Ein lang erwarteter Marineverband der USA trifft im Nahen Osten ein. Greifen die USA also nun den Iran an? Trotz früherer Drohungen scheint Donald Trump noch zu zögern. Die USA erhöhen den Druck auf das Regime im Iran . Eine Flotte von Kriegsschiffen rund um den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" ist in der Region angekommen. Das meldete das Regionalkommando des US-Militärs Centcom am Montag. Wo genau der Verband sich befindet, ist indes nicht bekannt. Gleichwohl erhöht US-Präsident Donald Trump auch rhetorisch den Druck auf Teheran. Die Lage im Iran sei "im Fluss", sagte der 79-Jährige dem Nachrichtenportal "Axios". "Wir haben eine große Armada neben dem Iran. Größer als Venezuela", sagte Trump. Er glaube aber, dass die Führung im Iran ein Abkommen schließen wolle. "Sie wollen einen Deal machen. Das weiß ich. Sie haben mehrfach angerufen. Sie wollen reden", fügte der US-Präsident hinzu. Sowohl "Axios" als auch das "Wall Street Journal" berichten derweil, dass Trump noch keine endgültige Entscheidung über sein Vorgehen in der Region getroffen habe. Im Gespräch mit dem Nachrichtenportal "Politico" hatte er sich kürzlich für einen Regierungswechsel ausgesprochen: "Es ist Zeit, nach einer neuen Führung im Iran zu suchen." Ähnlich hatte sich Trump vor dem US-Angriff auf Venezuela und der Entführung des Machthabers Nicolás Maduro Anfang Januar geäußert. Seine Flotte im Nahen Osten gibt ihm nun neue Optionen. Proteste im Iran: Bis zu 30.000 Tote in zwei Tagen? Newsblog: Alle aktuellen Entwicklungen in der US-Politik USA erhöhen ihre Militärpräsenz im Nahen Osten Laut dem "Wall Street Journal" (WSJ) sind gemeinsam mit der "USS Abraham Lincoln" zusätzliche Kampfjets der Typen F-35C und F-18 eingetroffen. Außerdem sollen sich auf dem Flugzeugträger EA-18-Maschinen befinden. Diese auch "Growler" genannten Flugzeuge können für elektronische Kriegsführung eingesetzt werden. Daneben umfasst der Verband der "Abraham Lincoln" drei Zerstörer, die in der Lage sind, Tomahawk-Marschflugkörper abzufeuern. Die Flugzeugträgergruppe war Mitte Januar vom Südchinesischen Meer aus losgeschickt worden. Ebenso sind laut WSJ zwei weitere Zerstörer bereits nahe der Straße von Hormus stationiert. Sie sollen die vor allem für den Ölhandel wichtige Seestraße schützen, mit deren Blockade der Iran schon mehrfach gedroht hatte. Hinzu kommen im Persischen Golf drei sogenannte "Littoral Combat Ships", ähnlich einer Fregatte, die für den küstennahen Kampf konzipiert sind. Ferner berichtet die Zeitung, dass die USA F-15E-Kampfjets auf eine Militärbasis in Jordanien sowie Flugabwehrsysteme der Typen Patriot und THAAD in die Region verlegt hätten. Ein Teil der Ausrüstung soll bereits in Saudi-Arabien und Kuwait angekommen sein, mehr werde innerhalb der kommenden zwei Wochen erwartet. Damit erhöhen die USA also nicht nur ihre Angriffskapazitäten, sondern auch ihre Fähigkeiten, um etwaige Gegenangriffe des Iran nach einem möglichen US-Militäreinsatz abzuwehren. Venezuela-Intervention ging eine Flottenentsendung voran Zum Vergleich: Vor der Küste Venezuelas hatten die USA seit Spätsommer 2025 eine massive Militärpräsenz aufgebaut. