Villa Fuchs in Heilbronn: Kahlschlag und Rundumschlag
Von Brigitte Fritz-Kador
Heilbronn. Wenn eine Richterin – auch als Privatperson – Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, dann hat das schon eine besondere Dimension. So geschehen zur allgemeinen Aufmerksamkeit, für die sie durch den "Verteiler" ihres Schreibens auch selbst sorgte: Es ging nicht nur an die Staatsanwaltschaft, sondern auch an die Medien, das Finanzamt und das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde für Stiftungen. Gegenstand der Anzeige von Christine Tecklenburg war der Verkauf der denkmalgeschützten Villa Fuchs im Heilbronner Osten. Ihr Vorwurf und damit auch ihre Anzeige wegen "Untreue beziehungsweise sämtliche in Betracht kommende Delikte" ist gerichtet gegen Karl Betz, den Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes Heilbronn, und zwar in seiner Eigenschaft als Stiftungsvorstand der Stiftung "Seniorenheim Fuchs". Bretz erfuhr von der Anzeige im Urlaub, dieser sei "dann erst mal vorbei gewesen" wie er sagt.
Die Erben des letzten Besitzers hatten das Areal nach dessen Wunsch der Diakonie überschrieben, mit der vom Erblasser vorgegebenen Maßgabe, hier "Wohnen im Alter" umzusetzen. Vor gut sieben Jahren, datiert auf den 18. Oktober 2013, wurde der Stiftungsvertrag unterschrieben. Er sieht vor, dass Villa, Nebengebäude und der große Park mit altem Baumbestand des rund 1,3 Hektar großen Anwesens als eine nicht selbstständige Stiftung der Diakonie dort Wohnen im Alter ("Seniorenstift Fuchs") ermöglichen sollen.
Dies aber erwies sich als nicht umsetzbar, unter anderem auch wegen der Innengestaltung der denkmalgeschützten Villa, in die beispielsweise ein Aufzug eingebaut werden müsste. Bretz, als Sachwalter eines Erbes ohne liquide Mittel, wollte deshalb zunächst einen Teil des Grundstücks verkaufen und auch eine Einrichtung zur Kinderbetreuung schaffen, um so die nötigen Mittel zu erwirtschaften. Diese Pläne scheiterten – vor allem am Einspruch der Nachbarn, die in dieser höchstwertigen Wohnlage solche Einrichtungen, die Verkehr und Lärm mit sich bringen, nicht haben wollten. Zu den Beschwerdeführern soll auch die Richterin gezählt haben, die jetzt Anzeige erstattete.
Bretz sagt, da habe er die Notbremse ziehen und "mit blutendem Herzen" den Verkauf durchführen müssen. Diesem war ein einstimmiges Votum der zuständigen Gremien vorausgegangen – ein Mitglied im Stiftungskuratorium ist Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel –, und auch die Landeskirche stimmte zu.
Dass das Areal an den Heilbronner Investor Roland Hertner ging, das erregte dann freilich Aufsehen. Der Unternehmer aus dem Sanitärbereich hat in Heilbronn einen Ruf wie Donnerhall, bekannt geworden und umstritten wegen verschiedener, sehr ins Auge und aus dem Rahmen fallender Bauten luxuriöser Häuser. Bretz sagt, von ihm sei das höchste Gebot gekommen, doppelt so hoch, wie das Erbe in der Stiftung bilanziert war. Hertner soll hier, am Hang oberhalb der Jägerhausstraße und gegenüber dem Pfühlpark, ein Projekt mit etwa 70 Wohnungen planen.
Die Villa darf nicht abgerissen werden, was allerdings mit dem Park nun geschah, das empört auch viele nicht betroffene Heilbronner. Bretz hätte den Park gerne öffentlich zugänglich gemacht, wären seine Pläne umsetzbar gewesen. Am ersten Samstag in diesem Jahr wurde er komplett abgeholzt – nur eine alte, mächtige Rotbuche durfte stehen bleiben. Richterin Tecklenburg bemängelt auch dies in ihrer Anzeige: Der Investor – "wohl Herr Roland Hertner" – habe nach der Veräußerung im Dezember 2020 "sogleich eine Komplettrodung des denkmalgeschützten Grundstückes am 2. Januar 2021 betrieben, ohne jegliche Vorabinformation der Nachbarn und straßenverkehrsrechtliche Vorkehrungen".
Ob das wohl auch ein Fall für die Staatsanwaltschaft ist? Mareike Hafendörfer, Pressesprecherin der Heilbronner Staatsanwaltschaft, bestätigt den Eingang der Anzeige und dass diese behandelt werde, in welcher weiteren Form und mit welchen Folgen, das sei noch offen.
Geklärt ist indes, was mit dem Erbe nun geschieht: Mit dem Verkaufserlös wird ein anderes, neues "Seniorenstift" im Stadtteil Neckarbogen finanziert. Die Stiftung hat das Grundstück bereits erworben.
