Nach dem letzten Champions-League-Heimspiel steht Harry Kane erneut im Mittelpunkt – nicht nur wegen seiner Tore. Der Bayern-Stürmer spricht über eine liebgewonnene Tradition ganz nach seinem Geschmack. Aus München berichtet Julian Buhl Bevor Harry Kane kurz nach Mitternacht in den Katakomben der Münchner Arena vor die Kameras trat, suchte er zunächst einen sicheren Aufbewahrungsort für die Trophäe als Spieler des Spiels, die er mit sich trug. Der 32-Jährige, der am Mittwochabend mit einem Doppelpack den 2:0-Sieg im letzten Ligaheimspiel der Champions League gegen Union Saint-Gilloise und damit auch den vorzeitigen Achtelfinaleinzug sichergestellt hatte, blickte sich um. Dann drückte er die edle, dunkelblaue Schatulle, in der die silberne Trophäe verpackt war, sowie seinen Kosmetikbeutel einem Klubmitarbeiter in die Hand, der direkt neben den Reportern in der Mixed Zone stand. Kimmich kannte sie nicht: Diese neue Regel verändert alles WM in den USA ohne Europa-Teams Kimmich äußert sich zu WM-Boykott "Das ist ungeheuerlich": Klinsmann hat klare Meinung zu Karls WM-Nominierung Mit nun leeren Händen verriet Kane dann ein äußerst kurioses Torgeheimnis: Neben der Trophäe hatte er sich mit seinen beiden Treffern nämlich noch eine weitere Belohnung verdient, die in seiner Familienvilla im Münchner Nobelvorort Grünwald auf ihn wartete. Für jedes Tor, das der Topstürmer des FC Bayern schießt, bekommt er vom Wirt des in der Nachbarschaft gelegenen Waldgasthofs Baierbrunn nämlich ein Schnitzel nach Hause geliefert. Der "Schnitzel-Guy", der die Ware stets höchstpersönlich und gerne auch mal mit einem seiner Oldtimer ausliefert, ist den Security-Mitarbeitern im Hause Kane längst bekannt. Und Kanes Schnitzelgeheimnis hinter seinen vielen Toren damit gelüftet. "Es ist eine wirklich schöne Geschichte. Ich finde, es gehört zur Gemeinschaft und dazu, die Leute hier in der Gegend kennenzulernen", kommentierte Kane seine Schnitzellieferungen. Der Wirt, bei dem er bisweilen schon Freunde und Familie untergebracht hat, habe das unbedingt machen wollen, erzählte der 32 Jahre alte Kapitän der englischen Nationalmannschaft und lachte. "Er hat wahrscheinlich nicht erwartet, dass ich so viele Tore schieße." Allein in den 29 Pflichtspielen dieser Saison sind es schon wieder 34 Tore, also auch 34 Schnitzel. Die bekommt er abwechselnd mit Röstkartoffeln oder Kartoffelsalat nach Hause geliefert. Kane verpasst besonderes Schnitzel-Jubiläum nur kapp Schnitzel sei sein "deutsches oder bayerisches Lieblingsessen, auch wenn manche Leute sagen, es sei österreichisch", so Kane. Allzu viele panierte Schnitzel dürften es für Kane, der als Profi eigentlich streng auf eine gesunde Ernährung achtet, aber auch nicht sein. "Ich kann nicht behaupten, dass ich alle esse", sagte Kane. "Aber sie werden immer geliefert. Und meine Familie oder die Gäste, die ich im Haus habe, freuen sich darüber." Dieses Mal aber "nur" über zwei Portionen – den Schnitzel-Hattrick hatte Kane mit seinem zweiten Elfmeter, den er in der 81. Spielminute an die Unterkante der Latte schoss, schließlich knapp verpasst. Es wäre sein 100. verwandelter Elfer als Profi gewesen. Der dürfte in Anbetracht von Kanes Topform aber nur eine Frage der Zeit sein. Sein Hunger scheint schließlich nach wie vor schier unstillbar zu sein – auf Tore, Titel und Schnitzel.