Für Sportler gelten die Olympischen Spiele als Höhepunkt ihrer Karriere – eine Chance, die sich nur alle vier Jahre bietet. Doch Goldgewinnerin Anni Friesinger-Postma glaubt, dass sich die Bedeutung des Events verändert hat. Aus Mailand berichtet Melanie Muschong Um einmal bei den Olympischen Spielen dabei sein zu können, trainieren Athleten hart. Schließlich finden die Sommer- und Winter-Großereignisse jeweils nur alle vier Jahre statt. Eisschnelllauf-Wunderkind Finn Sonnekalb sagte jüngst "Eurosport", für Sportler sei Olympia "das Größte", was man erreichen könne. Biathletin Selina Grotian sicherte sich auf den letzten Drücker die Olympia-Norm und darf nun ebenfalls in Antholz an den Start gehen. Auch sie gab im Anschluss Einblicke in ihre Gefühlswelt und erzählte über die Qualifikation: "Ich hatte, glaube ich, noch nie so einen Druck. Das ist kaum zu beschreiben." Olympia fasziniert – doch immer noch so sehr wie früher? Zeitplan der Olympischen Winterspiele: Die Medaillenentscheidungen bei Olympia 2026 In Mailand und Cortina d'Ampezzo: So sehen Sie die Olympischen Winterspiele 2026 live Die ehemalige deutsche Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma war in Nagano zum ersten Mal bei Olympia dabei. Sie hält es für möglich, dass sich die Zeiten geändert haben: "Ich denke, dass Olympische Spiele generell in der Gesellschaft nicht mehr den gleichen Stellenwert haben wie 1998 bei mir", so die dreifache Olympiasiegerin zu t-online in einer Presserunde mit "Eurosport". "Die Jugend hat heutzutage viele andere Stars" Die Expertin des Senders führt aus: "Über Social Media haben sich neue Trends und Formate entwickelt, die Jugend hat heutzutage viele andere Stars, die es zu meiner Zeit nicht gab. Doch Social Media bietet auch viele Chancen und den klassischen Sportarten – abseits vom Tennis oder Fußball – eine gute Präsenz und Bühne. Das finde ich schon auch gut." An ihre eigenen Spiele erinnert sich Friesinger-Postma gerne zurück. Sie war nach 1998 auch 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin und 2010 in Vancouver mit dabei und schwärmt noch heute davon: "Es ist auf alle Fälle schön, weil diese drei Wochen ein Sportfest sind und man auch Topstars aus anderen Sportarten trifft, die man sonst nur aus dem Fernsehen oder der Presse kennt. Das ganze Flair ist schon schön." Sie stellt jedoch auch klar: "Es ist ein Unterschied, ob du Rookie bist und keinen Druck hast und die Spiele genießen kannst, oder ob du unter großem Erfolgsdruck stehst und eine Medaille holen musst." Deutsche Talente wie die Biathletinnen Julia Tannheimer und Grotian oder Eisschnellläufer Sonnekalb sowie Skispringer Philipp Raimund stehen durch ihr Können zwar im Fokus. Sie haben aber weniger Druck als die erfahrenen Leistungsträger wie Biathlon-Star Franziska Preuß , DSV-Adler Andreas Wellinger oder Bob-Ass Francesco Friedrich. Weite Wege? "Es ist halt leider so" In Mailand und Cortina d'Ampezzo liegen die einzelnen Wettkampforte teils so weit voneinander entfernt wie noch nie bei den Olympischen Spielen. Von Mailand nach Cortina d'Ampezzo sind es 410 Kilometer. Die Eishockey-Teams und Eisschnellläufer, die in Mailand antreten, können also nicht einfach spontan ihre Teamkollegen in Cortina d'Ampezzo anfeuern, wo unter anderem die Bob- und Skirennen stattfinden. Das IOC begründet die Entfernungen mit der Nachhaltigkeit des Events. So sollen etwa vorhandene Anlagen genutzt werden, statt neue Großbauten zu errichten. Friesinger-Postma dazu: "Es gibt immer verschiedene Cluster im Wintersport. Auch in Nagano waren die Wege sehr weit. Es ist halt leider so, aber man versucht immer, auch nachhaltig zu sein und bestehende Sportstätten zu nutzen und es gibt nicht viele Alternativen." Rente für Athleten? "Ansporn, Leistungssport zu machen" Auch viele Jahre nach ihrem Karriereende hat Friesinger-Postma Verständnis für die Lage der Sportler. Sie würde sich sogar wünschen, dass die Anerkennung für sie höher wäre, beispielsweise durch eine spezielle Rente für Athleten: "Auf einen Olympiasieg trainierst du ein Jahrzehnt hin. Als ich schon auf Topniveau war, habe ich 20.000 bis 30.000 Euro zusätzlich investiert. Das muss man sich erst einmal über Prämien erarbeiten. Eine Rente wäre schon schön, dann könnten Sportler etwas sorgloser trainieren." Sie fügt zudem an: "Auf der anderen Seite wäre diese harte Arbeit dann auch mehr wertgeschätzt und ein Ansporn für mehr Leute, Leistungssport zu machen." Die Olympischen Winterspiele Milano Cortina live im TV bei Eurosport sowie jeder Moment im Streaming bei HBO Max .