Ein weiteres „Nie wieder“
Die Wahl des Ortes für die Gedenkveranstaltung ist kein Zufall. Auf dem Gelände der orthodoxen Kirche im Dorf Artjomowo befindet sich ein Denkmal für die Roma, die während des Zweiten Weltkriegs Opfer des Völkermords wurden. Auch das Datum ist kein Zufall: Der 2. August ist der Europäische Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma. An diesem Tag im Jahr 1944 wurden 2898 Roma im Vernichtungslager Auschwitz in den Gaskammern getötet. Insgesamt kamen während des Zweiten Weltkriegs mehr als 20 Prozent aller Roma durch die Hand der Nazis ums Leben. Darauf wies der Leiter der Stiftung „Wir sind Roma“, Antosch Kowacz, in seiner Rede zur Eröffnung des Treffens in Artjomowo hin.
Der 2. August ist ein nationaler Trauertag, aber an diesem Tag sind die Roma nicht allein. Traditionell nahmen Vertreter verschiedener Organisationen und Nationalitäten an der Gedenkveranstaltung teil. Neben Vertretern der Stiftung und der Föderalen National-Kulturellen Autonomie der russischen Roma nahmen auch Mitarbeiter der Föderalen Agentur für die Angelegenheit der Nationalitäten Russlands, des Internationalen Hauses der Freundschaft im Verwaltungsbezirk Puschkino in der Region Moskau sowie des Hauses der Völker Russlands an der Gedenkveranstaltung teil.
Die deutsche Auslandsvertretung in Moskau richtete eine Unterstützungsbotschaft an die Versammelten in Artjomowo. Für die deutsche Seite sind die Verbrechen des Nazi-Regimes während des Zweiten Weltkriegs ein Thema, das man nicht vergessen darf. Nur wenn man sich mit den schweren historischen Erfahrungen auseinandersetzt, kann man die richtigen Schlüsse ziehen und damit die Grundlage dafür schaffen, dass sich so etwas nie wiederholt. Nie wieder. Alle Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass die Erinnerung an den Völkermord an den Roma mehr Aufmerksamkeit erfordert. So betonte Leonid Tjoruschkin, Leiter der Archivabteilung des wissenschaftlichen Bildungszentrums „Holocaust“, in seiner Rede bei der Veranstaltung die Notwendigkeit, die Namen der Gerechten, die Roma vor den Händen der Nazi-Verbrecher retteten, im historischen Gedächtnis zu bewahren. Es ist klar, dass dies keine einfache Aufgabe ist. Pjotr Zarkow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Sozial- und Politikforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften und Teilnehmer des Internationalen Roma-Kongresses, würdigte den Beitrag der Stiftung „Wir sind Roma“ zur Verewigung des Andenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik. Er wies jedoch auch auf die Komplexität dieser Arbeit hin: Es sind nicht viele historische Dokumente erhalten geblieben. Dennoch wird dieses Thema sicherlich weiter untersucht werden.
Igor Beresin
Запись Ein weiteres „Nie wieder“ впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.
