Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, es ist zwar schon ein Weilchen her, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie hoch mein erstes Taschengeld ausfiel und wofür ich es ausgegeben habe. 50 Pfennig pro Woche, ausgezahlt immer samstags und umgehend am nächsten Kiosk umgewandelt in ein Mini-Milk-Eis von Langnese, Geschmacksrichtung Erdbeere. Manchmal hatte ich mich aber auch im Griff und habe das Geld regelrecht angehäuft: Dann hatte ich nach einem Monat sagenhafte zwei D-Mark zusammen und konnte mir die gefühlt größte Gemischte Tüte der Welt kaufen (kein Lakritz, bitte, aber viel Saures, danke!). 1993 war das, ich war gerade in die Schule gekommen und ging mit meinem Taschengeld so um, wie es wohl jede normale Sechsjährige auch heute noch tun würde. Daran ist auch nichts verwerflich. Den Umgang mit Geld zu lernen und soziale Interaktion mit Fremden gleich mit sind wichtige Fähigkeiten. Trotzdem hätte es natürlich schlauere Investitionen gegeben als Weingummi und Milcheis. Das sieht offenbar auch die Bundesregierung so und hat sich für jedes Schulkind die sogenannte Frühstart-Rente ausgedacht . Dabei will sie Kindern zwischen 6 und 17 Jahren jeden Monat 10 Euro spendieren, um diese dann für deren Altersvorsorge am Aktienmarkt anzulegen. Die Erträge sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei sein, erst in der Rentenphase fallen Steuern an. Bisher haben sich Union und SPD nur auf Eckpunkte für dieses Vorhaben geeinigt, ein Gesetzentwurf soll aber in diesem Jahr folgen und die Reform dann rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft treten. Profitieren sollen als Erstes alle Kinder des Geburtsjahrgangs 2020. Jedes Jahr soll der jeweils nächstjüngere Jahrgang hinzukommen. Ab 2029 könnten auch ältere Jahrgänge profitieren, heißt es im Eckpunktepapier vage. Nachdem die schwarz-rote Koalition im vergangenen Jahr zu Recht viel Kritik für ihr nahezu reformfreies, aber teures Rentenpaket einstecken musste, ist die Frühstart-Rente eine der besten Rentenideen seit Langem. Klar, mit 10 Euro im Monat kommt man auch am Aktienmarkt nicht weit, wenn es darum geht, die spätere Rentenlücke zu schließen . Doch dabei muss es ja nicht bleiben: Laut dem Eckpunktepapier des Bundesfinanzministeriums soll die staatliche Förderung durch eigene Zuzahlungen erhöht werden können. Hätte ich seit 1993 jeden Monat 10 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF stecken können, wären daraus bis heute bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent pro Jahr 12.058 Euro geworden. Wären meine Eltern, Großeltern, Tanten oder Onkel so nett gewesen, die monatliche Sparrate auf 50 Euro aufzustocken und hätte ich das selbst mit 18 Jahren so fortgeführt, hätte ich heute bereits rund 60.300 Euro im Depot. Einzahlungen von 100 Euro im Monat wären 33 Jahre später sogar auf knapp 120.600 Euro gewachsen. Rechnet man noch einmal 28 Jahre bis zum Alter von 67 Jahren drauf, hätten es gut 701.200 Euro werden können. Lieber nicht zu lange darüber nachdenken … In eine Sinnkrise stürzt mich dieses Gedankenspiel allein deshalb nicht, weil es Anfang der 90er-Jahre in Deutschland noch gar nicht die Möglichkeit gab, Geld auf diese günstige Weise anzulegen. Außerdem habe ich vor einigen Jahren selbst einen ETF-Sparplan aufgesetzt , der mir bis zum Renteneintritt mit 67+ helfen dürfte, ein zusätzliches Polster für den Ruhestand aufzubauen. Viele andere Sparer in Deutschland schrecken aber weiter vor Aktienfonds und Co. zurück, lassen ihr Geld stattdessen auf gering oder gar unverzinsten Konten versauern . Die Frühstart-Rente könnte das grundlegend ändern – wenn sie richtig aufgesetzt und von Maßnahmen zur finanziellen Bildung begleitet wird, etwa im Schulunterricht. Nicht nur die Kinder können hier noch etwas lernen, auch viele Eltern werden erstmals die Vorteile