Der Handelsverband Deutschland warnt vor einem weiteren Jahr ohne Schwung. Viele Händler erwarten sinkende Umsätze, doch eine Sparte wächst weiterhin. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat die Erwartungen für das Jahr 2026 gedämpft und ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent in Aussicht gestellt. Preisbereinigt entspräche das lediglich einem Wachstum von 0,5 Prozent, teilte der HDE auf seiner Jahrespressekonferenz am Montag mit. Wie angespannt die Lage in den Betrieben ist, zeigt eine Umfrage des Verbandes unter knapp 600 Handelsunternehmen: 49 Prozent rechnen 2026 mit niedrigeren Umsätzen als im Vorjahr, nur 23 Prozent erwarten ein Plus. Der HDE geht insgesamt von einem Branchenumsatz von 697,4 Milliarden Euro aus. Im vergangenen Jahr machte der deutsche Einzelhandel trotz schwacher Konjunktur bessere Geschäfte. Preisbereinigt stieg der Umsatz laut Statistischem Bundesamt zum Vorjahr um 2,7 Prozent. Das Plus geht unter anderem auf eine Umstellung bei Amazon zurück, dessen Umsätze zuvor in Deutschland nicht erfasst wurden. Chef des Handelsverbands : "Notfalls muss man Temu den Stecker ziehen" Kleine Läden müssen schließen : "Es ist ein Kampf ums Überleben" Der Handelsverband bewertete das Geschäft im vergangenen Jahr trotzdem pessimistisch. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sprach von einem "schwachen" Jahr 2025, das für viele Unternehmen verloren sei. HDE-Präsident Alexander von Preen sagte: "Es sieht derzeit nicht nach dem großen Aufatmen im Einzelhandel aus." Größtes Problem bleibt laut HDE-Umfrage die Kaufzurückhaltung. Für teure Anschaffungen seien Verbraucher wegen der angespannten weltpolitischen Lage und des "erratischen US-Präsidenten" offenbar zu verunsichert, so von Preen. Der HDE-Präsident fordert deshalb ein Signal aus Berlin : "Wir brauchen jetzt eine echte Aufbruchsstimmung. Da ist die Bundesregierung gefragt, mit den richtigen Maßnahmen einen Aufwärtstrend auszulösen." Online zieht davon Als Wachstumsmotor sieht der HDE erneut den digitalen Verkauf. "Wachstumstreiber wird der Onlinehandel sein", sagte von Preen. Er rechne damit, dass der Onlinehandel um 4,4 Prozent wächst und auf 96,3 Milliarden Euro Umsatz steigt. Von Preen verwies darauf, dass nicht nur reine Onlineanbieter, sondern auch stationäre Händler mit digitalen Vertriebswegen zulegen. Das Online-Geschäft profitiere davon, dass auch ältere Menschen immer häufiger im Internet bestellen, so von Preen. Doch das Geschäft könnte wohl noch deutlich besser ausfallen, wären da nicht die extrem günstigen Wettbewerber aus China . Druck aus China Besonders Händler im Bereich Textil, Accessoires, Uhren, Schmuck und Schuhe würden die Konkurrenz der Billiganbieter "momentan sehr intensiv spüren", so Stefan Genth. Der Hauptgeschäftsführer erklärte weiter: "Wir schätzen gerade Temu und Shein auf mindestens fünf Milliarden Euro Umsatz in Deutschland mit steigenden Quoten." Täglich würden über 400.000 Pakete nach Deutschland kommen. "Wir sprechen hier nicht von einem normalen Wettbewerb", so Genth. Viele der Billigimporte seien gefährliche Mangelware und dürften hier gar nicht verkauft werden. Gegen die Paketflut plant die EU ab Juli 2026 eine neue Pauschalabgabe von voraussichtlich drei Euro auf Pakete aus Drittländern mit einem Warenwert bis 150 Euro. Genth begrüßte die Paketgebühr als "richtigen Schritt". "Das reicht uns aber nicht", sagte er weiter. Die Zollfreigrenze von 150 Euro müsse ganz gestrichen werden. Außerdem fordert der HDE, dass Pakete aus China nach Deutschland angemeldet werden müssen. "Das ist andersherum auch so, deshalb muss diese Lücke geschlossen werden." Temu und Shein : "Billigplattformen können besonders dreist sein" 60.000 Arbeitsplätze verloren Der HDE dringt parallel auf Entlastungen im Inland. Viele Händler hoffen dabei vor allem auf weniger Bürokratie: In der Umfrage nennen 59 Prozent das Thema als wichtigste Baustelle. Von Preen verlangt zudem niedrigere Abgaben und Energiekosten: "Die Stromsteuer muss endlich zeitnah für alle gesenkt werden. Bei den Sozialversicherungsbeiträgen braucht es außerdem eine dauerhafte 40-Prozent-Obergrenze." Wie stark die Kostenfrage auf die Personalplanung durchschlägt, zeigt die HDE-Umfrage. Für das zweite Halbjahr 2025 meldeten 31 Prozent der Unternehmen eine verringerte Mitarbeiterzahl, 63 Prozent hielten sie stabil und nur fünf Prozent erhöhten sie. Für das erste Halbjahr 2026 planen 25 Prozent einen Personalabbau, 68 Prozent erwarten keine Veränderung und sieben Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen. Bei weiter steigenden Arbeitskosten rechnen 77 Prozent mit negativen Effekten auf die Beschäftigung. Vor der Tarifrunde im Einzelhandel, die im April startet, warnt der Verband deshalb vor zusätzlichen Belastungen. Genth appelliert an die Gewerkschaft Verdi, nicht zu viel zu fordern und die Branche damit irreversibel zu schädigen. Der Einzelhandel habe seit 2022 bereits 60.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte verloren. Gleichzeitig seien im Handel derzeit rund 100.000 Stellen offen, so der Verband. Besonders im Verkauf würden Unternehmen händeringend nach Personal suchen. Insgesamt arbeiten im Handel 3,1 Millionen Menschen.