Erhalt der Artenvielfalt: Wieslocher Gemeinderat beschloss umfangreiches Handlungskonzept
Wiesloch. (hds) Das Handlungskonzept zum Erhalt der Artenvielfalt, vom Fachbereich "Umwelt" im Rathaus erarbeitet, kann nun kontinuierlich umgesetzt werden. In der jüngsten Sitzung des Wieslocher Gemeinderats sprachen sich die Mitglieder des Gremiums mit großer Mehrheit (bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen) dafür aus. Im laufenden Haushaltsjahr fallen dafür zusätzliche Kosten in Höhe von 20.000 Euro an. Bereits im März 2019 hatte sich der Gemeinderat angesichts der alarmierenden bundesweiten Situation wegen des Rückgangs von Insekten und schwindender Population auf Wieslocher Gemarkung dafür ausgesprochen, aktiv zu werden. Von der Verwaltung wurden die entsprechenden Anträge in das vorgestellte Maßnahmenpaket eingearbeitet.
Speziell wird es darum gehen, bestehende Lebensräume bei städtebaulichen Entwicklungen, alle gesetzlich geschützten Biotope und ökologisch hochwertige Grundstücke vorrangig zu erhalten. Wie Monika Stein vom Fachbereich "Umwelt" dazu ausführte, sind bereits einige Maßnahmen in der Umsetzungsphase. So werden unter anderem bei der geplanten Aldi-Erweiterung bienenfreundliche Stauden mit in die Auflagen eingefügt. An der Pestalozzischule in Baiertal werde der umliegende Baumbestand, der als Vogelbrut- und Nahrungsbiotop äußerst wertvoll sei, bei künftigen Planungen berücksichtigt und erhalten. Vor allem, so sieht es der Vorschlag vor, müsse auf Herbizide und Pestizide auf jenen Flächen, die der Stadt gehören, verzichtet werden. "Wir werden seitens der Verwaltung auch, soweit dies möglich ist, mit den jeweiligen Pächtern in Kontakt treten, damit sie mit den ihnen zur Verfügung gestellten Flächen ebenso verfahren", informierte Stein. Die bestehenden Verträge – es handelt sich konkret um 148 Pachtflächen – werden jetzt hinsichtlich einer Eignung für die genannten Wiesen überprüft. "Wichtig ist uns eine Kooperation mit den Landwirten, auf eine Kündigung wollen wir verzichten", sagte Stein. Der Pestizide-Verzicht sei beim städtischen Bauhof und der Gärtnerei schon realisiert.
In einem weiteren Punkt ist geplant, sogenannte "Blühwiesen" anzulegen. So sollen in jedem Stadtteil auf dafür ausgewiesenen Flächen artenreiche Mähwiesen als Biotop-Verbundnetz entwickelt und angelegt werden. Die Vernetzung der Biotope steht ebenfalls auf der Agenda. Am Waldangelbach werden in Höhe des Friedhofs frühblühende Bienenweidebäume gepflanzt, um so das "Angebot" für Insekten und Bienen zu verbessern. Die dafür notwendigen Finanzmittel sind im Haushalt 2020 enthalten. Bereits im Vorjahr konnten nach den Ausführungen Monika Steins 164 Bäume und 211 Sträucher gepflanzt werden. Dies sei ein gutes Beispiel für eine "mosaikartige Vernetzung" über die gesamte Vermarktung und müsse kontinuierlich weitergeführt werden.
In der Innenstadt werden 37 Nisthilfen an kommunalen Gebäuden geschaffen, dafür gibt es vom Landschaftserhaltungsverband finanzielle Unterstützung. Insbesondere für Fledermäuse, Mehlschwalben und Mauersegler seien diese Nistplätze geeignet. Das Konzept sieht weiterhin vor, auch Fassaden zu begrünen, um zusätzlichen Lebensraum für Insekten zu schaffen. Diese Aktivitäten sind für die Helmut-Will-Sporthalle und an der Pestalozzischule in der Planung.
In ihren Stellungnahmen lobten die SPD und die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen das Konzept. So sagte Richard Ziehensack (SPD), man habe alle Forderungen im Konzept erfüllt und Dr. Gerhard Veits (Grüne) äußerte sich ebenfalls sehr zufrieden: "Es wurde bereits viel gemacht und wir wissen jetzt, was noch zu tun ist." Monika Rausch-Förster (Freie Wähler) mahnte an, die Nutzer von Kleingärten mit in den Informationsfluss einzubinden. "Die Landwirte, die dafür sorgen, dass wir Lebensmittel ’vor Ort’ produzieren, sind sicherlich in allen Belangen gut unterrichtet", die Kleingärtner müssten daher ebenfalls auf den aktuellen Stand gerade beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gebracht werden. Auf die Anregung von Professor Thorsten Krings (FDP), doch die vielen Konjunktive in dem Konzept herauszunehmen ("Wir sollten. Wir könnten") entgegnete OB Dirk Elkemann, viele Maßnahmen seien mit Ausgaben verbunden, die dann jeweils im Rat zu entscheiden seien.
Ein Nachtrag zum vorangegangenen Tagesordnungspunkt "Klimaschutzkonzept" (RNZ vom 31. Januar): Prof. Gert Weisskirchen (SPD) begrüßte die klaren Forderungen der Initiative "Fridays for Future" auch in Wiesloch. "Unser Ziel ist es, Klimaschutz auch vor Ort zu betreiben." Man habe schon viel Zeit verloren, jetzt gehe es darum, schnell zu handeln. "Wir werden unser Verhalten in vielen Bereichen ändern müssen, um das von uns initiierte Ziel, Wiesloch bis 2014 klimaneutral zu machen, zu erreichen", so Weisskirchen. Es sei erfreulich, dass sich der Gemeinderat für das Konzept mit breiter Mehrheit ausgesprochen habe.
