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Май
2023

Kliniken | Katastrophale Zustände in der Notaufnahme: Schmerzen? Was für Schmerzen?

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Mit Blinddarmentzündung wieder nach Hause geschickt: Viele kennen es aus eigener Erfahrung. Die Situation in Deutschlands Notaufnahmen ist eine Katastrophe. Nicht grundlos fragt man sich, ob Gesundheitsminister Lauterbach einen Plan hat

Diesen Tag wird Bert S. nicht so schnell vergessen: Er steht auf einer Brücke in Berlin und schreit ins Telefon: „Ich sage Ihnen, ich springe sofort hier runter! Dann können Sie zwei Betten reservieren.“ Am anderen Ende der Leitung eine Klinikärztin, die ankündigt, dass die 83-jährige Mutter von Bert S. sofort nach Hause zurückverlegt werde, im Krankenhaus gebe es keinen Platz für sie. Das Gespräch eskaliert, als sich die Ärztin darüber aufregt, dass die alte Dame keinen Wohnungsschlüssel bei sich hat. Aber das ist mit gutem Grund so.

Denn als Bert S. seine Drohung ausspricht, ist er nicht depressiv oder lebensmüde, sondern nach dem, was er in den Wochen zuvor mitgemacht hat, einfach nur völlig fertig. Er gehört zu der Gruppe, die im Amtsdeutsch „pflegende Angehörige“ genannt wird, in Deutschland sind das 4,8 Millionen Menschen. Mehr als die Hälfte davon sind erwerbstätig und über ein Drittel aller Betroffenen alleine zuständig für die Pflege, wie Bert S., der an drei Tagen die Woche arbeitet und sich außerdem um seine Mutter mit Pflegegrad 2 kümmert. Dafür erhält er monatlich 316 Euro Pflegegeld. Auch mit der neuen Pflegereform wird er kaum bessergestellt.

Grob fahrlässige Diagnose

Doch was war bei Bert S. passiert? Ende März wird er vom Malteser-Hausnotruf nachts um halb drei alarmiert. Er findet seine Mutter mit einer Platzwunde am Kopf in einer Blutlache. Sie wird zur Rettungsstelle gebracht und, weil es dort keine Kapazitäten gibt, in einem anderen Krankenhaus notversorgt. Kurz darauf transportiert man sie wieder nach Hause. Der Sohn wird nicht informiert. Ohne medikamentöse Versorgung bleibt die schmerzgeplagte und zunehmend verwirrte alte Frau in der Obhut von Bert S.

Aus der in Aussicht gestellten Reha wird nichts, dann geht auch noch der Hausarzt in Urlaub. Ingrid S. geht es zunehmend schlechter, sie äußert Suizidgedanken, sodass sie Anfang April in die Psychiatrie eingewiesen wird. Der Wohnungsschlüssel bleibt zu Hause. „Ich bin regelrecht geflüchtet“, sagt Bert S., „ich konnte nicht mehr und wollte nicht, dass sie noch mal ohne mein Wissen zurückgebracht wird.“ Kurz darauf das dramatische Telefonat zwischen ihm und der Ärztin, die es ablehnt, Ingrid S. in die Klinik aufzunehmen.

Schließlich wird die Patientin in die Charité verlegt. Die Diagnose dort: Beckenringbruch und Hirnblutung. Die Behandlung der alten Frau sei grob fahrlässig gewesen, urteilen die behandelnden Ärzte.

Das Beispiel von Ingrid S. ist kein Einzelfall, sondern inzwischen die Normalität in der Notfallversorgung. „Der Rettungsdienst steht vor dem Zusammenbruch“, warnte im Dezember 2022 das Bündnis „Pro Rettungsdienst“. „Lausig“, beurteilte der Grünen-Politiker und Notfallmediziner Janosch Dahmen kürzlich die Situation.

