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Wenn Lebensmittel im Geschäft unbemerkt teurer werden

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Manchmal steigen Preise von Produkten wie Schokolade, Saft oder Müsli - ohne dass es sofort auffällt. Experten sprechen von Mogelpackungen oder "Shrinkflation". Was hat es damit auf sich? Butter, Weintrauben, Olivenöl, Kartoffeln: Einige Lebensmittel sind zuletzt wieder günstiger geworden, andere teurer. Einige Preiserhöhungen sind schwer zu erkennen. Schrumpft eine Packung Aufstrich von 175 auf 150 Gramm bei gleichem Preis, zahlen Kunden faktisch mehr als vorher - ohne dass es sofort auffällt. Verbraucherschützer sprechen in solchen Fällen von Mogelpackungen. Die Zahl solcher versteckter Preiserhöhungen ist gestiegen. Was steckt dahinter? Wie viele Mogelpackungen gibt es? Offizielle Zahlen gibt es nicht. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine Liste mit mehr als 1.000 Mogelpackungen . Sie umfasst Produkte aus vielen Warengruppen. Häufig betroffen sind Markenprodukte, vor allem Süßwaren. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Produkte sei deutlich höher, sagt Lebensmittel-Experte Armin Valet. Er vermutet eine hohe Dunkelziffer. Einen Anspruch auf Vollständigkeit hat die Liste daher nicht. Im vergangenen Jahr wurden 77 Produkte neu aufgenommen - rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Verbraucher können verdächtige Artikel online melden. Die Organisation lässt im Januar über die "Mogelpackung des Jahres" abstimmen . Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis - wird auch als "Shrinkflation" bezeichnet. Shrink heißt übersetzt schrumpfen. Bekannte Beispiele Für Aufsehen sorgte 2025 der Milka-Hersteller Mondelez. Die Schokoladentafel verteuerte sich von 1,49 auf 1,99 Euro, der Packungsinhalt verringerte sich von 100 auf 90 Gramm. Der Grundpreis stieg damit um 48 Prozent. Für Kunden sei dies kaum zu erkennen, monierte die Verbraucherzentrale Hamburg und reichte Klage ein. Ein weiteres Beispiel sind Erdnuss Flippies Classic von Funny Frisch. Der Packungsinhalt wurde von 200 auf 175 Gramm reduziert, zugleich stieg der Preis um zehn Cent auf 2,29 Euro. Die Hersteller begründen das Vorgehen mit gestiegenen Kosten. Die Mengenreduzierung sei für Kunden erkennbar, heißt es. Warum machen Hersteller das? "Weil man so deutlich höhere Preiserhöhungen durchdrücken kann", sagt Verbraucherschützer Valet. Die durchschnittliche versteckte Preiserhöhung lag 2025 bei 28,4 Prozent. Das Vorgehen sei beliebt, weil Kunden den höheren Preis nicht so schnell bemerkten. Händlern komme es entgegen, weil Schwellenpreise wie 1,99 Euro gleich bleiben könnten. Laut der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) stehen Lebensmittelhersteller unter hohem Druck. Grund seien hohe Kosten, klimabedingt beeinträchtigte Ernten sowie starke Preissteigerungen bei Rohstoffen wie Kakao und Fleisch. Unternehmen versuchten zunächst, gestiegene Kosten intern abzufedern, heißt es. "Bleiben die Belastungen hoch, stehen die Hersteller vor einer Wahl: Preise erhöhen, Qualität senken oder die Menge anpassen." Letzteres sei unpopulär, halte aber Qualität und Preis stabil. "Sofern rechtliche Gestaltungsspielräume durch Vortäuschen falscher Füllmengen nicht überschritten werden, verbietet sich die diskreditierende Bezeichnung der Mogelpackung", sagt der stellvertretende BVE-Geschäftsführer Peter Feller. Den Endpreis lege im Übrigen nicht der Hersteller fest, sondern der Handel. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), sagt, der Einzelhandel beobachte aufmerksam die Praxis der Industrie, "zur Gewinnoptimierung Füllmengen zu verringern oder Zutaten zu verändern". Solche Maßnahmen könnten das Vertrauen in Markenprodukte verspielen. Wie Verbraucher auf das Thema blicken Laut einer YouGov-Umfrage würden 24 Prozent der Verbraucher eine kleinere Packungsgröße vorziehen, wenn der Preis gleich bleibt. 29 Prozent ziehen hingegen eine Preiserhöhung vor. Alle anderen Befragten sind unentschieden oder machten keine Angabe. Was wäre, wenn Supermärkte Produkte mit reduziertem Inhalt zum gleichen Preis kennzeichnen würden? 42 Prozent geben an, solche Hinweise gezielt in ihre Kaufentscheidung einzubeziehen. 22 Prozent würden sie beachten, aber nicht gezielt danach einkaufen, 12 Prozent eher beiläufig wahrnehmen. 10 Prozent geben an, dass sie sich nicht beeinflussen lassen würden, 4 Prozent würden Hinweisen kaum Aufmerksamkeit schenken. Was macht die Politik? Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht: "Wir setzen uns für mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen ein." Was daraus konkret wird, ist offen. Das Umweltministerium verweist auf dpa-Anfrage auf das für Verbraucherschutz zuständige Justizministerium, das Justizministerium wiederum an das Wirtschaftsministerium. Dies sieht sich jedoch ebenfalls nicht zuständig. Die Verbraucherzentrale fordert verpflichtende Hinweise auf Mengenreduktionen sowie sichtbare Kennzeichnungen in Geschäften. Handel und Industrie lehnen das ab. Die BVE warnt vor zusätzlicher Bürokratie und höheren Kosten. Hinweise wie "weniger Inhalt" könnten Kunden abschrecken. Laut HDE sind Mogelpackungen durch das Lauterkeitsrecht bereits verboten. Weiterer Regulierungsbedarf bestehe nicht. Für Kunden seien Preiserhöhungen erkennbar, weil bei Fertigpackungen stets der Grundpreis pro Kilo oder Liter angegeben sei. Andere Länder sind weiter. Österreich will versteckte Preiserhöhungen strenger ahnden. Die Bundesregierung hat sich kürzlich auf ein Gesetz geeinigt, wonach Händler Mengenreduzierungen bei gleichem Preis 60 Tage kennzeichnen müssen. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 15.000 Euro. In Frankreich , Rumänien und Ungarn gelten entsprechende Pflichten bereits seit 2024. "Skimpflation" - noch eine Variante Verbraucherschützer beobachten noch einen Trend: Einige Hersteller ersetzen Zutaten wie Fleisch, Butter oder Haselnüsse durch günstigere wie Wasser oder Aromen. Das Phänomen heißt "Skimpflation". Verbraucher kauften scheinbar das gleiche Produkt, erhielten aber weniger Qualität fürs Geld, so Valet.





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