Mannheimer Capitol: Sanierung geht in die nächste Runde
Von Marco Partner
Mannheim. Nach der Sanierung ist vor der Sanierung: Nachdem das Capitol bereits 2018 für rund zwei Millionen Euro aufwendig renoviert wurde, steht das Kulturhaus in der Neckarstadt-West in diesem Jahr vor neuen, großen Herausforderungen. Neue Lüftungsanlage, Ausgestaltung der Kellerräume, Einbau eines Bühnenaufzugs: Insgesamt eine Million Euro muss die Spielstätte für die zweite Umbauphase investieren. Einerseits, um Brandschutzbestimmungen gerecht zu werden und die Betriebserlaubnis aufrecht zu erhalten. Aber auch, um ein ganz neues Raumklima zu schaffen und die Crew-Mitglieder bei ihrer täglichen Arbeit deutlich zu entlasten.
Seit fast 40 Jahren ziehen sich Blechschächte durch den Keller des Capitols. Eine Etage unter den roten Sesseln des Parketts thront die Lüftungsanlage im feucht-klammen Unterhaus. "Sie ist alles andere als energetisch, den Saal richtig runterkühlen können wir mit ihr nicht. Im Sommer bekommen wir die Wärme gar nicht heraus, und auch die Bausubstanz leidet darunter", berichtet Geschäftsführer Thorsten Riehle. Stattdessen wandert die neue Lüftungsanlage nun von ganz unten nach ganz oben, aufs Dach. Durch Gewebeschläuche, sogenannte Textilkanäle, die unter anderem durch die Lichtkonstruktion der Bühne verlaufen, wird je nach Bedarf die kalte oder warme Luft angesaugt und durch den Stofftunnel geblasen. "Dadurch bekommen wir eine richtig professionelle Kühlung, auch die Wärme der Zuschauer können wir nutzen und somit einen besseren, ökologischen Fußabdruck hinterlassen", betont der Capitol-Chef.
Aber nicht nur energetisch ist die neue Lüftung von Vorteil. "Sie setzt eine richtige Rochade in Gang", erklärt der Geschäftsführer, denn im Keller wird plötzlich Platz geschaffen, für einen großen Lagerraum. Da das 1928 errichtete Kulturhaus ursprünglich ein Kino war, wurde an eine Aufbewahrung von Requisiten oder Bühnenbild natürlich kaum gedacht. "Seit Jahren behelfen wir uns damit, die Technik und Materialien in ein externes Lager zu bringen", so Riehle. Im modrigen Keller kann man nur kurzzeitig etwas unterstellen. "Da unten ist es staubig und feucht, viele Requisiten mussten wir auch schon entsorgen", bedauert Pressesprecherin Julia Wütscher.
Zudem müssen die Crew-Mitglieder beim Auf- und Abbau der Kulisse einen Zickzackkurs durch das Gebäude auf sich nehmen. Aus dem Keller, raus auf die Straße, und dann erst durch den Eingang auf die Bühne. Bei allein 50 Eigenproduktionen pro Jahr eine große und umständliche Schlepperei. Deshalb soll künftig ein Aufzug den direkten Weg vom sanierten Kellerlager auf die Bühne nehmen. Ein Vorhaben, das schon 2018 auf der Agenda stand. Da einige Baustellen aber mehr Zeit und Geld verschlangen als geplant, mussten andere Vorhaben zurückgestellt werden. "Vor allem der Spruch des Elektrikers ist mir noch in lebhafter Erinnerung: Er stellte fest, dass der Strom noch über Klingeldraht fließt", so Riehle. Also mussten komplett neue Leitungen gelegt werden – und der Keller blieb erst einmal wie er ist.
2018 ging die Sanierung in elf Wochen über die Bühne. Danach erstrahlte das Capitol dann im Charme der späten 1920er Jahre, mit neuem Saalboden, renovierter Empore, neuer Theke und Ticketschalter. Bei der Restaurierung hielt man sich an die ursprüngliche Raumgestaltung von 1927. Auch jetzt will man die große Sommerpause nutzen. "Dass in diesem Jahr die Fußball-EM stattfindet, kommt uns zugute. In diesen Zeiten wird der Betrieb ohnehin heruntergefahren", sagt Riehle, und hofft auch bei der Spendenbereitschaft auf den Fahrstuhl-Effekt. 800.000 Euro trommelte das Capitol in der ersten Umbauphase zusammen. Mit der Kampagne "Sanierung Vol.2" wirbt man nun erneut um Gelder. "Aktuell stehen wir bei 51.210 Euro", erklärt Thorsten Riehle. Bis zur Million ist es also noch ein weiter Weg. "Aber ich bin da guter Dinge. Wir haben viele Unterstützer, Freunde und Förderer."
Info: www.capitol-mannheim.de