Auch Luis P. hat bittere Erfahrungen gemacht. Mit heftigen Leibschmerzen suchte er kürzlich nachts eine Klinikambulanz im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland auf. Nach sechs Stunden wurde er, mit Schmerzmitteln vollgepumpt und mit der Diagnose Gastritis, nach Hause geschickt, obwohl Symptome und Tests klar auf eine Blinddarmentzündung hinwiesen. Als die Schmerzen nach einem Tag unerträglich wurden, fuhr er noch mal dorthin. „Ich lag schmerzgekrümmt auf dem Boden, es passierte nichts. Erst als andere wartende Patienten auf mich aufmerksam machten, wurde ein Arzt herbeigerufen.“ Was sich angedeutet hatte, bestätigte sich. Nur war der Blinddarm inzwischen durchgebrochen, und P. hatte sich zudem eine eitrige Bauchfellentzündung zugezogen. So etwas kann lebensbedrohlich sein. „Die Hürden bei der Rettungsstelle“, hält Luis P. fest, „waren fast unüberwindlich und die Empathielosigkeit nicht zu überbieten. Nie wieder.“

Medizinische Notfälle lösen bei den Betroffenen oft Panik aus, das gilt vor allem nachts oder an Sonn- und Feiertagen. Gerade da sind die Notrufe von Feuerwehr und Ärztlichem Notfalldienst jedoch überlastet, und in den Klinikambulanzen fehlt es an Personal. Doch auch tagsüber wissen sich Patient:innen mit akuten Beschwerden oft nicht mehr zu helfen, weil sie sich die Finger dünn klopfen und dennoch keinen Termin bei einem niedergelassenen Arzt ergattern. In ihrer Not gehen sie dann in die Klinik und werden, wie kürzlich vom Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, öffentlich beschimpft, weil sie Notfalldienste ohne Not in Anspruch nehmen. Gassen forderte eine Strafgebühr, erntete aber viel Kritik. Dass etwas mit den Notfallambulanzen im Argen liegt, zeigt auch eine Studie der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG): Drei Viertel aller befragten Patient:innen beurteilten die Versorgung als mittel bis schlecht. Ebenso viele Kliniken erklärten, dass die Personalausstattung in der Pflege und beim Ärztlichen Dienst in den Notaufnahmen angespannt bis sehr angespannt sei. 91 Prozent haben schon verbale oder tätliche Gewaltsituationen von Patient:innen oder Angehörigen erlebt.

Handlungsbedarf sahen deshalb schon die Vorgänger des amtierenden Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD), doch sowohl Hermann Gröhe als auch Jens Spahn (beide CDU) scheiterten mit der Neuordnung des zweigleisigen Systems am Widerstand der Niedergelassenen und der Kliniken. Denn dabei geht es um Macht und um viel Geld. Lauterbach beziehungsweise die von ihm eingesetzte Regierungskommission zur Krankenhausreform wollen das Problem nun angehen. Ihr Zauberwort heißt „integriert“. Hört sich gut an und könnte bedeuten, die Sektorengrenzen zwischen ambulant und stationär endlich stückweise aufzuheben. Deutschland ist eines der wenigen Länder mit strikter Trennung der Behandlungsbereiche.

Zum einen schlägt die Kommission nun „integrierte Leitstellen“ vor, was hieße, die Notfallnummern zusammenzulegen. Die Zentrale nähme eine Ersteinschätzung vor, verordnete Notfallmedikamente oder würde Patient:innen entweder in eine reguläre Praxis, in den Notdienst oder in eine Ambulanz leiten. Oder diese gehen gleich in eines der neuen „integrierten Notfallzentren“ (INZ), das dann entscheidet. „Doch die versprochene ‚Revolution‘“, sagt der Arzt Thomas Böhm vom Bündnis „Krankenhaus statt Fabrik“, bleibe auch in diesem Fall aus. „Denn die jetzigen beiden Notfallnummern bleiben erhalten, wie die doppelte Versorgungsstruktur überhaupt. Sie werden lediglich zusammengeschaltet und dann in unterschiedlichen Zeitphasen bearbeitet. In der Realität werden Hilfesuchende, die in der Warteschleife hängen, also eher 112 anrufen als 116117. Eine saubere Lösung wäre eine einzige Nummer.“

