Neckarsteinach: Investor interessiert sich für Baugebiet "Östlich der Galgenhohl"
Neckarsteinach. (iz) Ganz im Zeichen des Baugebiets "Östlich der Galgenhohl" stand die erste Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses nach der Kommunalwahl im März: Mit dem Antrag der Freien Wähler (FWG) zum Anschreiben der Grundstücksbesitzer in diesem Bereich rückte ein seit Jahrzehnten im Stadtparlament und der Bürgerschaft diskutiertes Thema in den Fokus der Zusammenkunft.
Schon unter Bürgermeister Eberhard Petri waren im Jahre 2010 die Eigentümer dieses Baugebiets am östlichen Ende der Stadt angeschrieben worden und gefragt, ob sie Interesse an einer Weiterentwicklung ihrer Grundstücke haben. Dazu muss man wissen, dass es dort circa 100 Eigentümer gibt, die jeweils schmale handtuchartige Flächen besitzen – darunter auch eine Erbengemeinschaft mit bis zu 35 Erben, die teils gar nicht auffindbar sind. Das damalige Schreiben brachte folgende Ergebnisse: 10,9 Prozent antworteten nicht oder waren verstorben; 21,5 Prozent hatten kein Interesse an einer Bebauung, 66,2 Prozent wollten eine Weiterentwicklung.
Die Stadtverordnetenversammlung entwarf daraufhin ein neues Konzept für eine Randbebauung dieses Gebiets, bei dem nur neun Häuser entstanden wären. Aber gegen diesen Plan strengte eine Besitzerin ein Normenkontrollverfahren an und war damit erfolgreich. So wurde im Jahre 2017 dieses Bauvorhaben als "unwirksam" erklärt.
Seitdem ruht das Projekt. Allerdings hat Bürgermeister Herold Pfeifer inzwischen das Interesse eines Investors für das Galgenhohl-Gelände geweckt, der zur Zeit im Schönauer Tal die Reihenhaussiedlung entwickelt. Dieser möchte aber vorerst die weiteren Vorhaben weiterführen, die er im ehemaligen Fabrikgelände von F&O und noch in anderen Teilen der Stadt begonnen hat.
Pfeifer informierte die Stadtverordneten auch darüber, welche finanziellen Folgen eine Erschließung der Galgenhohl für Neckarsteinach hätte. Es sei zu erwarten, dass dort mehr als 100 Wohneinheiten entstehen könnten, zu einem Großteil für Familien mit Kindern. Das würde bedeuten, dass die Stadt einen weiteren neuen Kindergarten mit Baukosten von knapp fünf Millionen Euro und jährlichen Unterhaltungskosten von knapp einer Million Euro bauen müsse. Zudem müsse dann die Wasser- und Abwasserinfrastruktur erheblich vergrößert werden. Pfeifer schlug vor, die zunächst begonnenen Bauvorhaben abzuschließen und die Trinkwasserversorgung durch die Erschließung neuer Quellen und durch die Bohrung eines neuen Tiefbrunnens zu sichern. Die gleiche Meinung äußerte auch Hans Schadenfroh von der CDU.
Dieter Jooß (FWG) kritisierte die Äußerungen des Bürgermeisters als einseitig. Er halte es für falsch, nur die negativen Folgen von Grundstückserschließungen zu sehen. Mehr Einwohner bedeuteten auch mehr Steuern und eine geringere Höhe der Gebühren. Er sei der Ansicht, dass die Stadt endlich klar benennen müsse, ob sie die Galgenhohl bebauen lassen wolle oder nicht. Sein Antrag, dass die Verwaltung bis Ende des Jahres ein Konzept vorlegen solle, wie es in der Galgenhohl weitergehen könnte, wurde von den anderen Fraktionen mehrheitlich abgelehnt.
Neben der Galgenhohl gab es aus der Sitzung noch Folgendes zu berichten: Denise Grau (CDU) wurde zur neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Als ihr Stellvertreter wurde ihr Vorgänger Max Vollmer (FWG) in geheimer Wahl gegen Marcus Augsburger bestimmt. Schriftführer ist Harry Hack, sein Stellvertreter Roland von Petersdorff-Hagendorn. Weiterhin hätte in der Sitzung der Sachstand des Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplans erörtert werden sollen. Dies wurde auf Antrag der Verwaltung in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung verlegt.
