Warnstreik im ÖPNV: Warnstreik lässt Busse und Bahnen stillstehen
Verdi will zum Start in die neue Woche mit Warnstreiks Druck machen in den stockenden Tarifverhandlungen zum Nahverkehr. Was das für Pendlerinnen und Pendler in Hessen bedeutet.
Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr müssen in Hessen am Montag mit Ausfällen und Verspätungen rechnen. Besonders betroffen sind voraussichtlich Frankfurt, Kassel und Wiesbaden. Die Gewerkschaft Verdi hat hessenweit 5.200 Beschäftigte von kommunalen Verkehrsbetrieben zu einem ganztägigen Warnstreik ab der Frühschicht aufgerufen. Mit dem Ausstand soll den Forderungen zum Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) Nachdruck verliehen werden.
In Frankfurt kann auf Busse und S-Bahnen ausgewichen werden
In Frankfurt fallen die U- und Straßenbahnen unter den umstrittenen Tarifvertrag. Es sei damit zu rechnen, dass von Betriebsbeginn an alle neun U-Bahn-Linien und zehn Straßenbahnlinien betroffen sind, teilte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mit. Vor allem das Bestreiken der U-Bahn als Rückgrat des städtischen Nahverkehrsnetzes werde viele Fahrgäste schmerzhaft treffen, erklärte die städtische Nahverkehrsorganisation traffiQ. Ausweichmöglichkeiten böten die S-Bahnen, Regionalzüge und auch die städtischen Frankfurter Buslinien sowie Regionalbusse, die nicht bestreikt werden.
"Erhebliche Einschränkungen" in Wiesbaden
In Wiesbaden erwartet die Verkehrsgesellschaft Eswe den Ausfall der meisten ihrer Busse. Trotz des Warnstreiks fahren den Angaben zufolge die Linien 5, 28, 39 und 46, die von Partnerunternehmen betrieben werden, sowie die Regionalbusse. Fahrgäste in Wiesbaden müssten "mit erheblichen Einschränkungen" im öffentlichen Nahverkehr rechnen, hieß es.
Auch in Kassel "weitreichende Ausfälle und Einschränkungen"
Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) rechnet nach eigenen Angaben ebenfalls mit Ausfällen auf allen Linien; RegioTrams verkehrten nur zwischen dem Umland und Kassel Hauptbahnhof, Fahrten innerhalb der Kasseler Innenstadt entfallen. Fahrgäste müssten sich im gesamten Stadtgebiet Kassel "auf weitreichende Ausfälle und Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr" einstellen, teilte die KVG mit.
Regionale Buslinien nicht betroffen
Betroffen seien voraussichtlich sämtliche Straßenbahn‑ und Buslinien 1 bis 29 der KVG im Stadtgebiet. Auch die Buslinien 11, 17 und 22 im Umland sowie die Fahrten auf den Straßenbahnstrecken nach Vellmar, Baunatal und durch das Lossetal würden ebenso wie Anruf-Sammel-Taxen nicht bedient. Im Stadtgebiet Kassel könnten die Fahrgäste auf einige regionale Buslinien ausweichen, die uneingeschränkt unterwegs seien, teilte die KVG mit.
In Mittelhessen wird regulärer Busverkehr erwartet
In Marburg und Gießen rechnen die Stadtwerke dagegen trotz Aufruf zum Warnstreik mit einem regulären Busverkehr. Die Gießener Stadtwerke erklärten, der Aufruf schließe bei dem Tochterunternehmen Mit.Bus GmbH angestellte Fahrer und Fahrerinnen nicht ein. "Im Betrieb der Marburger Verkehrsgesellschaft mbH (MVG) ist mit keinen größeren streikbedingten Auswirkungen zu rechnen", hieß es von den Stadtwerken Marburg.
Forderungen zum Manteltarif
Die ÖPNV-Verhandlungen werden von Verdi parallel in allen Bundesländern geführt. Es geht in Hessen diesmal nicht um die Gehälter der Beschäftigten, sondern um die Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag. In Brandenburg, Thüringen und dem Saarland streitet die Gewerkschaft darüber hinaus auch für höhere Löhne und Gehälter. Verhandlungspartner sind die jeweiligen Landesverbände des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV).
Am Donnerstag hatte die zweite Verhandlungsrunde in Hessen zwar ein Angebot der Arbeitgeber, aber kein Ergebnis gebracht. Verdi hat ein Bündel von Forderungen aufgestellt, in dem es um Schichtzuschläge, Eingruppierungen, Ballungsraumzulage und einen zusätzlichen Urlaubstag geht. Die Arbeitgeber sollen sich zudem bereiterklären, über einen weiteren Urlaubstag exklusiv für Gewerkschaftsmitglieder zu sprechen.
