Verordnungswirrwarr: Corona-Verordnung machte Betrieb unmöglich - und jetzt wieder möglich (Update)
Von Timo Teufert
Walldorf. Für Sabine Mayer-Kronenberger war der Freitag ein Wechselbad der Gefühle: Am Mittag hatte sie noch in einer Videobotschaft an die Landesregierung ihrem Ärger über eine Verordnung Luft gemacht, die am Donnerstag notverkündet worden war. Demnach hätte den Tanzpaaren, die seit letztem Dienstag wieder bei Kronenberger tanzen dürfen, 25 Quadratmeter statt bislang zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen müssen. Doch offenbar war der Gegenwind aus den Tanzschulen so groß, dass die Regelungen noch am Freitagabend aufgehoben wurden: "Die Regierung ist zurückgerudert und es bleibt bei den zehn Quadratmetern für stationäre Tänze", berichtet Mayer-Kronenberger am Sonntag erleichtert. Nach dieser Änderung muss sie mit ihren Tanzkreisen in dieser Woche nicht in die Astoria-Halle ausweichen, die ihr die Stadt Walldorf kurzfristig zur Verfügung gestellt hatte. "Ich bin sehr erleichtert", sagte die 53-Jährige.
Und noch eine Lockerung gibt es: "Bislang durften nur die Paare wieder kommen, die mit ihrem Tanzpartner in einem Haushalt leben", berichtet Mayer-Kronenberger. Nach den Änderungen dürfen jetzt auch wieder die Paare tanzen, die aus unterschiedlichen Haushalten kommen. Einzige Voraussetzung: Sie müssen langfristig und dauerhaft zusammen tanzen. Diese Regelung gilt auch für die Jugend-Tanzkreise, bei denen die Paare lange zusammen tanzen: "Nach den Pfingstferien wollen wir die zurück in die Tanzschule holen", freut sich Mayer-Kronenberger.
Update: Sonntag, 7. Juni 2020, 14.30 Uhr
Neue Verordnung macht Tanzschulen-Betrieb quasi unmöglich
Von Timo Teufert
Walldorf. Sabine Mayer-Kronenberger war den Tränen nahe, als sie sich am Freitagmittag mit einer Videobotschaft an die Landesregierung wendet: Erst am Dienstag hatte sie ihre Tanzschule in Walldorf nach der Corona-Zwangspause wieder eröffnet und dann das: Am 4. Juni hatte das Land eine neue Verordnung notverkündet, die am Samstag in Kraft tritt und die das Arbeiten für Tanzschulen nahezu unmöglich macht. Demnach müssen den Paaren 25 Quadratmeter zur Verfügung stehen, vorher waren es zehn. Weil das in kaum einer Tanzschule im Land machbar sein dürfte, protestiert Mayer-Kronenberger mit Berufskollegen gegen die neue Verordnung.
"Unsere Tanzkreise bekommen wir unter diesen Bedingungen gar nicht untergebracht", ärgert sich die 53-Jährige im RNZ-Gespräch. In den beiden Sälen der Tanzschule hatten eine Woche lang Paare, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, tanzen können: Sechs Paare im unteren, acht im oberen. "Mit den neuen Regeln müssten wir diese Gruppen noch einmal teilen", ist Mayer-Kronenberger verzweifelt. Das sei nicht nur ein wahnsinniger Aufwand, sondern wirtschaftlich auch kaum darstellbar. In den 14 Tanzkreisen für Erwachsene tanzen rund 150 Personen bei der Tanzschule, die Mayer-Kronenberger seit 31 Jahren führt. Für sie hatte sie zusammen mit ihrem Team das Programm umgestellt, Markierungen auf dem Parkett angebracht und ein Online-Registrierungssystem für die Internetseite programmieren lassen.
"Es versteht niemand, warum die Regelungen jetzt noch einmal geändert wurden", berichtet Mayer-Kronenberger von einer Videokonferenz mit Kollegen aus dem Bundesverband Deutscher Tanzlehrer. Schließlich habe man nur lateinamerikanische Tänze wie Rumba, Cha-Cha-Cha, Jive, Salsa und Disco Fox unterrichtet, die stationär getanzt werden können. Außerdem schenkt man keine Getränke aus und die Tänzer dürfen nur mit einem Mund-Nase-Schutz die Tanzschule betreten.
"Wir waren zum Beginn der Woche voller Vorfreude und Euphorie, unsere Tänzer glücklich. Doch jetzt werden alle vor den Kopf gestoßen", berichtet Mayer-Kronenberger. Man habe sogar überlegt, ob man wieder zumachen sollte. Dabei sei die Rückmeldung von den Tanzkreis-Teilnehmern nach dem Neustart am Dienstag durchweg positiv gewesen: "Viele wollten endlich wieder tanzen und haben nach dem Unterricht gestrahlt. Es war lustig und schön und man merkt, wie die Menschen danach gieren, wieder etwas zusammen zu machen."
Nicht verstehen kann Mayer-Kronenberger, warum nur in Baden-Württemberg so strenge Regeln gelten: "Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das so eine Regelung hat." In Bayern dürften die Tanzschulen am 8. Juni für bis zu zehn Paare ohne Quadratmeter-Vorschrift wieder aufmachen. "In Nordrhein-Westfalen finden sogar Kinder- und Jugendkurse statt", weiß Mayer-Kronenberger.
Spontane Hilfe für die Tanzschule kam gestern von der Stadt Walldorf: Ausnahmen von der Landesregelung seien nicht möglich, berichtet der Erste Beigeordnete, Otto Steinmann. Deshalb habe die Stadt geschaut, wo man Mayer-Kronenberger mehr Fläche zur Verfügung stellen könnte: "Da es nächste Woche noch keine Nutzung in der Astoria-Halle gibt, stellen wir sie Sabine Mayer-Kronenberger zur Verfügung", berichtet Steinmann. So könne sie zumindest eine Woche überbrücken. Die bisherige Corona-Verordnung läuft am 15. Juni aus. "Wir hoffen, dass wir so ein Stück weit helfen konnten", sagt Steinmann.
Über die Unterstützung der Stadt freut sich Mayer-Kronenberger sehr und hofft, dass sie nach einer Woche wieder in ihren Tanzschulräumen so weitermachen kann, wie seit dem 2. Juni. "Wir fordern ja nichts Unmögliches", ist sie überzeugt. Schließlich wolle man nicht unvernünftig oder unverantwortlich handeln, sondern vor allem auch den kleinen Betrieb erhalten.