Entscheidung am Tresen

Noch halbherziger ist das Konzept der INZ. Solche Zentren sollen künftig bei den Krankenhäusern der Versorgungsstufe 2 und den niedergelassenen Notfalldiensten der Krankenversicherungen angesiedelt werden, Letztere wären allerdings nur zu eingeschränkten Zeiten und nicht in der Nacht erreichbar. An einem „Tresen“ wird dann entschieden, ob ein Patient nach Hause geschickt oder in der Notfallambulanz versorgt wird. Die Abgewiesenen dürfen sich dann an der Pforte der Haus- oder Fachärzte anstellen. Direkt in eine Klinikambulanz werden sie nicht mehr vordringen.

Wird Lauterbachs Krankenhausreform umgesetzt, würden nur noch 260 Krankenhäuser der Stufe 2 und 160 Einrichtungen der Stufe 3 berechtigt sein, ein solches INZ aufzubauen. Bisher unterhalten 1.555 Krankenhäuser Notaufnahmen. „Das ist auch so gewollt“, sagt Böhm. „Die Grundidee ist, dass nach der Schließung von Kliniken möglichst wenig Leute noch ins Krankenhaus kommen, sondern schon im Vorfeld abgefangen und ‚umgeleitet‘ werden. Das senkt Kosten.“ Viel sinnvoller wäre es, Notfälle grundsätzlich bei den Kliniken anzusiedeln, statt sie durch das medizinische Versorgungsdickicht zu schicken. „Man könnte so viele Leidensgeschichten vermeiden und Ressourcen sparen.“ Dem Gegenargument, die Kliniken würden dann immer mehr Patient:innen abgreifen, hält er entgegen, dass dafür die Fallpauschalen verantwortlich seien. „Solange medizinische Leistungserbringer nach Leistung und Mengen bezahlt werden, muss es solche Fehlentwicklungen geben. Die Vergütung von Ärzten und Kliniken muss davon getrennt werden, das ist das Prinzip der Daseinsvorsorge. Die Feuerwehr wird auch nicht nach der Zahl gelöschter Brände bezahlt.“

Momentan streiten sich Interessenverbände, Kassen und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der im Begriff ist, eine Richtlinie zur Ersteinschätzung von Notfällen vorzulegen, um das weitere Prozedere. Sowohl die Vertretungen der niedergelassenen Ärzte als auch die DKG haben eigene Konzepte vorgelegt, bei den Kliniken mit dem Anspruch, „den Hut“ für die Notfallversorgung zu übernehmen. Denn es wird zukünftig darum gehen, wer die 420 INZ verantwortlich leitet. Die Kliniken befürchten nämlich, dass ihre Ambulanzen zu reinen Servicestellen degradiert werden, wenn sich die Vorschläge des G-BA durchsetzen.

Da Lauterbach auch in diesem Fall kein neues Geld lockermachen will, geht es schlicht um die Verteilung vorhandener Pfründe. „Gerade die Notfallversorgung“, sagt Böhm, „wäre der Einstieg in den Umstieg in andere Finanzierungsformen. Patienten sollen sich auch weiterhin ambulant behandeln lassen können, weil dabei auch Wege und soziales Umfeld eine Rolle spielen. Doch solange bei solchen Entscheidungen nicht medizinische und soziale Erwägungen vorrangig sind, sondern finanzielle Interessen mitspielen, wird es keine gute Notfallversorgung geben.“ Das beinhaltet, dass sowohl Leitstellen als auch INZ und Ambulanzen personell besser ausgestattet werden. Eine Ersteinschätzung von Patient:innen auf Grundlage von Algorithmen, wie im Kommissionspapier angedacht, wäre fatal. Dann könnte man auch gleich ChatGPT in den Leitstellen installieren.

Ingrid S. liegt übrigens inzwischen gut versorgt auf einer Reha-Station, und auch Luis P. befindet sich auf dem Wege der Besserung.

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