Drama auf dem Ozean: Deutscher Skipper Boris Herrmann kollidiert mit Fischerboot – kurz vor möglichem Vendée-Globe-Sieg
In 80 Tagen um die Welt und dann das: Der Hamburger Boris Herrmann ist bei der Segelregatta Vendée Globe kurz vor dem Ziel mit einem Fischerboot zusammengestoßen – der Sieg ist damit kaum noch möglich.
Der deutsche Segler Boris Herrmann hat bei der Regatta Vendée Globe rund 150 Kilometer vor dem Ziel an der französischen Atlantikküste einen Fischkutter gerammt – und verpasst dadurch wahrscheinlich den Sieg bei dem prestigeträchtigen Rennen.
Der 39-jährige Skipper blieb bei der Kollision unverletzt, konnte allerdings mit seiner rund 18 Meter langen "Sea Explorer" nicht mehr wie gewohnt Fahrt aufnehmen, Herrmann fiel dadurch zurück. Einer der Tragflügel ("Foils") soll durch die Havarie beschädigt worden sein. Zum Zustand des Fischerboots und dessen Besatzung gab es zunächst keine Angaben.
Vendée Globe: Boris Herrmann kollidiert mit Fischerboot
Zuvor kam der Franzose Charlie Dalin am Mittwochabend bei der Vendée Globe zwar als Erster ins Ziel – er benötigte 80 Tage, sechs Stunden, 15 Minuten und 47 Sekunden für die Weltumrundung –, jedoch wurden Boris Herrmann wegen der Rettung eines schiffbrüchigen Teilnehmers im Verlauf der Regatta sechs Stunden gutgeschrieben.
"Das sind die wohl spannendsten Stunden meines Lebens", sagte Herrmann noch am Finaltag zu dem erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen – und er sollte Recht behalten. Der Schlussspurt ist zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden, der jedoch nun kaum noch zu gewinnen ist.
Nach dem Zusammenstoß sank die Geschwindigkeit der "Sea Explorer" auf nur noch rund sieben Knoten (etwa 13 Stundenkilometer), zuvor war das Boot mit mehr als 20 Knoten unterwegs. Wann Hermann das Ziel erreichen wird, war zunächst nicht absehbar
27 männliche Teilnehmer und sechs weibliche Seglerinnen, darunter auch die Deutsch-Französin Isabelle Joschke, waren bei der Nonstop-Regatta einmal um die Welt am 8. November an den Start gegangen.
PAID Interview Isabelle Joschke_10.20Uhr
Getrübt wurde die diesjährige Ausgabe der Vendée Globe von einem Schiffbruch des Franzosen Kevin Escoffier in der Nacht auf den 1. Dezember. Sein Boot hatte im Südpazifik einen Wassereinbruch erlitten. Der 40-Jährige setzte Seenotsignale ab und war nicht mehr erreichbar. Die Regattaleitung beorderte daraufhin mehrere Teilnehmende zum vermuteten Unglücksort rund 1500 Kilometer südwestlich von Kapstadt, darunter auch Boris Herrmann.
Der französische Skipper Jean Le Cam entdeckte seinen verunglückten Landsmann schließlich auf einer Rettungsinsel, verlor ihn aber mehrfach aus den Augen, ehe er den Schiffbrüchigen an Bord nehmen konnte. (Lesen Sie hier mehr über die Rettungsaktion.) Der zum Unglückszeitpunkt Drittplatzierte sei nach rund zwölf Stunden "sicher und gesund gerettet" worden, teilte die Regattaleitung anschließend mit und schrieb mehreren Seglern für die Umwege wegen der Rettungsmission Zeit gut: Boris Herrmann sechs Stunden, Yannick Bestaven zehn Stunden und 15 Minuten sowie Jean Le Cam 16 Stunden und 15 Minuten.
Positiv in Erinnerung bleiben dürfte einigen Teilnehmendem dagegen ein überraschendes Zusammentreffen mehrerer Boote Mitte Dezember: Nach rund 22.000 Kilometern auf See kamen sich fünf Segelyachten im Bereich des 50. Breitengrades auf Sichtweite nahe – ein überaus seltener und unwahrscheinlicher Moment. Der seinerzeit Siebtplatzierte Boris Herrmann kommentierte: "Was für ein unglaublicher Moment. Fünf Boote treffen sich auf dem Indischen Ozean." (Hier mehr dazu.)
Einmal um die Welt – allein und nonstop
Die Vendée Globe gilt als härteste Regatta für Einhandseglerinnen und -segler der Welt. Nach dem Start vor Les Sables-d’Olonne an der französischen Atlantikküste führt der Kurs vorbei am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, am Kap Leeuwin in Australien und am Kap Hoorn in Chile rund um den Globus, ehe die Sportlerinnen und Sportler wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Während der rund 44.000 Kilometer – einige benötigen je nach gewähltem Kurs sogar rund 52.000 – sind die Teilnehmenden völlig auf sich allein gestellt und haben mit teils extremen Wetter- und Wasserbedingungen zu kämpfen.
© Vendée Globe
Die Segelregatta wird seit 1989 ausgetragen und findet seit 1992 im Vier-Jahres-Rhythmus statt. Der Rekord für die Bewältigung der Route liegt bei 74 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten und 46 Sekunden und wurde 2016/17 vom Franzosen Armel Le Cléac'h aufgestellt.
Quellen: Vendée Globe, Norddeutscher Rundfunk, Instagram Boris Herrmann, Nachrichtenagentur DPA
