Auch "Bild" in der Kritik: Daniel Günther legt in "Nius"-Debatte nach
Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther will Qualitätsstandards in Medien zum Thema machen – und führt als Negativbeispiele erneut "Nius" und "Bild" an.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther kritisiert erneut die Berichterstattung von Medien hierzulande scharf. "Wenn man so wie die Chefredakteurin der 'Bild' allen Ernstes in einem Kommentar schreibt, dass sie findet, dass ich als achteinhalb Jahre tätiger Ministerpräsident in Schleswig-Holstein eine größere Gefahr für die Demokratie darstelle als die AfD, dann sage ich sehr, sehr klar: Dann muss die sich mal hinterfragen, ob ihr Koordinatensystem verrutscht ist", so der CDU-Politiker am Montagabend bei einem Parteitermin in Neumünster in seinem Heimatbundesland.
Daniel Günther verteidigt seine Aussage über "Nius"
Die Journalistin Marion Horn hat Günther in dem Boulevardblatt vor gut einer Woche aufgefordert, seine Äußerungen in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" zurückzunehmen – oder von seinem Amt zurückzutreten. Er habe sich "eiskalt über die Grundlagen der Demokratie" hinweggesetzt.
Der Kieler Regierungschef hatte sich am bei Markus Lanz kritisch über die Methoden des rechtspopulistischen Portals "Nius" von Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt geäußert. "Wenn ich mir 'Nius'-Artikel angucke, mit denen ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen, da stimmt in der Regel nichts drin. Das ist einfach vollkommen faktenfrei, was an der Stelle gemacht wird." Portale wie 'Nius' seien durch ihre Art und Weise der Berichterstattung "Feinde der Demokratie".
Durch einen verfälschenden Zusammenschnitt von Günthers Antworten, der unter anderem von "Nius" verbreitet worden war, setzte sich bei vielen Konsumenten und Konsumentinnen des Portals – und offensichtlich auch in der "Bild-Chefredaktion und sogar in der Bundespolitik – der Eindruck fest, Günther wolle missliebige Medien zensieren. Vielfach wurde dem CDU-Politiker seither vorgeworfen, die Pressefreiheit beschränken zu wollen – zu Unrecht.
Denn tatsächlich forderte Günther bei "Markus Lanz" auf Nachfrage eine Beschränkung von Social-Media-Angeboten für unter 16-Jährige. "Ein Verbot oder eine Zensur von Medienportalen habe ich zu keinem Zeitpunkt thematisiert", hob Günther später in den "Kieler Nachrichten" noch einmal hervor. Nichtsdestotrotz will "Nius" gerichtlich gegen den Ministerpräsidenten vorgehen.
Auf der CDU-Veranstaltung in Kiel unterstreicht Günther seine Aussagen aus dem ZDF nochmals: "Alles, was ich in der Sendung gesagt habe, hat sich aus meiner Sicht in den vergangenen anderthalb Wochen eins zu eins bestätigt." Die Debatte über die Arbeitsweise von Medien müsse in diesem Land geführt werden. "Medien sind übrigens auch nicht heilig", so der Ministerpräsident. "Von daher muss das Demokratie auch aushalten, wenn man über die Frage von Qualitätsstandards in unserer Gesellschaft spricht."
Quellen: "Markus Lanz", "Bild"-Zeitung, "Nius", "Kieler Nachrichten", Nachrichtenagentur DPA
