Ob Gold nützt, zeigt sich nicht in einzelnen Jahren. Eine Analyse über mehrere Jahrzehnte liefert Hinweise, wann das Edelmetall im Depot helfen kann – und wann nicht. Gold eilt von Rekord zu Rekord. Erstmals kostete eine Feinunze – rund 31 Gramm – mehr als 4.400 US-Dollar, in der Spitze sogar 4.420 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich der Goldpreis um fast 70 Prozent erhöht. "2025 wurde der Goldpreis vor allem durch sinkende Realzinsen, einen schwachen US-Dollar und geopolitische Unsicherheiten getrieben", sagt York Tetzlaff, Chef des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle. Für viele Anlegerinnen und Anleger wirkt das Edelmetall damit wie ein verlässlicher Renditeturbo. Doch Kritiker sehen in Gold vor allem einen "unproduktiven" Sachwert. Es wirft weder Zinsen noch Dividenden ab – liegt physisch im Safe und "arbeitet" nicht. Es generiert also keinen Cashflow. Befürworter sehen darin hingegen einen sicheren Hafen, also eine Anlage, die in Krisenzeiten an Wert gewinnt. Wie sinnvoll Gold im Depot wirklich ist, zeigt eine Analyse des Vermögensverwalters HQ Trust. Gold wirkt anders als Aktien und Anleihen Der Kapitalmarktanalyst Pascal Kielkopf von HQ Trust hat untersucht, wie sich Gold im Vergleich zu einem klassischen Mischportfolio entwickelt hat. Dieses sogenannte 60/40-Portfolio besteht zu 60 Prozent aus Aktien weltweit (MSCI ACWI) und zu 40 Prozent aus globalen Staatsanleihen, deren Währungsrisiken abgesichert sind. Betrachtet wurde der lange Zeitraum von 1973 bis 2025. Das zentrale Ergebnis: Gold bewegt sich oft unabhängig von Aktien und Anleihen. "Die Jahresrenditen von Gold und dem 60/40-Portfolio verlaufen relativ unabhängig voneinander – manchmal in die gleiche Richtung, oft aber auch gegenläufig", sagt Kielkopf. Genau diese geringe Korrelation mache Gold interessant, weil sie hilft, Risiken im Depot zu streuen und Schwankungen abzufedern. Krisenschutz mit Nebenwirkungen: Gold schwankt stark Besonders in schwierigen Börsenjahren erfüllte Gold seine Rolle als Krisenmetall. In neun von elf Jahren, in denen das 60/40-Portfolio Verluste verzeichnete, erzielte Gold eine positive Rendite . "Besonders eindrucksvoll waren Jahre wie 1974, 2008 oder 2022, in denen der Goldpreis kräftig zulegte, während das Portfolio im Minus lag", fasst Kielkopf zusammen. Glanz, Macht und Triumph: Warum Gold seit Jahrtausenden begehrt ist Frag t-online: Kann Gold wertlos werden? Doch der Experte warnt davor, sich allein von der rasanten Gold-Rally blenden zu lassen. "Wer vor allem auf die jüngste Vergangenheit schaut, könnte vergessen, dass nicht jedes Jahr ein goldenes Jahr für Anleger war." So belastete Gold beispielsweise 1975 oder 2013 die Rendite von Portfolios deutlich. Auch lange Durststrecken gehörten zur Geschichte: Zwischen 1981 und 1999 erzielte Gold häufig negative Jahresrenditen, während Aktien und Anleihen solide Erträge lieferten. Gold als Versicherung, nicht als Wette Für Kielkopf steht deshalb fest: "Gold ist kein Ersatz für Aktien oder Anleihen – und schon gar keine Garantie für stets höhere Renditen." Seine Stärke liege nicht im schnellen Gewinn, sondern im Schutz vor Extremszenarien. Als strategische Beimischung könne Gold helfen, Wertverluste in Krisenzeiten zu begrenzen und das Depot stabiler zu machen. Die verpasste Rally: So viel Geld haben vorsichtige Anleger liegen lassen Schnelle Erfolge: So lange dauert es wirklich, bis sich Ihr Geld verdoppelt Aus Sicht von HQ Trust erscheint eine Goldquote von bis zu zehn Prozent sinnvoll. Entscheidend sei weniger der kurzfristige Renditebeitrag als der langfristige Stabilisierungseffekt. "Wer Gold hält, sollte es nicht als Spekulation verstehen, sondern als Versicherung gegen Zeiten, in denen klassische Kapitalmarktlogiken nicht mehr greifen", sagt Kielkopf. Was spricht für Gold im Jahr 2026? Nach der rasanten Rally stellt sich für viele Anlegerinnen und Anleger die Frage, ob Gold auch im kommenden Jahr eine stabilisierende Rolle spielen kann oder ob dem Edelmetall nach den starken Gewinnen die Luft ausgeht. "Für 2026 spricht vieles für einen weiterhin festen Goldpreis", sagt Goldexperte York Tetzlaff. Sinkende Zinserwartungen, geopolitische Unsicherheiten und die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken bildeten ein robustes Fundament – auch wenn zwischenzeitliche Schwankungen möglich seien. Eskalieren geopolitische oder handelspolitische Konflikte, könne Gold sogar überproportional reagieren. Auch der World Gold Council zeichnet ein ähnliches Bild. Verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum oder kommt es zu einem stärkeren Abschwung, seien moderate bis starke Gewinne möglich. Umgekehrt könnte eine Beschleunigung des Wachstums, verbunden mit höheren Zinsen und einem stärkeren US-Dollar , den Goldpreis belasten. Sicher ist nur eines: Gold bleibt ein Stabilitätsfaktor – aber kein Selbstläufer.