden. Verbraucher möchten also nicht nur ein Ergebnis sehen, sondern verstehen, wie es zustande kommt. Hella Fuhrmann, Country-Managerin für den deutschsprachigen Raum bei Adyen, ordnet das Verhalten der Kunden so ein: Verbraucher wünschten sich beim KI-Einkauf vor allem Vertrauen, Kontrolle, Transparenz und Vorhersehbarkeit. Dass bekannte Marken bevorzugt würden, sei daher wenig überraschend – denn Vertrautheit senke das wahrgenommene Risiko. Rechnung statt Risiko: Welche Zahlart beim KI-Kauf überzeugt Wenn KI eigenständig einkauft, spielt auch die Bezahlmethode eine entscheidende Rolle. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten würde beim KI-Kauf am meisten der Zahlungsmethode auf Rechnung vertrauen. Auch hier zeigt sich erneut: Frauen setzen stärker auf diese Form der Absicherung. Mit großem Abstand folgen Kreditkarte und Lastschrift mit jeweils 13 Prozent. Insgesamt gaben 70 Prozent der Befragten an, dass der Rechnungskauf oder Buy Now, Pay Later ihr Vertrauen in automatisierte Käufe erhöhen würde. Der Grund liegt auf der Hand: Diese Modelle vermitteln vielen Verbrauchern das Gefühl, erst prüfen zu können, bevor Geld endgültig abfließt. Kontrolle bleibt entscheidend Fazit: Grundsätzlich lehnen Verbraucher KI-Shopping nicht ab. Sie lehnen vor allem Unsicherheit ab. Viele Menschen wären bereit, einer KI kleinere Einkäufe zu überlassen – solange sie klare Limits setzen können und jederzeit eingreifen dürfen. Besonders wichtig bleibt dabei Transparenz: Wer nicht versteht, wie eine KI entscheidet, wird ihr kaum Geld anvertrauen.