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters wurden zwischenzeitlich mindestens 13 Kriegsschiffe, mehrere Versorgungsschiffe sowie ein Atom-U-Boot in die Region entsandt. Acht der Schiffe blieben längerfristig vor Ort. Kernstück ist der größte Flugzeugträger der Welt, die "USS Gerald R. Ford", mit seiner Kampfgruppe. Insgesamt waren rund 10.000 Soldaten und etwa 6.000 Seeleute auf den eingesetzten Schiffen stationiert. Zum Arsenal zählten verschiedene Kampfjets, Langstreckenbomber vom Typ B-52 und B-1B, Aufklärungs- und Kampfdrohnen, Transport- und Tankflugzeuge sowie amphibische Einheiten. Um solch ein Potenzial rund um den Iran aufzubauen, ist eine ähnlich umfangreiche Verlegung von Militärpersonal wie in der Karibik wohl nicht notwendig. Eine Grundlage ist durch die militärischen Aktivitäten der Vereinigten Staaten der vergangenen Jahrzehnte in der Region ohnehin vorhanden: Das US-Militär unterhält dort diverse Basen oder hat zumindest Zugang zu ihnen, rund 40.000 Soldaten sollen sich auf den Stützpunkten befinden. Trump setzt Teheran weitreichende Bedingungen für einen Deal Doch ob Trump die militärischen Fähigkeiten tatsächlich nutzen wird, ist offen. Eigentlich hatte er eine rote Linie gezogen: Sollten Demonstranten bei den jüngsten Massenprotesten im Iran getötet werden, würden die USA eingreifen. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA meldete zuletzt 6.126 bestätigte Todesopfer, unter ihnen 5.777 Demonstranten. Zusätzlich prüft HRANA nach eigenen Angaben 17.091 weitere mutmaßliche Fälle. Zudem sollen 11.009 weitere Menschen schwer verletzt worden sein. Alle Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Zukunft des Iran: Davon wird sich das Mullah-Regime nicht erholen Massenproteste im Iran: Neue Zahl der Todesopfer offenbart dramatisches Ausmaß Ein Vertreter von Trumps Regierung erklärte laut "Axios" am Montag jedoch, dass die USA weiter "offen für Geschäfte" mit dem Mullah-Regime seien. "Wenn sie mit uns Kontakt aufnehmen wollen und die Bedingungen kennen, dann werden wir das Gespräch führen", wird der anonyme Beamte zitiert. Die Bedingungen für einen Deal sind Teheran demnach seit Ende vergangenen Jahres bekannt. Dem Bericht zufolge geht es den USA dabei vor allem darum, das Atomprogramm des Iran zu unterbinden. Dies war bereits Ziel im sogenannten Zwölftagekrieg im vergangenen Juni, als die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Israel den Iran bombardierten. Die USA nahmen dabei vor allem drei Atomanlagen ins Visier. Offenbar erzielte dies jedoch nicht vollständig den gewünschten Erfolg. Darauf deuten die nun von "Axios" und dem Portal "Iran International" kolportierten Bedingungen der USA für einen Deal mit dem Iran hin: Entfernung des gesamten angereicherten Urans aus dem Iran Verbot der Urananreicherung im Land Begrenzung der iranischen Bestände an Langstreckenraketen Änderung der iranischen Politik zur Unterstützung von Milizen in der Region Anerkennung des Staates Israel Pro-iranische Milizen wollen Chamenei schützen Obwohl auch das iranische Regime Gesprächsbereitschaft signalisierte, ist unklar, ob es die umfangreichen Bedingungen annehmen würde. Insbesondere die Anerkennung Israels wäre ein bedeutender Schritt, da beide Länder sich als Erzfeinde gegenüberstehen. Das Regime in Teheran droht regelmäßig mit der Zerstörung Israels, betrachtet das Land als Besatzungsmacht auf dem Staatsgebiet der Palästinenser. Vom Iran unterstützte Stellvertretergruppen wie die Terrororganisationen Hisbollah im Libanon oder die Hamas im Gazastreifen greifen Israel zusätzlich regelmäßig an. Die pro-iranischen Milizen geben sich derweil kampfbereit. Hisbollah-Anführer