einer günstigen Geldanlage am Kapitalmarkt zu sehen bekommen. Voraussichtlich ab 2027 werden Erziehungsberechtigte ein Depot für die Frühstart-Rente bei einem Anbieter ihrer Wahl eröffnen können. Schon dieser erste Schritt zwingt sie, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Aber auch unabhängig davon, wie engagiert das eigene Elternhaus ist, sollen Kinder von dieser Art Altersvorsorge profitieren können: Kümmern sich die Eltern nicht, fließt das staatliche Geld in eine Auffanglösung. Der Staat legt die Fördersumme dann "einfach, transparent und für Dritte nachahmbar" an, wie es im Eckpunktepapier heißt. Das Fördergeld und eventuelle Erträge erhalten die Kinder dann nachträglich, sobald ihre Eltern später ein Depot für sie eröffnen oder wenn sie selbst ab 18 Jahren dazu in der Lage sind. Wichtig ist jedoch, dass diese Auffanglösung nicht unnötig teuer ist. Sonst wären Kinder, deren Eltern sich nicht kümmern wollen oder können, noch stärker im Nachteil als ohnehin schon. Hoffnung, dass die Frühstart-Rente tatsächlich zu einem Motor für mehr Aktienkultur in Deutschland wird, machen Zahlen, die das Deutsche Aktieninstitut vor zwei Tagen veröffentlicht hat. Demnach haben im vergangenen Jahr 14,1 Millionen Bürger Geld am Aktienmarkt angelegt – so viele wie noch nie zuvor. Inzwischen investiert damit fast jede fünfte Person über 14 Jahren in Aktien, Fonds oder ETFs. Interessant ist auch: Der Boom wird vor allem von den unter 40-Jährigen getragen. Mehr als 60 Prozent des gesamten Zuwachses gehen auf diese Altersgruppe zurück. Sie sind mit 4,9 Millionen Investierenden inzwischen sogar die größte Anlegergruppe. Allerdings zeigen die Zahlen des Aktieninstituts auch, wo es noch hakt. Frauen, Geringverdiener und Menschen in strukturschwächeren Regionen schaffen es seltener, privat fürs Alter vorzusorgen. Dabei hätten es gerade diese Gruppen besonders nötig. Der Grund liegt auf der Hand: Wer weniger verdient, dem bleibt kaum bis gar kein Geld übrig, das er anlegen könnte. Startkapital wie die Frühstart-Rente oder die staatliche Förderung für das sogenannte Altersvorsorgedepot, das ab 2027 gleichzeitig mit der Frühstart-Rente eingeführt werden und die Riester-Rente ablösen soll , sind daher unerlässlich, wenn man auch diese Gruppen an den Erträgen des Aktienmarkts teilhaben lassen möchte. Darauf warten, dass die Politik die bessere private Altersvorsorge auf den Weg bringt, müssen Sie aber nicht. Schon heute können Sie Juniordepots für den Nachwuchs oder ein Depot für sich selbst eröffnen. Die enthalten dann zwar nicht die staatliche Förderung, sind dafür aber flexibler. Ein Depot für die Frühstart-Rente oder ein gefördertes Altersvorsorgedepot können Sie sich später immer noch zulegen. Wer mehrere Kinder hat, von denen nicht alle von der Frühstart-Rente profitieren, weil sie zu früh geboren wurden, sollte für diese ohnehin ein eigenes Depot mit gleich hohen Beträgen besparen. Sonst steht Kind 1 mit 18 Jahren mit null Euro da, während Kind 2 sich bis dahin über mindestens 2.090 Euro im Depot freuen könnte. Dem Familienfrieden wäre das sicher nicht zuträglich. Hilfe beim Einstieg finden Sie auch bei uns auf t-online: Wir im Finanzressort veröffentlichen gerade regelmäßig Ratgeber für die neue Serie "Ihr Weg an die Börse". Dort lernen Sie beispielsweise, warum sich jeder an Aktien trauen sollte , wie Sie schon mit kleinen Beträgen einsteigen und welches Depot sich für Anfänger eignet . Schauen Sie am besten gleich vorbei! Dann sind Sie direkt startklar, wenn 2027 die ersten Fördergelder fließen. Und wenn doch noch etwas den Regierungsplan verhageln sollte, auch kein Drama. Dann machen Sie sich Ihre Extra-Rente mit Aktien eben selbst. Umfrage Außenpolitik Wenn Regeln nicht mehr zählen Lange hielt man es in Europa für undenkbar: Ein Nato-Partner droht einem anderen Nato-Partner mit