Volksbank Heilbronn: Kommt es zu Anklagen? (Update)
Heilbronn. bfk) Die Schieflage, in die die Volksbank Heilbronn (Voba) geraten war, könnte für deren Vorstände noch Folgen haben, auch wenn die Verluste inzwischen durch die Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken ausgeglichen und die Fusion mit der Volksbank Schwäbisch Hall vollzogen wurde.
Die Verluste hatte das "Handelsblatt" im Frühjahr, als der Fall der Heilbronner Volksbank mit der Überschrift "Zocken am Neckar" bundesweit Schlagzeilen machte, als eine "extrem hohe, zweistellige Millionensumme" beziffert. Schuld an den Problemen sollen waghalsige Zinsgeschäfte (Zinswetten), Wertpapierleihgeschäfte und Exportgeschäfte sein, die, als "Cum Cum-Geschäfte" bekannt, nicht nur in Heilbronn abgewickelt wurden. Hierzu wurden in ähnlich gelagerten Fällen bereits Anklagen erhoben.
Das droht nun auch den damals verantwortlichen Vorständen der Volksbank. Wie die Staatsanwaltschaft Heilbronn jetzt auf RNZ-Nachfrage bezüglich eines möglichen Ermittlungsverfahrens, betreffend die Voba Heilbronn, mitteilte, wird "auf Grund der Berichterstattung ein sogenanntes Vorprüfungsverfahren eingeleitet, in dem geprüft wird, ob der Anfangsverdacht einer Straftat (beispielsweise Untreue) gegen Verantwortliche gegeben ist".
Update: Mittwoch, 16. Juni, 19 Uhr
Waghalsige Zinswetten - Volksbank hat sich in Schieflage gezockt
Von Brigitte Fritz-Kador
Heilbronn. Die vielen schönen Kulturerlebnisse und gesellschaftlichen Veranstaltungen in einem der schönsten Säle von Heilbronn, dem Adam-Gumbel-Saal der Volksbank – sie sind Vergangenheit. Das Heute sind Schlagzeilen der vergangenen Wochen, etwa wie die der Frankfurter Allgemeinen, die unter anderem schrieb: "Heilbronn ist nicht gerade als Zockermetropole bekannt. Doch was sich zuletzt in der örtlichen Volksbank abspielte, passt eher an die Wall Street als in die Stadt am Neckar." Auch viele andere überregionale Zeitungen schrieben über die Bank an der Allee mit Worten, die ein düsteres Schlaglicht auf deren sonst so lichtdurchflutete Fassade warfen.
Die Schieflage, in die die Bank geraten ist, wird durch die Fusion mit der Volksbank Schwäbisch Hall und dank der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken aufgefangen, das kann die Kunden und Genossenschaftsmitglieder beruhigen. Nicht nur sie wird jedoch verwundern, dass das "Handelsblatt" den Betrag daraus als eine "extrem hohe zweistelligen Millionensumme" beziffert.
Der Grund für die vielen Schlagzeilen sind waghalsige Zinsgeschäfte beziehungsweise Zinswetten, für die wohl frühere Manager verantwortlich sind, Wertpapierleihgeschäfte, Exportgeschäfte, solche, die auch als "Cum/Cum-Geschäfte" bekannt sind, und andere, auf die auch das Finanzamt ein Auge wird werfen müssen. Laut "Handelsblatt" verfügt die Volksbank zwar über 18,3 Millionen Euro Steuerrücklagen, es drohen aber auch noch etwa neun Millionen Euro Nachzahlungen.
Im Geschäftsbericht der Volksbank für das Jahr 2019, er ist noch nicht sehr lange verfügbar, kann man entsprechende Hinweise finden: "Die in den Jahren 2009 bis 2012, unter Annahme von steigenden Zinsen abgeschlossenen Zinsswaps zur Steuerung des Zinsbuchs, belasten auf Grund der anhaltenden Niedrigzinsphase weiterhin die Gewinn- und Verlustrechnung deutlich."
Die Volks- und Raiffeisenbanken sind auf dem Genossenschaftsprinzip aufgebaut und damit ihren Mitgliedern und ihren Standorten in besonderer Weise verpflichtet, demokratisch strukturiert und an genossenschaftlichen Werten orientiert, also nicht wie andere Geldinstitute nur an der reinen Wirtschaftlichkeit. Die Willensbildung findet in der Vertreterversammlung statt, ein Aufsichtsrat kontrolliert die Arbeit des Vorstandes.
Was ist dann aber schiefgelaufen in Heilbronn? Werden die Mitglieder in der nächsten Gewährträgerversammlung stillhalten, wenn es zum Beispiel um die Dividende geht? Werden sie den Vorstand entlasten? Die "schwierige Phase", wie sie die Volksbank selbst beschreibt, hält schon seit drei Jahren an. Die Vorstände wechselten, das Problem ist damit jedoch nicht aus der Welt, auch wenn von Seiten des Aufsichtsrates jetzt wieder Optimismus verbreitet wird.