Naim Kassim erklärte, dass die Drohungen der USA gegen den iranischen Ajatollah Ali Chamenei auch als Drohungen gegen die libanesische Hisbollah selbst aufgefasst würden. Die Organisation habe "volle Befugnis, alle ihr angemessen erscheinenden Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Drohung entgegenzutreten", so Kassim. Die Hisbollah ist aktuell stark geschwächt: Seit November 2024 gilt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon eigentlich eine Waffenruhe. Die mit der Hamas im Gazastreifen verbündete Miliz hatte im Gaza-Krieg eine zweite Front gegen Israel eröffnet. Die libanesische Regierung hat zugesagt, die Hisbollah vollständig zu entwaffnen. Laut ihren Angaben ist die erste Phase der Entwaffnung abgeschlossen. Israel macht die Entwaffnung der Hisbollah zur Bedingung für ein Ende seiner Angriffe auf Ziele im Libanon. Am Sonntag rief zudem Abu Hussein al-Hamidawi, Kommandeur der Kataeb Hisbollah, einer Miliz im Irak , die Anhänger des Iran "auf der ganzen Welt dazu auf, sich auf einen totalen Krieg zur Unterstützung der Islamischen Republik Iran vorzubereiten". Ein Krieg gegen den Iran sei "kein Spaziergang". Mitte Januar hatte Trump im Interview mit "Politico" über Chamenei gesagt: "Dieser Mann ist krank und sollte sein Land ordentlich regieren und aufhören, Menschen zu töten. Sein Land ist aufgrund seiner schlechten Führung der schlechteste Ort zum Leben weltweit." Zudem erklärte Trump, dass ein Regimewechsel notwendig sei. Chamenei hatte Trump wiederum für die Proteste verantwortlich gemacht und als "Verbrecher" bezeichnet. Die USA müssten zur Verantwortung gezogen werden. Der Präsident des Iran, Massud Peseschkian, erklärte jede Aggression gegen Chamenei für gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische Nation. Das US-Außenministerium warnte daraufhin den Iran vor Angriffen auf US-Stützpunkte und kündigte für diesen Fall eine entschlossene Reaktion an. Lage im Nahen Osten hat sich verkompliziert Abseits der iranischen Drohgebärden wächst in Teheran aber offenbar die Angst, dass die USA ähnlich vorgehen könnten wie bei der Entführung von Maduro in Venezuela. Sie könnten Chamenei entführen oder ihn gar mit einem gezielten Schlag ausschalten wollen. Experten halten zumindest eine Entführung Chameneis aufgrund der Größe des Iran und der Lage der Hauptstadt Teheran im Landesinneren für unwahrscheinlich. Im Falle Venezuelas waren US-Militärhubschrauber in die küstennahe Hauptstadt Caracas eingedrungen. Ein ähnlicher Einsatz im Iran würde deutlich größere Ressourcen kosten. Zudem ist unwahrscheinlich, dass das Regime bei einer Entführung Chameneis einlenken würde. Der tatsächliche Nutzen einer Entführung ist also unklar. Gleichzeitig ist die Lage im Nahen Osten aktuell hochkomplex, auch weil in Syrien neue Kämpfe aufgeflammt sind. Zudem kommt es im Gazastreifen immer wieder zu Gefechten zwischen der israelischen Armee und der Hamas. Nicht zuletzt nahm Israel zuletzt seine Angriffe auf den Libanon aus Furcht vor einer Neuorganisation der Hisbollah wieder auf. Seit dem Eintreffen des Flugzeugträgerverbands hat der US-Präsident nun militärische Optionen auf dem Tisch. Er steht jedoch vor einem Dilemma: Einerseits droht er unglaubwürdig zu werden, wenn er das iranische Regime tatenlos seine roten Linien überschreiten lässt. Andererseits hätte ein Krieg gegen den Iran unabsehbare Folgen für den Nahen Osten.