Wiesloch: Wird es einen neuen Skaterplatz geben?
Von Sophia Stoye
Wiesloch. Schon vor über 20 Jahren war der Skaterpark in Wiesloch Thema im Jugendgemeinderat – und hat sich auf der Tagesordnung immer wieder bis heute gehalten. Nun will das Gremium der Jugendlichen das Projekt endgültig anpacken und hat eine Arbeitsgruppe zu weiteren Planung gebildet. Ausschlaggebend war der Vorschlag eines jungen Skaters aus Wiesloch, Joshua Messmer.
Er hatte vorgeschlagen, die alte Skateanlage in Walldorf, die ausgemustert werden soll, abzubauen und in Wiesloch neben dem Freibad aufzustellen. "Das ist ein Ort für Jugendliche, an dem sie Sport machen und sich treffen können", sagte Messmer. Aktuell müssten die Skaterinnen und Skater zu den Nachbargemeinden fahren, um ihren Sport auszuüben, "wenn es dort voll ist, sogar bis nach Heidelberg oder Mannheim", so der Jugendliche.
"Die Skateanlage in Wiesloch hat eine lange Geschichte", meinte Meinrad Singler, Zuständiger der Stadt für die Freizeiteinrichtungen. Vor über 30 Jahren sei die erste Halfpipe (englisch für "Halbröhre"), eine Sportanlage für Skateboardfahrer, am Freibad in Wiesloch aufgestellt worden. "15 bis 20 Jahre lang war die Halfpipe in Betrieb", so Singler, dann habe sich der Sport gewandelt und die Anlage sei nicht mehr "das Nonplusultra" gewesen. Später wurde sie nicht mehr renoviert und schließlich abgerissen.
Immer mal wieder kam mit den Jahren die Idee auf, die Anlage zu reaktivieren, zwischenzeitlich waren sogar 100.000 Euro im Wieslocher Haushalt dafür eingeplant, die allerdings immer irgendwelchen Kürzungen zum Opfer fielen. "Nach zehn Jahren würde ich die Kosten inzwischen auf rund 150.000 Euro schätzen", schilderte Singler.
Mit der Übernahme der alten Geräte Walldorfs könnte sich die Stadt eine Menge Geld sparen. Wie der Leiter der Fachgruppe technischer Service erklärt, werden die Geräte der Astorstadt ausgemustert, "weil sie nicht mehr dem aktuellen Bedarf der Jugendlichen entsprechen". Grundsätzlich sei es schon möglich, die alte Ausrüstung zu übernehmen – sofern Wiesloch alles eigenständig abbaue und transportiere. Allerdings ist sich Singler nicht sicher, "ob sich der ganze Aufwand dafür lohnt". Wenn die Anlage wirklich etwas werden solle, müsse man im nächsten Haushalt die entsprechenden Mittel bereitstellen.
Unabhängig davon, von wem die neue Skateanlage kommen würde, bräuchte man auch einen richtigen Platz dafür, so Singler. Mindestens 400 Quadratmeter sind ihm zufolge notwendig – 600 Quadratmeter wären besser –, außerdem muss das Gelände entsprechend asphaltiert und eingezäunt werden.
Drei Flächen hat der Leiter der Fachgruppe bereits im Kopf, die in Frage kämen: Zum einen das Gelände, das auch Messmer angesprochen hatte, angrenzend zum Freibad. "Der Platz ist momentan gepflastert und müsste erst asphaltiert werden", erklärte Singler. Außerdem sei er, was die Größe angeht, "an der unteren Grenze" und deshalb nur "bedingt geeignet". Zumal es auch aus Klimaschutzgründen problematisch wäre, zusätzliche Grünflächen für den Platz zu versiegeln.
Der zweite Standort, der in Frage kommen würde, ist ein Gelände unter einer Brücke an der L 723 zwischen Wiesloch und Walldorf. "Das ist zwar ein bisschen außerhalb, würde dort aber niemanden stören", erklärte Singler. Zumal die Brücke als Überdachung die Anlage stets im Trockenen halten würde. Die Mindestgröße von 400 Quadratmetern erfüllt das Gelände allemal, auch 800 Quadratmeter könnten dort für eine Anlage eingeplant werden.
Die nächste potenzielle Fläche für eine Skateanlage ist laut dem Fachgruppen-Leiter der Festplatz mit einer Größe von 650 Quadratmetern. Zu Bedenken gab er hierbei aber, dass der Platz einmal im Jahr für das Winzerfest genutzt werde und es unmittelbare Nachbarn gebe. Der Vorteil sei dafür, dass dei Fläche bereits asphaltiert sei.
Daniel Schmitt, Ortschaftsratsmitglied in Baiertal, schlug als Zuhörer noch einen weiteren Standort vor: das Gelände nahe der Etten-Leur-Halle in Baiertal, auf dem bereits ein Basketballkorb steht.
Streetworker Roberto Di Natali begrüßte die Idee, betonte aber, dass eine Diskussion darüber wichtig sei, ob es sich nur um Partikularinteressen handle und das Geld gerechtfertigt sei. Jugendgemeinderätin Annika Böhm schlug deshalb vor, "Pumptracks" statt Halfpipes zu errichten.
Das ist eine asphaltierte Strecke aus aufgeschüttetem Zement, auf dem sich auch Mountainbiker, Kinder und Skater austoben könnten. "Dann hat man schon drei Interessensgruppen unter einem Hut", so Böhm.
Während ihr die anderen Rätinnen und Räte zustimmten, kritisierte Skater Joshua Messmer die Idee: Die Mountainbiker hätten bereits einen Pumptrack gegenüber dem Freibad. Damit die neue Sportanlage auch wirklich von den Skatern genutzt werde, bräuchte es etwas Eigenes. "Wir sollten etwas Richtiges machen, wo die Jugendlichen dann auch gerne hingehen."
