Eberbach: Reihe von Kirchenführungen startet in der Michaelskirche
Von Waltraud Dollinger
Eberbach. Wesentlich mehr Interessenten als erwartet fanden sich ein, um die Michaelskirche einmal aus anderer Sicht zu betrachten. Dafür bieten Geologe Dr. Bernhard Strey und Pfarrer Gero Albert eine Reihe von Kirchenführungen an, die am Sonntag startete. Dabei soll die geistliche, aber auch die geologische Betrachtungsweise im Vordergrund stehen.
Strey eröffnete die Führung mit Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte des Buntsandsteins vor etwa 250 Millionen Jahren. Das Klima war wüstenartig und offensichtlich lebensfeindlich, da sich sehr selten Fossilien im Sandstein finden, eher Schachtelhalme, Gräser und natürlich das den Eberbachern bekannte "Rote Krokodil".
Der sogenannte Bausandstein wurde in den Steinbrüchen von Eberbach und Pleutersbach abgebaut. Er ist extrem fest und hart und daher sehr gut zum Bauen geeignet. Deshalb findet man ihn in erster Linie in Rathäusern, öffentlichen Gebäuden und Kirchen. Im anschließenden Rundgang referierte Strey ausführlich über das Material Sandstein anhand von Beispielen an der Kirchenmauer.
Gezeigt wurden unter anderem Steine mit Parallel- und Schrägschichtung. Charakteristisch sind auch linsenförmige Hohlräume, die manchmal mit verdichtetem Ton gefüllt sein können, die sogenannte Tongalle. Auch ein seltenes Exemplar mit Einschlüssen von Quarzgeröll war zu finden. Der Buntsandstein der Michaelskirche kam wegen Lieferengpass nicht aus den hiesigen Steinbrüchen, sondern aus Hirschhorn. Deshalb verzögerte sich laut Strey der Bau um Jahre. Vorhandene alte Steine wurden aber mit verwendet.
Pfarrer Albert übernahm anschließend die Führung aus geistlicher Sicht. Kirchen wurden gerne erhöht gebaut und waren deshalb meist über Treppen erreichbar. Es sollte der Raum sein, der herausgehoben ist aus dem Alltag des Lebens. Mit dem Kirchenlied "Ausgang und Eingang" zog die Gruppe zum zentralen Bereich im Chorraum. Die Kirche ist wie eine hohe Halle gebaut, was für die Akustik sehr wertvoll ist und wird deshalb auch gerne von Chören genutzt. Kirchen werden generell nach Osten ausgerichtet. Die Michaelskirche steht eher etwas in südöstlicher Richtung, die wahrscheinlich von den alten Vorgängerbauten vorgegeben wurde.
Das Kreuz als zentrales Symbol des Glaubens und Zeichen der Hoffnung und das Fenster als das Licht der Auferstehung kamen erst später. Nach der reformatorischen Überzeugung in der Augsburger Konfession gehören drei Dinge in eine evangelische Kirche: die Kanzel, der Taufstein und der Altar. Obwohl eher schlicht gestaltet, findet man auch in der Michaelskirche Goldelemente an Figuren oder der Kanzel. Gold ist sehr wertvoll, so wie das Wort, das von der Kanzel aus verkündet wurde.
Am Taufstein, ebenfalls aus Buntsandstein, findet man Symbole für Christus eingemeißelt, z. B. den Fisch.
Dann wandte sich Pfarrer Albert dem Thema Altar zu. Die Kerzen stellen das Licht Gottes dar, "das uns leuchtet und wärmt". Schnittblumen bedeuten Schönheit, aber auch Vergänglichkeit. Paramente, also Altardecken, wechseln je nach Kirchenjahreszeit ihre Farben in weiß, grün, violett und rot. Das runde Kirchenfenster zeigt die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie das Lamm in der Mitte. Durch die Ausrichtung nach Osten wird das Licht der aufgehenden Sonne eingefangen.