Entmachtung. Und plötzlich muss sich auch Deutschland mit der Frage beschäftigen, wie man Dänemark in der Arktis militärisch stützen kann. Ein Erkundungsteam aus 13 Soldaten schickt die Bundeswehr dafür schon heute nach Grönland . US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mehrfach angekündigt, die Arktisinsel kaufen oder mit anderen Mitteln unter die Kontrolle der USA bringen zu wollen. In Washington wird also nicht mehr diplomatisch umworben, sondern unverblümt beansprucht. Das Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland endete ohne Lösung, die "fundamentale Meinungsverschiedenheit" bleibt bestehen. Zwar soll nun binnen weniger Wochen eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, doch Trump machte erneut klar, dass er von seinem Anspruch nicht abweiche: Alles andere als ein Grönland "in den Händen der Vereinigten Staaten" sei "inakzeptabel". Trump begründet seine Forderung mit Sicherheitsinteressen in der Arktis. Tatsächlich sehen Nato-Militärs vor allem Chinas wachsende Aktivitäten im hohen Norden kritisch, etwa durch Forschungsschiffe und gemeinsame Patrouillen mit Russland. Aber Europas größtes Problem liegt gerade woanders: Ist die Nato überhaupt noch ein Bündnis gemeinsamer Regeln? Wenn Brüssel Trumps Drohungen als "inakzeptabel" verurteilt und Dänemark seine Militärpräsenz hochfährt, ist das der Versuch, Ordnung zu schaffen. Doch Ordnung funktioniert nur, solange sich auch die Stärksten an sie halten. überblick Termine des Tages Heute debattiert der Bundestag erstmals über eines der Kernvorhaben der Bundesregierung: Das Bürgergeld soll durch eine neue Grundsicherung ersetzt werden . Sie umfasst härtere Regeln und schärfere Sanktionen, um mehr Menschen in Arbeit zu bringen und den Missbrauch von Sozialleistungen zu unterbinden. Die Union setzt mit der Reform ein zentrales Wahlversprechen um, die SPD macht ihr eigenes Projekt aus Ampelzeiten rückgängig. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die vorläufigen Jahresergebnisse für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025. Das BIP ist die zentrale Kennziffer für das Wirtschaftswachstum, seine Entwicklung steht stellvertretend für die wirtschaftliche Lage des Landes. Die Zahlen dürften auch neues Futter für die Diskussionen rund um eine Reform der Erbschaftsteuer sowie eine frühere Senkung der Körperschaftsteuer für Unternehmen liefern. Lesetipps Donald Trump bleibt dabei: Er will Grönland. Im Interview mit meinem Kollegen Mauritius Kloft spricht der ehemalige dänische Grönland-Minister Tom Høyem über die Provokationen aus Washington und welche Chance sich ausgerechnet jetzt ergeben könnte. Artikel lesen Die AfD wird ihre China-Affäre nicht los: Der AfD-Abgeordnete Petr Bystron ist auf Kosten Chinas per Business-Class zum Luxusaufenthalt nach Beijing gejettet, berichtet mein Kollege Jonas Mueller-Töwe. Artikel lesen Das Regime im Iran schlägt die Massenproteste gewaltsam nieder. Gleichzeitig feuert Trump die Demonstranten an. Steht das Land vor einer Revolution? Der Iran-Experte Walter Posch ordnet die Lage im Interview mit meinen Kollegen Nilofar Breuer und Simon Cleven ein. Artikel lesen Es sind komplizierte Zeiten. Ausgerechnet Elon Musk beweist mit seinem Engagement im Himmel über Iran, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, schreibt unsere Kolumnistin Nicole Diekmann. Artikel lesen Ohrenschmaus "Every cent you take": Der britische Sänger Sting und seine früheren Bandkollegen streiten sich seit gestern vor Gericht um Tantiemen für Songs ihrer früheren Band The Police. Dabei geht es natürlich auch um Einnahmen aus diesem Megahit . Zum Schluss Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Start in den Tag! Morgen schreibt Ihnen wieder Florian Harms. Herzlichst Ihre Christine Holthoff Senior Redakteurin Finanzen Mit Material von dpa und AFP.