Bürgermeisterwahl Walldorf: Die Kandidaten stellten sich den Leserfragen
Von Sebastian Lerche
Walldorf. Mit ihrer Erfahrung, Einsatzwillen und Ideenreichtum wollten die drei aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Walldorf am vergangenen Sonntag beim digitalen RNZ-Wahlforum überzeugen. Im evangelischen Gemeindehaus stellte Timo Teufert, Leiter der Wieslocher RNZ-Redaktion, die Fragen, die Leserinnen und Leser per Facebook oder E-Mail an uns geschickt hatten. Er richtete sie an Rechtsanwalt und FDP-Stadtrat Matthias Renschler, die Hochschulprofessorin und Heidelberger CDU-Stadträtin Nicole Marmé sowie die Pharmazeutisch-Technische Assistentin und Walldorfer SPD-Stadträtin Petra Wahl.
Der evangelische Pfarrer Uwe Boch hieß seine Gäste willkommen, sorgte für die nötige Ruhe und stellte Getränke bereit. Das RNZ-Onlineteam mit Reinhard Lask und Katharina Schröder filmte das Geschehen, der Wieslocher Redakteur Tobias Törkott beobachtete das Facebook-Geschehen und gab Fragen und Infos an Teufert weiter, Frank Büchmann vom RNZ-Marketing bereitete quasi die Bühne mit RNZ-Faltwänden und passender Beleuchtung.
Nachdem sich die drei Kandidaten kurz vorgestellt hatten, antworteten sie auf die Frage, warum man sie überhaupt wählen sollte. Die Themenpalette der anschließenden Fragen reichte von Kinder- und Jugendarbeit sowie Angeboten für Seniorinnen und Senioren über Integration, Flüchtlingsunterbringung und Miteinander der Kulturen sowie Förderung der Elektromobilität bis zum Ansiedeln neuer Betriebe, Unterstützung des Einzelhandels sowie Kulturförderung.
Gefragt nach der ersten Maßnahme, die sie anpacken wollen, nannte Petra Wahl "bezahlbaren Wohnraum", davon "profitieren alle". Später nannte sie auch konkrete Ideen für Mehrfamilienhäuser auf zwei stadteigenen Grundstücken an der Wieslocher Straße. Matthias Renschler blickte auf den Neubau des Feuerwehrhauses: Das müsse schon der Feuerwehr zuliebe "ganz schnell" entstehen. Im alten Gebäude könnte dann ein "Haus der Vereine" als Treffpunkt und Veranstaltungszentrum eingerichtet werden. Und zudem könne das Grundstück mit dem Ausweichquartier der Wehr auf dem "Reinhard-Klee"-Gelände an der Ecke von Willinger-Straße und Schlossweg genutzt werden: für ein Seniorenzentrum mit weiteren Pflege- und Betreuungsangeboten.
Nicole Marmé nannte als "kleine, schnell umsetzbare Idee" mehr Begrünung in der Stadt und mehr Sitzgelegenheiten, sodass die Aufenthaltsqualität steige. Ansonsten wolle sie auf die Bürgerinnen und Bürger, auch Gewerbe, Vereine und weitere Gruppen zugehen und nach deren Bedürfnissen fragen.
Um erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, müsse die Stadt selbst Gebäude oder Grundstücke erwerben, betonte Matthias Renschler. Da müsse man Überzeugungsarbeit bei den Eigentümerinnen und Eigentümern leisten. Er könne sich auch vorstellen, bestimmte, etwa städtische Gebäude, aufstocken zu lassen, das müsse man prüfen.
Nicole Marmé meinte, Wohnungsnot sei auch in anderen Kommunen ein Thema und eine regionale Aufgabe. Wenn die Stadt Immobilien erwerben könne, sollte sie das tun und nicht nur beispielsweise an Familien mit geringem Einkommen denken, sondern auch an Walldorferinnen und Walldorfer, die in ihrer Heimatstadt bleiben möchten. "Wir müssen bauen", meinte Petra Wahl: Für sie sei Wohnraum "ein Hauptanliegen", da setze sie insbesondere auf den "gut aufgestellten Eigenbetrieb", die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft. Vor allem müsse "die Innenverdichtung gefördert" werden.
Dass die Verkehrssituation in und um Walldorf mehr als problematisch ist, war allen klar. So wurde auch über den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und des Fuß- und Fahrradwegenetzes gesprochen. Jedoch war den dreien auch bewusst, dass Walldorf nur wenige Maßnahmen allein treffen kann und ansonsten abhängig ist von Nachbarkommunen, Kreis, Land und Bund. Petra Wahl meinte, in der Coronakrise sei mit "Homeoffice", also der Arbeit von zu Hause aus, das Verkehrsaufkommen gesunken, doch sei nicht sicher, wie nachhaltig das sei. Daher müssten die Alternativen zum Privatauto attraktiver werden. Matthias Renschler meinte das auch: Daher wolle er mit den hiesigen Unternehmen das Gespräch suchen, um neue Mobilitätslösungen zu finden. Darüber hinaus wolle er für ein Umdenken in der Bevölkerung werben, damit mehr vor Ort und ohne Auto erledigt werde. Auch Nicole Marmé meinte, aus der jetzigen Krise könne man einiges lernen, etwa was Homeoffice angehe. Sie wolle ebenfalls Überzeugungsarbeit leisten, das eigene Auto weniger zu nutzen, "neue Straßen zu bauen sollte die allerletzte Möglichkeit sein", die Verkehrsprobleme anzugehen.
