Sigmar Gabriel verteidigt die Asylpolitik von Altkanzlerin Merkel. Ohne Gewalt hätte man die Flüchtlinge 2015 nicht aufhalten können, so der SPD-Politiker. Der SPD-Politiker und langjährige Bundesminister Sigmar Gabriel hat die Entscheidung der Bundesregierung verteidigt, die Grenzen im Jahr 2015 für Flüchtlinge offen zu lassen. "Damals gab es ja auch Menschen, die ziemlich finstere Vorstellungen hatten, was wir tun sollten: Also die Grenzen abriegeln und im Zweifel auch die Bundeswehr oder den Bundesgrenzschutz auf Flüchtende schießen lassen", sagte Gabriel der "Bild". "Anders hätte man nämlich 7.000 bis 10.000 Menschen, die da pro Tag kamen, gar nicht aufhalten können", so Gabriel weiter. Es sei daher richtig gewesen, die Grenzen nicht zu schließen. "Wie bitte soll das eigentlich gehen – außer mit militärischer Gewalt und mit dem Einsatz von Waffen?", verteidigt Gabriel die Entscheidung der Regierung, der er damals als Wirtschaftsminister selbst angehörte. Zehn Jahre "Wir schaffen das" : So sieht Merkel ihren berühmten Satz heute Im Gespräch mit Geflüchteten: Merkel distanziert sich von Merz' Flüchtlingspolitik Gabriel: "Da haben wir uns auch Illusionen gemacht" "Wer da im Rückblick sagt, man hätte die Grenzen schließen müssen, ist entweder naiv oder hat keine Vorstellung davon, was damals los war", so Gabriel weiter. "Oder es sind Menschen, die kein Herz im Leib haben und sagen, man soll auf Flüchtlinge schießen. Anders hätte man die Menschen nicht aufhalten können. Bei ,Bild' darf man ja eine klare Sprache sprechen: Das sind Klugscheißer", ergänzte Gabriel. Im Jahr 2015 nahm Deutschland fast eine Million Flüchtlinge auf. Die meisten von ihnen waren vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflüchtet und hatten jahrelang in Flüchtlingslagern in Nachbarländern gelebt. Als die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln immer schlechter wurde, machten sich viele von ihnen über die Balkan-Route auf den Weg nach Mitteleuropa. In der Folge handelte die Regierung von Kanzlerin Merkel (CDU) ein Abkommen mit der Türkei aus. Die Regierung in Ankara schloss daraufhin die Fluchtrouten durch das Land. Im Interview äußerte sich Gabriel auch selbstkritisch. Zwar sei es richtig gewesen, die Menschen damals aufzunehmen. Aber: "Wir haben nach dieser Welle die danach kommende Einwanderung nicht ausreichend kontrollieren können", so Gabriel, der von 2017 bis 2018 Außenminister war. "Es ist eben doch nötig, mit den Herkunftsstaaten Verabredungen zu treffen." Wenn Menschen erst in Europa seien, sei es schwierig, jene ohne Aufenthaltsberechtigung zurückzuschicken, so Gabriel. "Und was auch nicht gelungen ist, ist in großem Maße die Integration. Da haben wir uns auch Illusionen gemacht über die Größe der Aufgabe."